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Gerinain (Samt-)
ihrer Ergebenheit allgemeine Aufmerksamkeit auf sich ziehen, und die Damen mitihren Anbetern prunken wollten; wo man durch spitzfindige Untersuchungen überGegenstände der Galanterie sich in Gesellschaften unterhielt,— wurden oft Streit-fragen aus diesem Gebiete aufgeworfen und von den Troubadours oder Dichtern inihren Tensons wetteifernd behandelt, z. B.: Was kann uns erträglicher sein: obunsere Geliebte stirbt, oder sich einem Ändern anschließt? Wäre es dir lieber, michvon deinem Mädchen gehen zu sehen, wenn du kommst, oder mich kommen zu sehen,wenn du gehst? Wer leidet mehr, ein Ehemann, dessen Frau, oder ein Liebhaber,dessen Geliebte untreu wird? Da man nun die Entscheidung eines Tribunals überdiese Fragen oder andre wirkliche Fälle wünschte, so ward (wie Schiller singt)
Ein Liebeshof gegründet.
Wo zarte Minne herrschte , wo die LiebeDer Ritter große Heldenberzen hob,
Und edle Frauen zum Gerichte saßen.
Mit zartem Sinne alles Feine schlichtend.
Man errichtete gleichsamSpruchcollegien der Liebe, wahrscheinlich zuerst in der Pro-vence im 12. Jahrh, (nicht etwa in Teutschsand, wo tieLiebe von/eher inniger, undmehr Sache des Herzens als pedantischer Grübeleien auf der einen und der Sinn-lichkeit auf der andern Seite gewesen ist). Sie bestanden aus Rittern, Dichternund Damen, die ihre Aussprüche als 1,,öi- >!'->,>,<>u> gaben, nach Art der Be-schlüsse des Parlaments. Christoph v. Aretin hat 1803 solche Aussprüche aus al-ten Handschriften herausgegeben. Eine ältere Sammlung ist von Martial d'Au-vergne. Diese Unterhaltung ward so beliebt, daß nicht leicht ein fürstlicher Galla-tag ohne Wettstreit in einer Ouur ,l'!>»>o„i verging; die Übungen desWitzeö wur-den so beliebt als die Waffenkämpfe. Ihr größtes Ansehen erlangte» diese (lo»i;il'umonr in Frankreich unter Karl VI. durch s. Gemahlin Isabelle von Baiern, daMänner des ersten Ranges ihre Titel bei den 1380 von ihr errichteten 0«urs,1'anxnir bekamen. S. „Die Minnehöfe des Mittelalters und ihre Entscheidungenoder Aussprüche" u. s. w. (Leipzig 1821), womit die Beurtheilung im „Hermes"(St. XII.) verbunden werden muß. Noch unter Ludwig XIV. errichtete der Car-dinal Richelieu eine Akademie der Liebe—Zinnie zu Ruel—die woleine Nachahmung jener Gerichtshöfe sein sollte, bei welcher die Prinzessin Mariavon Gonzaga das Amt einer Präsidentin bekleidete, Mademoiselle de Scudöry aberdie Geschäfte eines Generaladvocaten führte. I-'.
Germain (Samt-), Graf, ist seinem Herkommen nach unbekannt, aberals Abenteurer und Alchymist berüchtigt. Er nannte sich zuweilen Aymar oderauch Marquis de Betmar, und war wahrscheinlich ein geb. Portugiese. Cagliostro machte auf s. ersten Reise nach Deutschland in Holstein Bekanntschaft mit ihm, undbenutzte s. Unterricht zu neuen Betrügereien. Saint-Germain besaß chemische undandre Kenntnisse; aber s. unwiderstehliche Neigung, alsSchwarzkünstler zu glänzen,erlaubte ihm nicht, die gewöhnlichen Wege zum Ruhme zu suchen. Er war bestän-dig auf Reisen und verschaffte sich durch dreiste Großsprecherei und durch die Gabe,Jedem die schwache Seite abzugewinnen, sogar Zutritt an Höfen, deinem Vor-geben nach war er 350 I. alt und hatte noch einenDenkspruch des berühmten Mon-taigne in s. Stammbuche auszuweisen; ein köstliches Lebenswasser erhielt ihn immerbei guten Kräften und war so stark in s. Wirkungen, daß er eine alte Frau damitverjüngen konnte. Der Hauptzweck allerAdepten, die Verfertigung von Edelsteinen,war ihm aufs zweiten Reise nach Indien , die er 1755 gemacht haben wollte, geglückt,und er zerschlug 1773, bei dem franz. Gesandten im Haag, einen kostbarenDiamantvon s. Arbeit, nachdem er vorher einen ähnlichen für 5500 Louisd'or verkauft hatte.Auch dieGeheimnisse der Zukunft enthüllten sich vor s. Augen, und er verkündigteden Tod Ludwigs X V. denFranzosen voraus. Er war so mächtig, daß er auf das