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Gibbon
versunken aufden Trümmern des Capitals saß, während die Mönche im ehemaligenTempel des Jupiter die Vesper sangen, die vorige Herrlichkeit dieser weltbeherrschen-den Stadt und ihre jetzige Versunkenheit erschütterte, und zu dem Entschluß begei-sterte , die Geschichte des Untergangs des römische» Reichs zu beschreiben. Nach-dem er noch Neapel gesehen, kam er 1165 nach England zurück. Er aab s. Stelleals Obristlieutenant in der Nationalmiltz aufund schrieb die Geschichte derSchweiz,vernichtete sie aber, ungeachtet Hunie'S Beifall, da sie ihm selbst nicht genügte.Seit 1168 begann er s. römische Geschichte vorzubereiten. Schon durch s. jugend-lichen Wtudien mit vielen dahin einschlagenden Kenntnissen ausgerüstet, vermehrteer ste »och durch unermüdetes Lesen. Nach dem Tode s. Vaters (1110) wählte erLondon zum Wohnort und begann nun sein treffliches Werk, welche? nach s. an-fänglichen Plane mit dem 3, Bde., der bis zum Untergänge des westlichen römischenReichs geht, endigen sollte, nachher aber bis zum Untergänge des morqenländischenKaiserthums von ihm fortgesetzt wurde. Da ihm der Aufenthalt in der Hauptstadtzu kostspielig wurde, verließ er dieselbe und begab sich zu s. Freunde Deyverdunnach Lausanne . Hier vollendete er im Juni 1181 den 6. und letzten Bd. dieser Ge-schichte und reiste darauf nach England, um die letzten Bde. selbst dem Drucke zuübergeben. Sie führt den Titel: „Ilirtorv „s «>>« <l,-cli»<>-,»<I ü,Ii ul'lbe ro>n-,,>enipire" (6 Bde., 4., übers. von Wenk, 2. Aufl., Leipz. 1820). Tiefe und vielsei-tige Gelehrsamkeit, eine ebenso genaue als geistreiche Kritik, ein hinreißender Vor-trug, nicht selten tiefe, oft große und fast immer richtige Ansichten, anziehende Be-trachtungen, die Kunst, an die Thatsachen große Ideen zu knüpfen, welche den Leserzum Nachdenken reizen: diese Eigenschaften sichern G.'g Werke einen dauerndenWerth. Dagegen ist es nicht tadellos. G. war von lebhafter Phantasie, aber kal-tem Charakter; er bewunderte leicht die materielle Größe, hatte aber weniger Sinnfür die moralische. Daher bewundert er die Gräuelthaten Tamerlan's und der Ta-taren, während er die heldenmüthige Selbstaufopferung der christlichen Märtyrerherabwürdigt. Seine Grundsätze in der Moral, Politik, StaatSwirthschafl u.s.w.waren nicht fest genug, um bei s. Werk ein einziges Ziel stets unverwandt im Augezu behalten; daher fehlen ihm jene Eingebungen und Wahrheiten höherer Art, dieeine allgemeine und unwandelbare Gültigkeit haben. Nach beendigtem Drucke kehrteG. nach s. geliebten Aufenthalte bei Lausanne zurück, wo er in ungestörter philoso-phischer Ruhe lebte. Als aber die franz. Revolution ihren Einfluß auch a^ dieSchweiz erstreckte, machte er 1793 eine Reise nach England und starb Mn46.Jan. 1194 zu London . Außer einigen kleinen Schriften besitzen wir von G. nochf. Selbstbiographie in 2 Bdn. Matthisson gibt in s. Briefen folgende Schilderungvon G.: „Er ist groß und von starkem Gliederbau, dabei etwas unbehülflich in s.Bewegungen. Sein Gesicht ist eine der sogenannten physiognomischen Erscheinun-gen, wegen des unrichtigen Verhältnisses der einzelnen Theile zum Ganzen. DieAugen sind so klein, daß sie mit der hohen und prächtig gewölbten Stirn den härte-sten Contrast machen. Die etwas stumpfe Nase verschwindet fast zwischen den starkhervorspringenden Backen, und die weit herabhangende Unterkehle macht das an sichschon sehr längliche Oval des Gesichts noch frappanter. Ungeachtet dieser Unregel-mäßigkeit hat G.'s Physiognomie einen außerordentlichen Ausdruck von Würdeundkündigt beim ersten Blicke den tiefen und scharfsinnigen Denker an. Nichts gehtüber das geistvolle Feuer s. Augen. G. hat ganz den Ton und die Manieren einesabgeschliffenen Weltmanns, ist kalthöfiich, spricht das Französische mit Eleganz undHat (ein Phänomen bei einem Engländer) fast die Aussprache eines pariser Gelehr-ten. Er redet langsam, weil er jede Phrase sorgfältig zu prüfen scheint, ehe er siegusspricht. Mit immer gleicher Miene unterhielt er sich von angenehmen und unanegenehmen Dingen, von frohen und tragischen Begebenheiten, und sein Gesicht ver-bog sich, so lange wir beistimmen waren, ungeachtet er veranlaßt wurde, eine Lrol-