Band 
Vierter Band. F bis G.
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Gleichgewicht der Staaten

Dielherrschcft, wohl aber in Deutschland der Angelpunkt des europäischen Gleich-gewichts c>-stündet. Seitdem blieb der westfälische Friede der Polarstern des diplo-matischen >?, taatsschiffes von Europa bis in die neueste Zeit. Übrigens war die Poli-tik, die ihn vorschrieb, nicht umsichtig; sie vermied bloß dieScrlla von Östreich unda-rieth in die Charpbdis von Frankreich . Der treffliche große Kurfürst, FriedrichWilhelm von Brandenburg, der treue Bundesgenosse Hollands gegen Frankreich und der S eger bei Fehrbellin , war allein viel zu schwach, um Ludwigs XIV. Ver-größerungcplc ne beschränken zu können. Die Schwäche Leopolds !., der Katholi-cismus Karls II. link Jakobs II. in England, und die erbärmliche spanische Regie-rung unter Karl II. : dies Alles begünstigte den Untergang der Idee des politischenGleichgewichts zum größten Nachtheil aller, besonders der östlichen Nachbar«Frankre chs. Nur Wilhelm III. von England faßte sie wieder auf; doch im Utrech-tes Frieden kebrte Alles zu einerZweiherrschast in Europa zurück, deren Englandmit Frankreich sich anmaßte. Daraufemwickelte sich seit 1740 durch Friedrich !I. eine ähnliche in Deutschland , als Preußen Ostreich gegenübertrat. Indeß ging ausder gegenseitigen Berührung dieser deutschen und jener europäischen Zweiherrschaft,in welche nach Schwedens Sinken Rußland mit eintrat, zuletzt eine Fünfhei rschastfür Europa hervor, in welcher Preußen zuerst für die Erhaltung des Besitzstandes,als GrundßvzeS des europäischen Gleichgewichts, kämpfte, und dadurch eine euro-päische Macht wurde. Der siebenjährige Krieg, der alle kommende Geschlechterüberzeugen wird, daß das Vorhaben, einen einzelnen Staat zu unterdrücken, wenndieser n ir moralische Kraft genug, und einen solchen Helden als der große König ander Spitze hur, an den Urhebern eines so völkerrechtswidrigen Beginnens sich selbsträcht, hat Preußens Stellung unter den ersten Mächten Europas so sicher gegrün-det, daß auch die größte» Unfälle der neuern Zeit nur dazu dienen konnten, diesenStaat her, sicher als je zu ei heben. Durch Pol.nS dreimalige Theilung wurde daspolitische Gleichgewicht von Europa aufs Neue umgestürzt, und selbst die Idee des-selben, das Recht, vernichtet. In unserm Jahrh, schien es eine Zeit lang, alswenn das' vgenannte große Reich alle übrigen verschlingen würde; und ebne dieStardhasi igkeit Großbritanniens , ohne d e heldenmüthige Ausdauer der Spanierund die in der Geschichte einzige Begebenheiten in Rußland , endlich ohne Preußensriesenmäsiige Anstrengungcn wäre das Gleicbaewicht der europäisch-» Swaten nurnoch ein schöner Traum besserer Zeiten. Natürlich entsteht die Frage, ob dennjetzt, seit d>m allgemeinen Frieden, das politische Gleichgewicht wieder vollkommenhergestellt, und ob wirklich der heilige Bund nur ein religiöser Ausdruck für jenenGrundsatz sei? Eine unparteiische Überlegung des Verhältnisses der Staaren gegeneinander hindert uns, dieFrage bejahend zu beantworten. Was den Urheber des heil.Bundes b- trifft, so ließ sich von s. persönlichen Tugenden am wenigsten Beeinträchti-gung der Nachbarstaaten fürchten. Aber ist es in der Politik wol räthlich, der Per-sönlichkeit eines Regenten allein zu vertrauen? Ist nicht das östliche, an sich riesi-n-mäßige, Reich durch die neuern Friedensschlüffe zu einer solchen Größe angewach-sen, daß kaum das ganze verbündete Europa gleiche Streilkräste ihm entgegensetzenkann? Preußen, sein nächster Nachbar, so hoch verdient um Europas Befreiungund Ruhe, dürfte kaum die nöthigen pbrsischen Kräfte wiedererlangt haben, umin der politischen Wagschale den Ausschlag geben zu können. Gleichsam um derpreußischen Regierung, deren moralische Kraft so oft erprobt ist, die schwerste Auf-gabe vorzulegen, har man ihr die fremden tigstcn Nationen und die entlegensten Län-der, beide noch durch kein genicinschaflsiches Band gehalten, zugetheilt. Um vonden andern Staaten zu rede», so sind freilich Sardinien und die Niederlande, alsangenommene Vormauern oder Bollwerke gegen Frank, eich, mit reichlich,-!» Län-derzuwachs ausgestattet; aber Dänemark und Sachs n trauern, daß ui Rücksichtihrer allein das Erobcrungspecht geltend gemacht worden ist, während andre Staa-