Band 
Vierter Band. F bis G.
Seite
184
JPEG-Download
 

184 Fontenay Fontenelle

Laune der Frau von Montespan überdrüssig war. Sobald sie die Leitenschaflkannte, die sie eingeflößt hatte, überließ sie sich ganz dem Hochmuth und der Ver-schwendung , welche die Hauptzüge ihres Charakters ausmachten. Sie gab derFrau von Montespan hundertfach die von ihr empfangenen Blicke der Verachtungzurück, brachte monatlich 100,000 Thaler durch, war die Spenderin aller Gna-denbezeigungen und gab den Ton für alle Moden an. Als ihr auf einer Iagdpartieder Wind den Kopfputz in Unordnung gebracht hatte, ließ sie ihn durch einBand wie-der befestigen, dessen Knoten ihr auf die Stirne sielen; diese Mode verbreitete sichunter ihrem Namen in ganz Europa . Der König erhob sie zur Herzogin ; alleinsie genoß dieses Ranges nicht lange, denn sie starb, kaum 20 Jahre alt, an denFolgen einer Niederkunft 1681 in der Abtei Portroyal in Paris .

Fontenav , Dorf im ehemal. Bourgogne, Deport. Ponne, wo 841 dieblutige Schlacht zwischen den Söhnen Ludwigs des Frommen vorfiel, welche 843den Theilunac-vertrag zu Verdun zur Folge hakte, vermöge dessen das große frän-kische Reich so getheilt wurde, daß Lothar l. Italien und das nachmalige Lothrin-gen nebst dem Kaisertitel, Ludwig Deutschland, und Karl der Kahle Frankreich erhielt. — Fontenay, Dorf in der Grafsch. Hennegau , bekannt durch dieSchlacht am 11. Mai 1745, welche die franz. Armee unter dem Marschall vonSachsen gegen die Verbündeten unter dem Herzog von Cumberland gewann.

Fontenelle, (Bcrnard leBovier de), geb.den 11.Febr. 1657 zuRouen,Sohn eines Advoeaten und einer Schwester des großen Corneille. Dieser Mann,der hundert Lebensjahre hindurch eine seltene Thätigkeit und eine bis an sein Endelden 9. Januar 1757) »»geschwächte Gesundheit des Körpers und der Seele befaß,kam so schwach auf die Welt, daß er an dem Tage seiner Geburt schon dem Todenahe war. Als Knabe begann er seine Studien zu Rouen bei den Jesuiten , undals er im 13. Jahre in die Echule der Rhetorik hinaufgerückt war, erhielt er fürein lat. Gedicht einen Preis der Akademie. Nachdem er den CursiiS der Physikund der Rechtswissenschaften vollendet hatte, ward er Advocat, fühl te einen Pro-ceß, verlor ihn, und schwor, nie wieder einen Proceß zu führen. 1674 kam er nachParis und wurde bald rühmlich bekannt, sowol durch seine poetischen Erzeugnisseals durch seine wissenschaftlichen Werke. Mehre in den „»er,-nie g„>,,»l" einge-rückte Poesien kündigten eitlen überaus zarten und ebenso züchtigen Dichter au.Noch nicht ganz 20 I. alt, hatte er einen großen Theil der Opern „Psoche" und„Belleropbon" verfertigt, die u. d. N. seines Obeims, Thomas Corneille , erschie-nen. 1681 ließ er sein Trauerspiel „Aspar " aufführen; es minfiel, und sein Fallerregte so viel Aufsehen, daß selbst Racme Epigramme auf ihn machte. Eifer fürden Ruhm seines Obeims und persönliche Empfindlichkeit brachten ihn dahin, einePartei zu ergreifen, die ganz den Ansichten Derer, die damals unumschränkt in derLiteratur herrschten, entaege» war. Sein sanfter Charakter aber lind seine Liebezur Ruhe, die er immer jedem Genusse der Eitelkeit vrrzog, verhinderten ihn, irgendeine Meinung mit Leidenschaft zu behaupten. In den, Streite über die 'Alten undNeuern neigte er sich auf die Eeite de!' Gegner des Alterthums. In seiner Irgendwar er mit der Philosophie des Cartesius bekannt geworden; er blieb ihr zugethan,ohne sie vertheidigen zu wollen. Er hatte als Dichter kein Feuer, keine Einbildungs-kraft, und als Gelehrter wenig Erfindungsgeist. Erbehandelke die schönen Wissen-schaften trocken und steif und gab den strengen Wissenschaften eine» zu leichten An-strich. Seine „I),-,!,,»»,'.-, <le, (1683) wurden günstig aufgenommen,

wiewol sie durch die Glicht, stctsgeistrcich, neu und ungewöhnlich zu fein, ermrdendund unnatürlich we-den. Seine ss- <>v« (1686,

deutsch, mit Anmerk. u. Kupf. v. Bode. Berlin 1798) sind das erste Buch, in wel-chem astronomische Gegenstände mit Geschmack und Anmuth vorgetragen werden.Durch die Fortschritte der Wissenschaften hat es seine Brauchbarkeit verloren. Als