Band 
Vierter Band. F bis G.
Seite
201
JPEG-Download
 

Fortuna Formn 201

und beendigt haben. Auf das Verlangen s. Freunde sehte er dieses Werk fort. Sowuchs es bis zu 30 Gesängen an. Aber er erlaubte nicht, dasselbe vor s. Tode dru-cken zu lassen; auch nannte er sich als Vers. Carteromaco, unter welchem Namendieses Gedicht nach s Tode (den 17. Febr. 1735) erschien (1738, 2 Bde., 4., undmehrmals deutsch, Leipz. 1782, und 8 Ges. in Oktaven von Heise, Berl. 1810).Die Erfindung scheint größtenkheils ihm anzugehören. Mit der wirklichen Ge-schichte spielt er so willkürlich, daß er seinen Richardet nach Karls des Großen Todeden Kaiserthron besteigen läßt. An symmetrischer Einheit war ihm wenig gelegen;Situaiionsschildcrung war ihm Hauptsache. Die Fäden der Erzählung reißt ernach Lust und Laune ab und knüpft sie ebenso willkürlich wieder an, wie Ariosto .Aber s. Darstellung ist komischer als die des Ariosto, und salyrischer als in Berni'Sund Tassoni'ö Werken. Der Spott über die Entweihung des Christenthums durchdie verderbte Geistlichkeit ist das kräftigste Salz derselben, und wahrscheinlich derGrund, warum F. mit s Gedichte so zurückhaltend war. Desselben kleine Gedichteund Sonette sind in verschiedenen Sammlungen italienischer Dichter zu finden.

Fortuna, bei den Griechen Tyche, die Lenkerin der guten und bösenSchicksale. Nach Hesiod eine Tochter des Oceanus, nach Pindar eine Schwesterder Parzen. Sie hatte zu Korinth, Elis und Smyrna ihre Tempel. In Italien wurde sie schon vor Erbauung Roms verehrt. In Antium hatte sie einen berühm-ten Tempel, in welchem sich 2 Bildsäulen von ihr befanden, die man als Orakelbefragte, und die ihre Antworten entweder durch Winke oder Loose ertheilten. Fer-ncr in Präneste, daher sie auch vea l',.->>'i>r-,ün,, genannt wurde. Auch in Rom hatte sie zahlreiche Tempel. Man findet sie gewöhnlich mit einem doppelten Steuer-ruder abgebildet; mit dem einen regierte sie den Nachen der guten, mit dem andernden des widrigen Geschicks. In spätern Zeiten bekam sie eine Binde vor die Augen,eine Deichsel, ein Rad oder eine Kugel, indem sie auf letzterer entweder saß oderstand. Gewöhnlich ist sie als eine Matrone gekleidet. Auf verschiedenen Gemmenfindet man noch besondere Symbole, z.B. einen über eine Weltkugel ausgespanntenCirkel, eine Weltkugel zwischen einem Steuerruder und einer Kornähre, woraufein Rad steht. Auf einer Münze des Kaisers Geta sitzt sie mit entblößtem Ober-leibe auf der Erde, lehnt sich mit dem rechten Arm aus ein Rad und hält in derlinken Hand ein auf ihrem Schoße stehendes Füllhorn. Ihr Steuerruder stütztsich bald auf eine Kugel, balt auf ein Rad, bald auf einen Schiffschnabel. Oftwird sie auch geflügelt abgebildet, doch von Römern nie. Denn nachdem siedie ganze Erde durchflogen, ohne irgendwo zu verweilen, soll sie endlich aus dempalatinischen Berge sich niedergelassen, ihre Flügel abgelegt haben und von ihrerKugel heruntergestiegen sein, um für immer in Rom zu bleiben.

Forum, bei den Römern, überhaupt jeder offene Platz, wo Markt undGericht gehalten wurde. In Rom war das Forum ein prächtiger Platz, der zugleichzum Spaziergange diente und wegen s. Größe l c» u,n xwpinnn hieß. Bei der zu-nehmenden Bevölkerung wählte man besondere Plätze zum Gerichthalten und zuMärkten; die Zahl derselben belief sich am Ende aus 17. Das große römische Fo-rum, welches südl. vom palatinischen und nordwestl. vom capitvlinischen Berge be-grenzt wurde und vorzugsweise den Namen Forum erhielt, hatte schon RomuluSfür die Zusammenkünfte des Volks bestimmt. TarguiniuüPriSeuS ließ ringsherumbedeckte Gänge anlegen, damit man sich gegen jede Witterung schützen konnte. Andemselben waren stufenförmige Erhöhungen, von welchen man vor Einrichtung derTheater die Schauspiele, die auf dem Markte angestellt wurden, ansah. Späterwurde dgs Forum mit einer so ungeheuern Menge Statuen, die aus Griechenland dahin gebracht worden waren, geziert, daß man einen großen Theil derselben wiederwegräumen mußte. Besonders prächtig waren die vergoldeten Statuen der 12 obernGötter. Jetzt heißt dieser ehemals mit Palästen und Prachtgebäuden gezierte Platz