Band 
Vierter Band. F bis G.
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773
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Göthe 77:',

freund lind Kunstkenner, früher IN zersti-euten?luffähen (unter denen der überdeutsche Baukunst in Herder s ,.Fliegenden Blättern über deutliche Art und Kunst"Auszeichnung verdient), späterhin in den „Propyläen", in Programmen der „Je-naischen Literaturzeitung", in Recensionen für dieselbe (z. B. der (Gedichte von Voß,Grübel, Hebel, des Wunderhorns n. a.), in dem Anhange zur Übersetz, der Bio-graphie Benvenuto Eellini'S, „Rameau'S Neffen", von Diderot, in „Winckelmann und fti» Jahrhundert", in s. ,.Briefen aus Italien ", und in Gemeinschaft nntMeyer, u. d. s>d. der weimarischen Kunstfreunde (W. K. F.) g liefert! Aber auchin ganz heterogen scheinenden Gebieten treffen wir ihn. Er schrieb ein trefflichesWerk über die Metamorphose der Pflanzen, und zwei über-Optik und Farbenlehre.Dasi er iiber einen juridischen Gegenstand schrieb, wird von dem k). der Rechte nichtbefremden, wol befremden aber konnten s. Briefe über die Offenbarung u. a. theo-logische Gegenstände, die man ungenannt lassen könnte, wenn nicht in der letzter»Zeit auch G. S religiöse Ansichten wären in Anspruch genommen, und der Hangeiner neuern ästbeiischen Schule zum Katholicismus als von ihm ausgebend wärebetrachtet worden. Es drängt sich hier überhaupt die Betrachtung auf, daß G. fastniit Allem, was er leistete, und nicht selten auch mit Deni, was er war, einen gro-ßen E.nfluß auf die Literatur und Cultur seines Zeitalters gewann, und so gewisser-maßen als der Mittelpunkt zu betrachten ist, von welchem aus seit 4 Iahrzehend-'ndie verschiedene Gestaltung des ästhetischen und sittlichen Wesens der Deutsch m ihreRicht.mg genommen hat. SAne frühesten, die herkömmlichen Regeln damals gel-tender Kunsttheorien umstürzenden Erzeugnisse fühlten eine Genieperiode herbei,die man nach einem Schauspiele des gleichzeitigen Klinger die Srurm- und Drang-periode genannt hat und wol mit Recht als einen Sturm auf den damaligen deut-schen Parnaß und seine franz. Verzäunung betrachten mag. ,,Werther" führte diecmpsuidsame Periode, „Götz" den Tumult der Ritterschauspiele und Romane her-bei. und stellte Shakspeare als Muster für unsere dramatischen Dichter hin. DieÄsthetik wurde in jener Zeit durchaus revolutionnair, und man frage nicht, ob es dieSitten nicht auch wurden, denn man denke nur an Die, denen „Wertherst die Pi-stole in die Hand gab, woran freilich der Dichter sehr unschuldig war, an die Seucheder Enipfindelei, an die Derbheit des Tons und die Freiheit der Sitten, nachdemG. durch Laune, Satyre und kölnischen Witz s. frühern Einflüsse selbst weggescherztund gespottet hatte. Wie durch eine» Zauberschlag verwandelt erschien er auf ein-mal in 9. Iahrzehend, denn s. ,.Iphigenia", s. „Tasso" treten einher in der höher»Glorie oriech. Idealität, die selbst in feinem, obschon dem Shakspeare nähern.„Egmont" nicht zu vtl kennen ist. Im „Faust ", der Alles in sich vereiniat, wasG.« Genie Großes und Herrliches vermag, hatte er den Gipst! seiner Vollendungerreicht. Es darf nicht verwundern, von diesen Werken keine schnelle Wirkung zusehen; aber sie blieb nicht aus, und wurzelte tief, denn in Ästhetik und Sitten singman nachher an, auf Idealität zu dringen. Wie „Wilhelm Meister " im letztenIahimhend des verflossenen Jahrh, wirkte, ist uns Allen noch im Gedächtniß.Nicht bloß Künstlerromane folgten in großer Anzahl, sondern das Künstlerleben er-schien nun auch in höherer Bedeutung, und eine Ästhetik .entstand, wie sie die Vor-zeit zwar geahnet, nie aber noch ausgebildet hatte. Die Ästhetik erschien als Voll-enderin des Lebens und der Philosophie. Die Moral erhielt eine untergeordneteRolle, die Religion aber, eine Zeitlang derMost'l nur dienstbar, erhob sich übersie, indem sie mit der Kunst Eins ward. Mit der Ästhetik ergriff man demnach auchdie Religion, ja man konnte nicht religiös sein, ohne ästhetisch zu fein, und eineschöne Seele sich nur in dieser ästhetisch-religiösen Innerlichkeit bewähren. So hatG. unter uns gewirkt. Es ist keine Frage: ein Geist, der solche Wirkung.n her-vorzubringen fähig war, muß ein ungewöhnlich ausgezeichneter Geist sein. Bis-weilen wol mag es gelingen, daß durch Gunst der Zeit ein nur mäßig begabter Mann