Germanien
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Versammlung»'» der wehrbaren Männer eine« Stamme « werden theils zu bestimm-ten Zeiten, theil« bei plötzlichen Ereignissen zusammenbernsen. Über öffentliche Be-leidigungen, die Wahl der Obrigkeiten, über Krieg und Friede» entscheidet in den-selben die freie Stimme. Denn wenn auch den Vorstehern eine vorläufige Erwä-gung der Sache verstattet ist, so kann doch nur das Volk beschließen und ausführen.Der Zögerung feind und, ohne Rücksicht aufGerechiigkeit und Politik, der augen-blicklichen Leidenschaft gehorchend, fassen die Germanen rasche Beschlusse, und dasZusammenschlagen der Waffen oder dumpfes Gemurmel kündigen ihre» Beifall oderihre Abneigung an. Zur Zeit der Gefahr wird ein Anführer gewählt, dem sich indringenden Fällen, wo vereinte Kraft vonnöthen ist, wol mehre Stämme unterwer-fe». Der Tapferste wird erkoren, daß er mehr durch Beispiel als Befehl seine Lands-leute führe. Ist die Gefahr vorüber, so endigt seine den» sreigesmnten Germanenverhaßte Gewalt; denn zur Zeit des Friedens kennt man kein andres Oberhauptals dle in den Versammlungen erwählten Fürsten, die in ihren Bezirken Recht spre-chen und Streitigkeiten schlichten. Zugeordnet sind dem Fürsten eine Wache undein Rath von kittl Personen. — Obwol die Römer einigen germanischen Fürsten den äeonigstitel beilegten, so hatten diese nicht einmal das Recht, mit dem Tode,mit Gefängniß oder Schlägen einen freien Mann zu bestrafen. (Vgl. Fürst.)Ein Volk, das allem Zwange so abgeneigt war und keine Oberherrschaft anerkannte,achtete nur die Verpflichtungen, die es sich selbst auferlegt hatte. Freiwillig weih-ten die edelsten Jünglinge einem bewährten Anführer ihreWaffen undDienste, undwie kiese unter einander wetteiferten, die tapfersten Genossen um sich zu versam-meln, so wetteiferten jene um die Gunst ihre« Anführers. Ihm war es Pflicht, inder Stunde der Gefahr der Erste zu sein an Muth und Kühnheit, aber seinen Ge-fährten war es Pflicht, nicht hinter ihm zurückzubleiben. Seinen Fall überleben,war unauslöschlicher Schimpf, denn die heiligste Pflicht gebot, seine Person zuschützen und seinen Ruhm durch die Trophäen eigner Thaten zu verherrlichen. DerFührer kämpfte für den Sieg, die Gefährten für den Führer. Tapferkeit war dieZierde des Mannes, Keuschheit die Tugend teS Weibes. Die germanischen Ur-volker verehrten etwas Göttliches in dem weiblichen Geschlechte. Vielweiberei warnur den Fürsten verstattet, um dadurch ihre Verwandtschaften z» vervielfachen;Scheidungen verbot mehr die Sitte als das Gesetz. Ehebruch war ein durch Nichtsabzubüßendes, aber auch höchst seltenes Verbrechen, und Verführung druck) Nichtszu rechtfertigen. Die religiösen Begriffe dieser Nation konnten nur roh und unvoll-kommen sein. Die Ltonne und der Mond, das Feuer und die Erde waren ihnenGottheiten, die sie zugleich mit gewissen eingebildeten Wesen verehrten, denen siedie Leitung der wichtigsten Geschäfte des Lebens zuschrieben, und deren Willen diePriester durch geheime Künste erforschen zu können vorgaben. Ihre Tempel warenFelsengroiten, geheiligt durch die Verehrung vieler Geschlechter. Die Gottes-urtheile, so berüchtigt imMitkelalrer, galten schon ihnen als untrügliche Entschei-dungen in allen zweifelhaften Fallen. Ihren Miuh zu einflamwa», lieh die Reli-gion die wirksamsten Mutel. Die heiligen, im Dunkel goitgeweihter Höhlen auf-bewahrten Fahnen wurden auf dem Schlachtfeld aufgepflanzt, und das feindl'cheHeer mit schrecklichen Verwünschungen den Göttern des Kriegs und des Donnerszum Opfer geweiht. Nur dem Tapfern ward die Gunst der Götter; ein kriegeri-sches Lebe» und der Tod in der Schlacht waren die sichersten Mittel, um zu denFreuden der andern Welt zu gelangen, wo die Erzählung ihrer Thaten denn fl ohenSchmause sie ergötzte, wahrend sie köstliches B>er aus mächk gen Hörnern oderden Schädeln ihrer Feinde schlürften. (Dgl. Nordische Mythologie.) Aberwas die Priester nach dem Tode versprachen, fröhliche, ehrenvolle Fortdauer, dasverliehen die Barden schon auf Erden. In der Schlacht und an Siegesftste» prie-sen sie den Ruhm der Helden vergangener Tage, die Vorfahren der Tapfern, die