Band 
Vierter Band. F bis G.
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Geschichtschreiber

in eine Übersicht über die classische Literatur der Griechen und Römer verwandelten.DaS Sammeln und Aufbewahren einer Masse von Thatsachen und Angaben, wel-che ohne Prüfung und lebendige Anordnung todt und werthlos ist, welches manübrigens auch oft, besonders unter den Demschen, zur Hauptsache machte, bat demEhrentitel des Historikers die üble Nebenbedeutung eines Gedächtnißgelehrien zu-gezogen, weil allerdings ohne den politische» Blick ausdie Bedingungen des innernund äußern Lebens der Völker und Staaten die Geschichte unfruchtbar bleibt lindnie die Höhe der pragmatischen Darstellung erreicht. Die älteste Geschichte allerVölker liegt in dem Dunkel von Sagen und Mythen. Früher als die beglaubigteGeschickte beginnt bei den Völkern die Dichtkunst; selbst die ältesten Religions-begriffe sind in poetischen Schilderungen auf uns gekommen. Mag über das Alterder indischen, chinesischen, persischen und hebräischen heiligen Bücher, der GesängeHomer's und -Orpheus s und über die 'Art und Weise der Erhaltung und Zusam-menstellung derselben der Lätreit der Kritiker noch lange nicht beendigt werden: soviel ist entschieden, die Grundlage derselben reicht hinaus über die erste Morgenrötheder beglaubigten Geschichte. Diese beginnt für die hebräische Nation und für Dor-derasien mit Moseö; für die Griechen mit Herodot aus Halikarnaß. Die neuereGeschichtsorschung hat diesen Vater der Geschichte nach seinem hohen Werthe ge-würdigt, und die Gelehrten, welche Bonaparte nach Ägypten begleiteten, haben He-rodot'S Angaben über dieses Wunderland des Alterthums genauer und zuverlässigergefunden als die des ungleich jüngcrn Strabo. Ernstvoll, mit Tiefe des Geinülhsund mit dem vollen Tolorit der pragmatisch-ästhetischen Schilderung beschrieb nachihm Thucydides aus Athen die ersten 21 I. des peloponnesischen Krieges. Diesemfolgte der vielseitige, geistvolle und gewandte Tenophon, einMann, dessen historischeSchilderungen das GeprägeSokratischer Weisheit und eines jugendlichen beredtenStyls lraaen. So schätzbar diese Begründer der historischen Darstellung sind, soenthalten sie doch nur, wie auch die römischen Historiker Cäsar, Livius , Sallust, Ta-cituS u. A., Special- und Particulargeschichte. Universeller war schon der vielsei-tig gebildete PolybiuS, der in s. Darstellung des Zeitraumes von! zweiten panischenKriege bis zur Aufiöüing des macedonischen Reiches zuerst den Pragmatismus undeine rhetorisch-kraftvolle Sprache auf die Behandlung historischer Stoffe übertrug.Im Zeitalter Augusts folgte Diodor seiner Bah». Er begann s. Erzählung einigeJahrh, nach der großen Überschwemmung und führte sie fort bis aufs. Zeit: dochhaben sich von s. 10 Büchern nur 15 ganz und 5 in Bruchstücken erhalten. Spä-ter (um 228 n.Chr.) gab der Bischof Eukebius zu Cäsarea, in s. Umarbeitung desvon dem Syrier Julius AfrikanuS hinterlassenen Chronikon, der Geschichte eine fe-stere chronologische Grundlage. Es haben sich aber von der gricch. Urschrift desselbennur Bruchstücke erhalten, die HieronymuS in einer freien und bis 318 fortgeführtenlat. Übersetz, verarbeitete. Während des MittelalierS fehlte völlig die historischeKunst; doch sind die Chroniken dieses Zeitraums wichtig für die gleichzeitige Ge-schichte, so gering auch ihr stylistischer Werth angeschlagen werden muß. In, Zeit-alter der Reformatoren ward endlich das Studium der Universalgeschichte auf Uni-versitäten belebt. Wie sehr aber der Charakter in der Behandlung derselben nochin der Kindheit zurückblieb, bestätigt Carion'S „Chronikon", welches nach den so-genannten 1 Monarchien bearbeitet war, und welches Melanchkbon als Compen-tium der Geselchte neu herausgab. Länger als ein Jahrhundert blieb die Me-thode, die Geschichte, nach einer Mißverstandenen stelle im Propheten Daniel, nachten 4 Monarchien des assyrischen, persischen, griechischen und römisch - deutschenReiches vorzutragen und zu bearbeiten, die herrschende, und verhinderte jeden freienAufffug des h,dorischen Geistes. Zwar war es Männern aus Ernesti'S gründ-licher philologischer Schule gelungen, ihre Vorgänger mit dem seit Carion'S undSleidar.'s Zeiten vielbeliebten Mvnarchiensystem allmälig um die Herrschaft zu