Band 
Vierter Band. F bis G.
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Genie

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Cabinet w. enthält. Die Künstlerin Rath trug 80,000 Fr. ,uir Errichtung einesPrachtgebäudeS bei, worin die Kunst- undNaturaliensammlungen ausgestellt wer-den sollen. Auch wurde 1825 ein neues Strafarbeiis- und Besserungshaus nachdem Muster des zu Neuyork gebaut. Seit 1820 besteht im Canton Genf eineder Hoswyler ähnliche Landbauarmenschule zuCarra. Unter den Sehenswürdig-keiten in und um Genf zeichnen wir aus: das Haus, in welchem Rousseau gebo-ren worden; Calvin's Grabmal, ohne Inschrift und Monument; Eynard's Pa-last; 2'EisenLraihbrücken; das bei Frankreich gebliebene Ferney, anderthalbStunden von Genf , dessen untere Zimmer noch unverändert so sind, wie sie Vol-taire bewohnte; die Gletscher von Chamouny, eine Tagereise von Genf :c. Derwegen seiner malerischen Umgebungen berühmte See, von mehren Dichtern, wievon Matthisson und Lord Bvron (im „(äl>NIo Il.nobl"), besungen, dessen Länge9 Meilen und dessen größte Breite 7500 Klafter, der Spiegel aber 15- Meile be-trügt, hieß bei den Römern I,.i<»? beni.nnix. Er ist sehr tief und fischreich, undfriert nie zu, obgleich er 1126 F. über dem Meere liegt. S. „äl,,»n<-l lopogr.ipl,.et <It! >!, ville <!t >Iu e.'ioloii Nt> tU'KÜvc" von Mangel (Genf 1823).

Genie ist etwas so Geheimnißvolles in der menschlichen Natur, daß sich nurmit Schwierigkeit eine bestimmte Erklärung davon geben läßt. Seinen Namenhat esvom lat. Worte Ocnin«, indem man glaubte, daß gewissen mit vorzüglicherGeisteskraft wirkenden Menschen ein höheres Wesen oder ein Genius beiwobne, dersie begeistere. Das Genie verbindet die entgegengesetzten geistigen Eigenschaften,den eindringendsten Tiessinn mit der lebhaftesten Einbildungskraft, die größte Leb-haftigkeit mit dem rastlosesten Fleiß und der ausdauerndsten Beharrlichkeit, die höch-ste Kühnheit mit der klarsten Besonnenheit, und äußert sich dadurch, daß cS in ir-gend einer Art menschlicher Thätigkeit etwas UngemeineS leistet, das Alte neu gestal-tet oder Neues erfindet, und überhaupt in seinen Hervorbringungen Original ist.Daher ist Originalität eine nothwendige Folge der Genialität. (DerAusdruck Ori-ginalgenie ist ein Pleonasmus. Buffon erklärte Genie durch .iptiimle .->> tisv.iil.Die Genialität seht voraus, daß der Mensch, in welchem sie angetroffen wird, miteiner höhern Geisteskraft als andre Wesen seiner Gattung ckiSgestattel worden ist,kraft welcher erneue Bahnen betritt. Sie gehört demnach nicht zu den allgemeinenBestimmungen der Menschlichen Natur, sondern zu den besondern Modifikationen derKräfte, wodurch einzelne Menschen in ihrerWirksamkeit andre übertreffen. MitEi-nem Worte, die Genialität gehört als etwas Angeborenes zu der Individualität, undda diese unbegreiflich ist, so ist auch die Genialität etwas Unbegreifliches. Man stelltsie über das Talent (s. d.) in der gewöhnlichen Bedeutung: eine Anlage, die inHinsicht der Fähigkeit zu originellen Hervorbringungen wie in Hinsicht des Um-fangs und der Energie unter dem Genie steht. Ein Genie zeigt sich aber nicht in al-len Arten menschlicher Wirksamkeit als Genie. Der geniale Dichter z. B. ist dar-um nicht auch ein genialer Philosoph, und der geniale Staatsmann darum nichtauch ein genialer Kriegsmann. Man unterscheidet daher verschiedene Arten, als:Künstlergenie, wissenschaftliches, politisches militairisches Genie >c.; und selbst dieseArten lassen sich wieder in Unterarten Zerfällen, sodaß z. B. Mozart ein musikali-sches, Göthe ein dichterisches, Rafael ein malerisches, Newton ein mathematisches,Kant ein philosophisches Genie ic. heißt. Ein Universalgenie im strengsten Linne hat es nie gegeben, und wird es auch nie geben, wenn man darunter ein solches ver-steht, das sich in allen Zweigen menschlicher,Wissenschaft und Kunst hervorthue,denn das ist bei den Bedingungen, denen die Äußerung jeder Thätigkeit des Men-schen unterliegt, unmöglich. Beschränkt man hingegen die Bedeutung dieses Aus-drucks auf die Fähigkeit, in allen Künsten und Wissenschaften mit Erfolg zu wir-ken, so müssen wir diese jedem Genie, vermöge der harmonischen Ausbildung allerseiner Kräfte, zusprechen, und annehmen, daß es in jedem Felde mit gleichem Erfolg

Conversations-Lericon. Bd. IV.