Band 
Vierter Band. F bis G.
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585
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Gemüthsbewegungen Gemüthskrankheiten 585

ist schwach, wenn das Gefühl des innei'n Seins und Lebens den Seele nun dunkelund verworren ist, stark, wenn diese« Gefühl zu einem höher» Lichte einporüeigt.Unmittelbar mit der Stänke des Gemüths hängt dessen Knast zusammen, welche sichin den Bestimmung des Willens zun That äußert. Ein kräftiges Gemülb bestimmtseinen Zustand selbst und spricht sich in bestimmten Handlungen aus; ein unkräf-tigeS Gemüth läßt sich durch äußere Einwirkungen bestimmen, vermag seine Zweckedurch fortdauernde Richtung des Willens zum Handeln nicht zu verfolgen. DieArt des Gemüthes wird durch die Entwickelungsstufen der Vernunft, also dadurchbestimmt, ob die Seele die Erlangung des psychischen oder des physischen Wohlseinszum Grund ihrer Handlungen macht. Eni reines Gemüth erwählt und erhält sichbloß die hoher» Zwecke zum Ziele seines Streben«; ein unreines bat die Zwecke derrohen Sinnlichkeit zu den seinigen gemacht. Ein unschuldiges Gemüth kennt nurda? Wohlsein von der Erlangung des wahren Guten; ein schuldvolles wird von deinBewußtsein beunruhigt, die höher» Zwecke den niedern aufgeopfert zu haben. Eingutes Gemüth findet Befriedigung seines Verlangens nach Wohlsein schon in derWahrnehmung und Beförderung des psychischen WoblieinS andrer Menschen; einböses verfolgt die niedern Zwecke, auch wen» das Wohlsein andrer Menschen da-durch gestört wird. — Gemüthlich nennt man einen Metischen, der, ohne dieAbsiebt dazu zu haben oder zu verrathen, bloß durch sei . eigne Gemüthsäußerungdas Gemüth eines andern Menschen in einen angenehm,» und behaalichen Zustandversetzt. Aber auch Gegenstände, besonder« Kunstwerke, welche das Gemüth in einebehagliche Stimmung versetzen, werden gemüthlich genannt.

Gemüthsbewegungen, s. Affecte n. Die Federung der Moral,daß man seine Gemüthsbewegungen beherrschen soll, insofern die Vernunft dadurchibrer Herrschaft beraubt wird, gilt hauptsächlich von denen, die leicht ins Unmorali-scheausarten, z.B. Zorn, Rache u. a. In ästhetischer Hinsicht führen die, welchevon - rast und Stärke zeugen, wenigstens einen Schein von Erhabenheit bei sich,und es kann dann wol auch einen edeln Zorn, eine edle Racbe geben; die vonSchwäche zeugenden hingegen gehören mebr in tieSpbäre des Anmuthigen, z. B.alle sogenannte schmelzende Affecten, wie Wehmuth, Mitleid, Schmerz, der sichselbst den Trost versagt u. a. m. >!<I.

Gemüthskrankheiten sind Seelenkrankheiten solcher Art, bei wel-chen das Gemüth (s. d.) ursprünglich leidet und Ursache von bestimmten Krank-heitSerscheinungen ist. Es fragt sich, ob nicht schon heftige Leidenschaften aller Art,welche die Ruhe und den Frieden des Herzen« stören und dadurch die Seele in Ver-wirrung bringen, wahre Gemüthskrankheiten seien, z. B. heftige Liebe, Eifersucht,u. a. m. Gewiß aber ist es, daß aus den Leidenschaften nicht selten Zustände ent-springen, denen man den Namen der Gemüthskrankheiten nicht absprechen darf.Wir nennen hier nur die zwei vorzüglichsten, die, wiewol in ein Gebiet gehörig, den-noch von ganz entgegengesetzter Art sind: Wahnsinn und Melancholie (Trübsinn).Die Liebe macht wahnsinnig und melancholisch, nach dein Charakter lind der sonsti-gen Beschaffenheit der Person und der Unistände. Auch Stolz lind Ehrgeiz könnenWahnsinn; anhaltender Kummer, Gram über schweren Verlust und gescheiterteHoffnungen können Melancholie erzeugen. Der Wahnsinn, als Gemüthskrankheitvon Überspannung, rückt das Gemüth gleichsam aus sieb leibst heraus, in eine fremde,in eine Traumwelt, wo nur die Gegenstände feines Begehrens dem wahnsinnigenGemüthe vorschweben, und Sinn, Verstand und Bhanrasie, in den Diensten deskranken Gemüths, aus ihrer Bahn weichen. Die Wahnsinnige aus Liebe sieht sichüberall in Gesellschaft ih'^s Geliebten, alle ihre Umgebungen stehen in Bezug aufihn. Ganz anders die Melancholie. Der Melancholische ist wie abgeschnitten vonder Welt und lebt nur in seinem hohle», leeren Ich, das, durch Druck und Kummereingeengt, nichts mehr wünscht und sucht als den Tod. Tiefe Nacht umschaltet