Band 
Vierter Band. F bis G.
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Glenn

Gleichung

ähnlich dem sanften Roth der blühenden Rose. Man erkennt schon aus diesemBeispiele, daß die Verglcichung einen viel ruhigern Zustand erfordert als die Meta-pher, welche alle Wie, Gleichsam als, Also u. s. w. rasch überspringt, und mehrschnell andeutet, was sie meint, als ausführlich sagt. Der Metapher und Ver-gleichung bedient sich die Poesie häufig als Mittel des Ausdrucks, je nachdegii sieviel auf einmal in die Seele bringen, oder diese bei Einem Gegenstände länger willverweilen lassen. 'Aus der Metapher entsteht die Allegorie, aus der Vergleichungdas Gleichniß. Wie die Allegorie eine fortgesetzte Metapher, so ist das Gleichnißeine fortgesetzte Vergleichung oder DorstellungdurchAusführungihresGegenbildes,so z. B. wird das Heranziehen eines Heeres mit einem summenden Bienenschwärmeverglichen.

Gleichung, in der Algebra, der Ausdruck derselben Größe unter verschie-denen Benennungen , oder ein Gleichheitsverhältniß zweier verschieden benanntenGrößen. Glieder der Gleichung heißen die beiden verschieden benannten Größen,die durch das Zeichen —(d. h. ist gleich) getrennt werden; z. B. 9 -j- 6 -20 —5, oder 3 — 1 — 5 — 3. Die durch die Zeichen -j- oder — verbundenen Grö-ßen, woraus jedes Glied besteht, heißen Sähe der Gleichung. Es können in einerGleichung neben bekannten Größen auch unbekannte oder unbestimmte enthalten sein,z.B. in der Gleichung inx-j-n^ —-> — >< sind I, bekannte oder bestimmte,» und ^ aber unbekannte Größen. Die Wurzel der Gleichung heißt der Werth derunbekannten Größe. Hinsichtlich der höhern oder niedern Potenz (s. d.), woraufdie unbekannte Größe in einer Gleichung steigt, theilt man die Gleichungen in ein-fache (auch vorn 1. Grade), quadratische (vom 2. Gr.), kubische und biquadratische(vom 3. oder 4. G.). Man betrachtet die Gleichungen entweder als das letzte Er-gebniß, worauf man bei der Lösung einer Aufgabe kommt, oder als ein Mittel zueiner endlichen Lösung. Gleichungen der ersten Art haben nur eine unbekannte, mitmehren gegebenen oder bekannten vermischte Größe, die zweite Art enthält verschie-dene unbekannte Größen, die mit einander verglichen und verbunden werden müssen,bis man zu einer neuen Gleichung gelangt, die nur eine unbekannte Größe unter be-kannten enthält. Um den Werth dieser unbekannten Größe zu finden, wird dieGleichung auf verschiedene Art umgewandelt, wodurch sie endlich auf den einfachstenAusdruck gebracht wird. Über Gleichung in der Astronomie vgl. Zeit gleichungund Sonnenzeit.

Gleim (Johann Wilhelm Ludwig), geb. zu Ermsleben , einem Städtchenim Fürstenthume Halberstadt, am 2. April 1719, gest. zu Halberstadt am 18. Feb.1803 als Secretair des Domstifts daselbst und Kanonikus des Stifts zu Walbeck.Seinen Vater, den Obersteuereinnehmer des ermslebenschen Kreises, verlor er1735, da er auf der Schule zu Wernigerode war. Ein gedrucktes Trauergetichtauf dessen To^ beurkundet sein früh geübtes Talent. Wohlthätige Familien er-hielten den ai verwaisten Knaben auf der Schule bis 1738, da er die Hoch-schule zu Halle vezog und in den dürftigsten Umständen heiter den Studien oblag.Seine Lehrer waren der Kanzler Ludwig, Heineccius der Jurist, Böhmer, undbesonders Alex. Baumgarken; zuletzt auch der Freih. Christian v. Wolf. SeineFreunde wurden Uz, Rudnick und Nie. Götz, welche gleichzeitig mit ihm siudirten,und zu denen ihn gleiche Liebe zur Poesie hinzog. Die Muster der Griechen undRömer waren auch die ihrigen. 1740 verließ G. die Universität, um nach Kopen-hagen zu gehen; sein Schicksal aber führte ihn als Hauslehrer in das Haus einesObersten v. Schulz nach Potsdam , wo ihn der Prinz Wilhelm, Sohn des Mark-grafen zu Brandenburg - Schwebt, kennen lernte und als Wecretair in seine Dienstenahm. In dieser Zeit machte er die Bekanntschaft von Ewald Christian v. Kleist ;dieser ward sein vertrautester Freund, und seitdem nennt man in der deutschen Lite-ratur die Namen Gleim und Kleist als poetisch verbrüdert. Zu ihnen gesellten sich