Band 
Vierter Band. F bis G.
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Werk und brachte, statt 2 bis 3 Woche», die er sonst zur Niederschreibung einerOper brauchte, ein ganzes Jahr zu, ehe er mit der Musik eines Meisterwerks zuStande kam, dos eigens für Paris von ihm verfertigt ward. 'Aber hier fand derdeutsche Componist fast unübersteigliche Hindernisse, welche ihm Nationale,telkeitund eingewurzeltes Vorurtheil in den Weg rhürmten. Auf die bloße Anzeige vondein Unterfangen, der großen pariser Oper ein Werk feiner Feder anzubieten, erhobensich ganze Scharen der Musiker von Profession und alle sogenannte Kunstkenner,und nimmermehr wurde G. sein Ziel erreicht haben, hätte sich die Konigin MariaAntoiuetle, seine Schülerin und Gönnerin von Wien aus, der Lache nicht ange-nommen und durch einen Befehl die Aufführung bewirkt. Zu Anfang 1771 kamder 60jährige G. selbst »ach Paris , und den 19. April wurde die vielbesprocheneOper zum ersten Mal gegeben. Das Theater war überfüllt von Zuschauern, undder Eindruck, den das Ganze hervorbrachte, ungeheuer. Gleich die Ouvertüre mußte— was unerhört in den Annalen der Musik inFrankreich war — wiederholt werden,und mir jedem einzelnen Musikslücke stieg der Enthusiasmus des Publieums. Siewurde in den ersten zwei Jahren 170 Mal gegeben. Bald darauf ward auch dieOper „Orpheus ", deren Text inö Französische überseht worden, in die Scene ge-setzt und mit gleichem Entzücken aufgenommen. Ein Paar andre Opern: „IHmeI nulmnl,''" und „l.a ('.vilxre :,5-iäch''", welche im folgenden Jahre zur Auffüh-rung kamen, machten weniger Glück, desto mehr aber wieder s. berühmte „Aleeste siin. welcher, wie in den Furienchbre» im „Orpheus ", die Schrecken des Tartarusden Hörer zu umschweben scheinen. Noch mehr sprach „Armida" 1777 an, dieman früher mit Lully's weichlicher Musik ungern gehört hatte. 30 Mal nacheinander wurde diese große Oper gegeben, und der Ruhm, welchen sie ihrem Com-ponistei. urachre, nur noch von dem übertroffen, der feine»! letzten Meisterwerke, der„Jphigema in Tauris" 1779 und „Echo und NarcissuS" folgte. Ein Paar andreOpern: „Roland" und „Die Danaiden", wurden nicht vollendet; das Drouillonder erster» warf G. ins Feuer, als er vernahm, daß sein musikalischer GegnerPiccini (s. d.) dasselbe Sujet zu componiren vorhatte, und an der Vollendungder andern hinderte ihn der Tod. (Sie wurde seitdem nicht ohne Gluck von Salieri vollendet.) 1787 kehrte der Ritter G. mit einem ansehnlichen Vermögen nachDeutschland zurück, woselbst er zu Wien noch in dems. I., den 15. Nov., starb.Merkwürdig ist derStreit, der aufVeranlassung der Reform, welche G. durch seineim größten Styl geschriebenen Composiiionen in der Musik in Frankreich bewirkte,daselbst zwischen seinen Verehrern und den Anhängern der alten italienischen undsranz. Schule, an deren spitze gewissermaßen der allerdings auch geniale Piccinistand, ausbrach. Ganz Paris nahm Partei, man stritt mit Wort und Feder, undlangeZeü hindurch feindeten sich die Gluckisten und P.iccinisten mit derselbenBitterkeit an, mit welcher sich früher Jansemsten und Jesuiten , später Royalistenund Jakobiner anfeindeten. G. und Piccini selbst, zu ihrer Ehre sei es gesagt, theil-ten das Gefühl nur kurze Zeit und hatten sich, da Einer den Andern, troh abweichen-der Meinungen und Ansichten, schätzen mußte, längst ausgesöhnt, als ihre blindenBewundercü noch immer gegen einander zuFelte zogen. Erwähnung verdient hier-bei der Umstand, daß in diesem musikalischen Meinungsstreite I. I. Rousseau ,Arnaud und Suard sich für Gluck, Marmontel und Laharpe für Piccini erklärten.Natürlich, daß der Sieg auf Seiten Derer war, welche dem Reformator der großenOper anhingen. Die Aufsätze der genannten Schriftsteller sind gesammelt in den„.Vlürnoireg p-xir 8ervir ä l'lüistoirt.' <Io In revalutio» e>z»'r<K ,l!>,>8 In rniiAgusp-ii- dir. le C.bcv. <Uueb" (Paris 1781). Ein Jahr nach G.'s Tode ward aufBefehl Ludwigs XVI. die auf Subscription von Houdon in Marmor verfertigteBüste des großen TonsetzcrS im Foyer des Opernthcaters aufgestellt. In Betreffeiner echtdramatsschen Durchführung der Musik sieht G. unerreicht in s. Kunst da,