Geognosie 609
gen enthalten, welche beim Glühen verändert werden, und welche mithin bei dieserTemperatur nicht Bestand haben können, ohne zerstört zu werden, und von welchendas Wasser einen wesentlichen Bestandtheil ausmacht. Diese Verbindungen kön-nen nicht aus einer geschmolzenen Masse gebildet werden, welche allmälig erstarrte.Hutton hat von seiner Seite diesen Einwarf durch Versuche zu widerlegen gesucht,welche zeigen, daß flüchtige Körper, welche bei dem gewöhnlichen Druck durch Glü-hen aus ihrer Verbindung ausgetrieben werden, sich bei einem starkem Druck undim verschlossenen Raume beim schmelzen in derselben erhalten können, welches be-sonders bei der Kohlensäure in dem kohlensauren Kalke stattfindet. Es ist hier nichtder Ort, die Schwierigkeiten darzulegen, welche jede dieser beiden Hypothesen imGe-folge hat; beide führen Umstände an, die wir weder erklären noch mit unsern ge-wöhnlichen wissenschaftlichen Begriffen vereinigen können. DieAnhängerWerner'slächeln oft über die von Hutton; denn diese Überreste von organischen Wesen, mitwelchen die jüngern Schichten der Erde überfüllt sind, sprechen so deutlich für eineRevolution ohne Feuer und beweisen, daß ein Theil der jüngern Berge unter Einflußdes Wassers gebildet wurde; aber die Wernerianer lassen dabei außer Acht, daß die-ses nichts für den ursprünglich flüssigen Zustand der Masse des Erdballs beweist,bevor lebende Geschöpfe sich auf demselben befanden, und bevor diese Umstürzun-Len der Erdoberfläche sich ereigneten. Es ist uns ganz und gar unbekannt, wie dieBestandtheile des Granits in dem Wasser hätten aufgelöst sein können, es steht so-gar mit aller Erfahrung im Widerspruch, die wir bisher von dem LösungSvermögcndes Wassers hatten. Dem Wasser dabei ein andres Vermögen vor Jahrtausenden,als es jetzt hak, zuschreiben wollen, ist eine Ungereimtheit, denn das Wesen der Kör-per besteht in ihren Eigenschaften; dieses wäre so viel, als wenn man sagte, dasWasser sei damals nicht Wasser gewesen, oder die Bestandtheile LerBerge seien nichtDas gewesen, was sie jetzt sind; mir einem Worte, es hieße eineErklärung erdichten,statt sie zu suchen. Auf der andern Seite, wenn wir uns die Elemente des Erdballsals gegeben und zusammengeführt, aber noch nicht als verbunden denken, so sollteihre Verbindung stattfinden, und der gewöhnliche Begleiter derselben, das Feuer,sollte in seiner inrensesten Form sich zeigen. Das Resultat der Verbindung sollte einesphärische, flüssige Masse werden, ein Tropfen von ungeheuerm Durchmesser undvon einer unendlich hohen Temperatur, welcher sich nachher durch Radiation, aberäußerst langsam, abkühlt und den geschmolzenen Verbindungen Gelegenheit gibt, sichzu trennen und mehr oder weniger vollkommen ihrer KrystallisationStendenz zu ge-horchen. Wer darfMeinungen über den Uranfang der Materie aufstellen? Dermenschliche Verstand muß seine Grenzen kennen und nur innerhalb dieser sein Ver-mögen üben; wir können aber, ohne diese Grenzen zu überschreiten, uns die Elementeauf unserm Planeten als einst in andern Verhältnissen verbunden denken. Die Ver-ändeimng dieser und der ilbergang zu andern hatteunvermeidlich eine außerordentlicherhöhte Temperatur im Gefolge. Die Vulkane sind hiervon ein sprechender Beweisim Kleinen; und wenn wir mithin annehmen dürfen, daß die Grundmasse der Erdenicht in einem Augenblick Das war, was sie jetzt ist, sondern daß ihre Elemente erstnachher von Zeit zu Zeit sich zu Dem verbanden, was sie jetzt sind, so folgt darausunwidersprechlich. daß der Erdball dann aufeinen unendlich hohen Grad erhitzt wer-den mußte, in glühenden Fluß gerieth, wobei seine jetzigen Seen undMeere seine ^At-mosphäre bildeten. Vergleicht man dann auf der einen Weite die wissenschaftlicheNothwendigkeit, welche in dieser Ansicht zu liegen scheint, mit dem den Lehren derWissenschaft geradezu Widersprechenden, was in der Wcrner'schen liegt, so erhält dievulkanische Hypothese eine größereWahrscheinlichkeit als die neptunistische, ohne daßman sie jedoch schon als bewiesen ansehen und deßwegen manche der Räthsel lösenkönnte, welche sich zeigen, wenn wir das Detail der ältesten Grundmasse der Erdestudiren. (Vgl. BreiSlak'sches System.)— Eins der wichtigsten Werke überConversations-Lericon. Bd. IV. 59