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Germanien
Germanien. Nicht allein das unwirthliche, mit Wäldern, Sümpfenund Morästen bedeckte Land, begrenzt von der Donau, dem Rhein , dem nördlichenOcean und der Weichsel, nannten die Römer Germanien , sondern sie schloffen auchDänemark, Norwegen, Schweden, Finnland, Liefland und Preußen in diese Benennung ein, da alle diese Länder, welche ein Dritktheil von Europa ausmachenvon Volksstummen bewohnt wurden, deren Gestalt, Sitten und Sprachen einen ge-meinsamen Ursprung ankündigten. Die Bewohner des schönen Italiens , die keinrauheres Land je kennen gelernt hatten , konnten nicht glauben, daß irgend ein Volkseine Wohnplätze habe verlassen können, um in Germaniens Wüsten zu Hausen, woein strenger Winter den größten Theil des Jahres herrschte, und wo undurchdring-liche Waldungen auch im Sommer dem erwärmenden Strahle der Sonne Hohnsprachen. Die Germanen (Heer-, d. i. Kriegsmannen, s. über diesen Namen derDeutschen Hammer in den „Wiener Jahrbüchern", Nr. I X., und Tike in seiner„Vorgeschichte Deutschlands "), oder wie sie sich nach ihrem Nationalgotte Teut(auch Thuiskon) nannten, die Teutonen, mußten nach ihrer Meinung von Anbe-ginn dort gelebt haben. Sie nannten sie daher Iu,Ii^s->u><>, dort Entsprossene, undgeben uns von ihrer Lebensweise Nachrichten, aus denen wir Folgendes hervorheben.Rein von fremder Vermischung, wie die eigenthümliche Nationalbildung beweist,lebt in den Ländern jenseits des Rheins ein Volk mit trotzigen blauen Augen, hoch-gelbem Haar, von starkem Körperbau und riesenhaftem Wuchs, abgehärtet gegenKälte und Hunger, nicht gegen Durst und Hitze, von kriegerischem Geiste, bieder,treu, freundlich und arglos gegen den Freund, gegen den Feind listig und verstellt,das, jedem Zwange trotzend, die Unabhängigkeit als sein edelstes Gut betrachtetund eher das Leben als seine Freiheit aufzugeben bereit ist. Unbekannt mit allen dasLeben verschönernden Künsten, unbekannt mit dem Ackerbau, dem Gebrauch derMetalle und der Buchstabenschrift, nährt sich der Germane in seinem Lande vollWälder und Weiden armselig von Jagd und Viehzucht und theilt sein Leben zwi-schen träger Ruhe, sinnlichen Genüssen und harten Beschwerden. Zur Zeit desFriedens sind Schlaf und Unthätigkeü Tag und Nacht das einzige Labsal des trägverdrossenen Kriegers, indeß sein Gemüth nur des Augenblicks harrt, wo Krieg undGefahr ihn zu männlichen Werken ausrufen. Bis dahin gibt er mit der ganzenLeidenschaftlichkeit s. ungezähmten Herzens sich dem Becher und dem Spiele hin.Ein mit geringer Kunst aus Weizen und Gerste bereitetes Getränk erseht ihm denvon der Natur versagten Traubensafk und berauscht ihn bei sinnen lärmenden Fe-sten. Weit entfernt, die Trunkenheit sich zum Vorwurs zu machen, fühlt er vielmehrdurch den Rausch s. Sinne geschärftund erleuchtet; er rathschlagt alsdann am liebsten,und der im Rausche gefaßte Beschluß wird als eine höhere Eingebung unabänderlichausgeführt. Seine Person und Freiheit sind ihm nicht zu kostbar, um sie nichtaus's Spiel zu sehen, und, treu seinem Worte, laßt er sich ohne Weigerung von demglücklichen Gewinner fesseln und in entfernte Sklaverei verkaufen. DieRegierungS-form ist in dem größten TheileGermaniens demokratisch. Man gehorcht weniger all-gemeinen und positiven Gesetzen als dem zufälligen Übergewichte der Geburt oderTapferkeit, der Beredtsamkeit oder des Aberglaubens. Nur an den Ufern des bal-tischen Meeres erkennen einige Stämme das Ansehen von Königen, ohne jedoch diedem Manne gebührenden Rechte aufzugeben. Da gegenseitige Vertheidigung dasBand ist, welches die Germanen zusammenhält, so Hut man früh die Nothwendig-keit gefühlt, daß der Einzelne s. Meinung von der Mehrzahl s. Verbundenen abhän-gig machen müsse, und diese wenigen rohen Grundzüge einer politischen Gesellschaftgenügen einem Volke, dem jeder höhere Ehrgeiz fremd ist. Der von freien Älterngeborene und zur Mannbarkeit gereifte Jüngling wird eingeführt in die allgemeineVersammlung s. Landsleute, mit Schild und Lanze ausgestattet und zu einem glei-chen und würdigen Mitgliede ihres kriegerischen Freistaats angenommen. Diese