Gcwürzr Gewürziirselil K91
Gewürz.?, Erzeugnisse des Pflanzenreich«, die in ihrer Mischung vorzüg-lich ätherisches Öl enthalten, wodurch sie fähig werden, die Verdauung zu unrei-stühen. Noch mannigfaltiger ifl ihr Nutzen als Heilmittel. Die Blüthen undSamen mehrer Pflanzen, vorzüglich in den heißen Ländern, sind am gewürz-reichstcn, daher wir Zimmtblüihen und Zimmiiluden, Gewürznelken, Vlutter,nelken, Cardamomen und Pfeffer aus Ostindien erhalten; doch sind auch linse,eLänder an gewürzreichen Pflanzen nicht ganz arm: Coriander, Zlnis, Fenchel,Kümmel u. s. w. gewähren angenehme, den Magen sanft reizende Ausätze zu man-nigfaliigen Speisen. Das Salz, ein mineralisches Erzeugniß, ist wohl eine Würze,aber nicht Gewürz zu nennen, da es weder dem Charakter noch dem Zwecke derGewürze entspricht.
Gewürzinseln oder Molucken heißen, im wettern Sinne, alle In-seln in dem großen Archipelagus, der sich vom Morgen nach Abend zwischen Neu-guinea und Celebes, von Mitternacht nach Mittag zwischen Gilolo und Timor aus-dehnt. Sie sind, wie es scheint, durch Erdbeben und Feuerausbrüche von Neu-guinea getrennt worden; man sinket Vulkane auf 8 derselben, z. B. einen sehr ver-heerenden auf Teruare. Verborgene Klippen, Sandbänke und Untiefen machendie Schifffahrt in diesem Inselmeere gefährlich. Die Hitze ist im Sommer sehrgroß, in den Regenmonaten die Luft sehr ungesund. Ureinwohner sind die Acker-bau treibenden Harasoras oderAlforen. Die malayische Sprache ist die herrschendeauf den moluckischen Inseln; es gibt aber auch viele Bewohner von chinesischer, ja-panischer und arabischer Abkunft. Als die Portugiesen 1611 unter Antonio deAbreu und Franz Serrao die Mvlucken entdeckten, waren die Araber hier schon an-gesiedelt, und durch sie war die mohammedanische Religion, die aber sehr mit Hei-denthum vermischt blieb, herrschend geworden. Die Einw. wurden von den Por-tugiesen, die auf diesen, von dem Sitze der obern Verwaltungsbehörde (Goa) ent-fernten, Inseln die empörendsten Giäuel verübten, hart bedrückt, und ebenso hartbehandelt von den Holländern, die den Ertrag des Bodens für sich benutzten und seitmehr als 150 I. darauf bedacht waren, den freien Anbau desselben zu hindern, je-dem Versuche, Manufacturen anzulegen, sowie jeder Art von Verbesserung, diedem Volke die Gegenstände, woran es Mangel litt, hätte ve> schaffen können, sichzu widersetzen. Den Portugiesen blieb fast ganz der Alleinhandel mit Gewürzen biszu Anfang des 17. Jahrh., wo die Holländer diese Besitzungen ihnen entrisse». Dieneuen Herren besaßen sie bis 1796, und seitdem wurden sie 2 Mal eine Eroberungder Briten. Im pariser Frieden sind sie abermals zurückgefallen. Die größ-te» Inseln dieses Archipelagus sind: Cerom (190 sslM.), Gilolo (22 lü M.), Am-boina, Timor und Dauda. Im engern Sinne führen den Namen Mvlucken nurdie 5 Inseln Ternate, Tidor, Motir, Maschian und Baschian, die eigentlicheHeimath der Gewürzbäume. Die beiden ersten sind die größten; auf denselbenwächst die beste Art von Muskatnußbäumen und Gewürznelken. Als die Hollän-der ungefähr 26 I. im Besitze der Mvlucken und des ausschließenden Handels niitGewürzen gewesen waren, fanden sie es vortheilhaftcr, die Gewürzbäume aus diesüdlichen Inselgruppen Amboina und Danda zu verpflanzen. 1638 ward mit demKönige von Ternate, der ihnen unterworfen war, und den übrigen kleinen Inselbe-herrschern ein Vertrag geschlossen, worin bestimmt wurde, daß alle Gewürzbäume aufden ihnen zugehörigen Inseln ausgerottet und nie wieder gepflanzt werden sollten.Dem Könige und dem Adel zu Ternate und den übrigen Fürsten ward ein Iahrgeldbezahlt, welches gegen 18,000 Thlr. betrug. Um die Befolgung dieses Vertragszu sichern, legten die Holländer 3 starke Festungen: Oranicn, Holland und Wil-Helmstadt, auf Ternate, und etwa S andre auf den übrigen Eilanden an. Jährlichwurden auf diesen Inseln, so weit die Wälder und wilden Thiere durchzudringen er-laubten, die wieder aufgeschossenen Gewürzbüume vertilgt, und um darüber zu wa-