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Göthc
Göthe (Johann Wolfgang v.), geb. d. 28. ?lug. 1749 zu Frankfurt a. M.,wo s. Vater, I>. der Rechte und kaiferl. Rath, in angesehenen Verhältnissen, undolsschon ohne Amr, in nicht ungünstigen Glücksumständen lebte. Wenn es wahr ist,daß wir Deutsche oft undankbar gegen unsere großen Männer seien, so gehört G.zu Denen, die sich am wenigsten über diesen Undank zu beschweren haben. Schwär-merische Verc hrung empfing ihn, als s. erste? Werk erschien, und jetzt, nach 50 I.,ist sie kaum lauer geworden. Geliebt "on Vielen, bewundert von Allen, vergöt-tert von Einigen, ward er freilich von Einzelnen auch angefeindet, theilte aber da-mit nur da? Loo? der au?ge;eichneten Männer aller Zeiten und Völker. Um sichcm richtiges Urtheil über ihn zu bilden, muß man sich zuvörderst Dessen erinnern,was stin Genius seit dem achten Iahrzeheud des vorigen Jahrh, geschaffen hat. Ly-rische Gedichte der verschiedensten Art, naive, empfindsame und witzige oder schä-kernde Epigramme; Lieder der leichtern fröhlichen Gattung; andre, einem Herzenvoll Gefühl entsprossen; noch andre, die den sinnigen Ernst unter leichter Hülle ver-bergen; Elegien im Sinne der Alten und Neuen; Dden, die man zum Theil denerhabensten u>läblen muß; Romanze» und Balladen, bald lieblich heiter, baldschaurig, bald furchtbar, außerdem eine Menge lyrischer Gedichte, die kaun» unterdie gangbaren Titel der Poetik würden zu bringen sein; Idvllen voll Anmuth undInnigkeit des Gefühls; 3 Romane, jeden von andrem Ton, Geist und Styl:den sentimental-lyrischen ,,Werther", den naiv-epischen „Wilhelm Meister ", dieidyllisch -breiten „Wahlverwandtschaften " mir ihrer tiefe» moralischen Bedeutungund ihrer tragischen Katastrophe; Tragödien, in deren jeder ein andrer Geist wehr,und deren jede von der andern so verschieden ist, daß man kaum denselben Urhebervermuthen sollte: „Geh von Berlichingen" voll treuherziger altdeutscher Einfalt,aber auch altdeutscher Kraft und Kernhasrigkeit, eine Ltbaksxeare'sche Comxosiiion,etwa? wild, aber nicht ohne Einheit; „Eguionr", bei aller Wahrheit und Natur-treue selbst ins Phantastische überspielend; „Elavigo" in s. bürgerlichen Lphärean? französische tragische Theater erinnernd; „Iphigenia ", voll griecb. Idealität;„Tasso", voll itak. Milde und Wärme, beide voll Zartheit und Anmuth, und dochnicbt okne Kraft und Würde; „Eugenie" mit ihrer Politur; „Der Großkophtha",diese psvchologische Entfaltung, und „Faust ", gegen den keine Nation etwa? Glei-ches stellen kann: — wie verriethen diese wol durch sich einen und denselben Mei-ster? Nicht minder verschieden sind die Lustspiele und Dramen: „Die Mitschul-digen", „Die Laune des Verliebten ", der franz. komischen Bühne getreu, „Lctella",Mit ihrer südlichen Glut, „Die Geschwister" mit ihrer deutschen Innigkeit, „Er-win und Elmire " mit ihrer romantischen Schwärmerei, „Der Jahrmarkt von Plun-dersweilern", „DerTriumph der Empfindsamkeit" mit ihrer barocken Laune unddoch wunderbaren Kraft der Wahrheit, im Komischen, was im Tragischen „Faust ":wer fände auch hier wol eine Familienähnlichkeit aus? Vergesse man dabei nicht s.Singspiele und DramoletS: die phantastische „Lila", die seltsame „Claudüie vonVilla Bella", die idyllische „Iery und Bätely", „Künstlers Erdenwallen und Apo-theose", so anspruchlos und doch so gehaltvoll und tief, „Paläophron und Neolcrpe",„Was wir bringen" u. a. m. Des Dramatischen ist, wie man sieht, am meiste»gegeben, und dennoch findet man G. als Epiker nicht unbedeutender, mag man nuns. schon genannten 3 Romane, oder s. homerisch-idyllisches Epos „Hermann undDorothea ", oder das Bruchstück der „Achilleis", oder s. in homerischer Form nach-gebildeten „Reinecke Fuchs ", oder s. Bruchstück eines romantischen Epos „DieWeissagungen", oder s. kleinern poetischen Erzählungen und Schildereicn, z. B.„Hans Wachsens Sendung", so ganz im Geist und in der Manier des wackern Mei-ste« smgerS, betrachten. Damit aber kein Feld der Poesie von ihm unangebautbliebe, stellt er als didaktischer Dichter sich durch s. Episteln dem Horaz an die Seite,soviel und sv vielerlei gab G. als Dichter; was hat er aber nicht auch als Kunst-