Höh« und Tieft nachzudenken, dessen Verknüpfung in unserer Natur als das Räth-sei des Ndenschenlebens betrachtet werden kann.,,Bei alle Diesem win de die bildendeKunst nicht hintangesetzt, und derselbe Mann (Äser), der bereits aufWinckelmanneinen nicht unbedeulenden Einfluß gehabt, hatte ihn auch auf G. Durch ihnwurde G. zur Kunstgeschichte angeleitet. D'Argenville, Caylus, Christ, Lippertbesonders aber Winckelmann , wurden ämsig studirt, und die Sammlungen vonHuben, Kreuchauf, Wmkler und Richter übten das Verständniß im Llnschauen,welches nachher in Dresden , wohin G. deßhalb reiste, aufeine noch vollkommenereWeise geschah. Übrigens versuchte er sich auch im Kupferstecher» zog sich aber durchda? Einathmen derDünste dabei und manche diätetische Unbesonnenheit eine Krank -bst! zu, von welcher er kaum genesen war, als er 1768 Leipzig verließ, wo er zwar seinStudium der Rechte versäumt, sich aber in Dem begründet hakte, worin er i» der Fol-ge so sehr sich auszeichnen sollte. Seine gestörte (Gesundheit, die auch im älterlichenHause nicht sogleich hergestellt wurde, sollte nicht ohne bedeutende Folgen bleibe»,welche vornehmlich durch ein Frä st. v. Kleitenberg herbeigeführt win den, dieselbe,aus deren Unterhaltungen und Briefen die „Bekenntnisse der schönen Seele" ent-standen sind, die man in „Wilhelm Meister" eingeschaltet findet. Das religiöseDcrbäliniß zu dieser frommen, zarten Seele führte sich zunächst auf das Studiumder nwstisch-.chemisch-alchemischen Werke von Wellmg, Theophrastus Paracelsüs,Basilius Valentinus , zuletzt aber auch der Werke von Boerhaave, und zu eignen che-mischen Versuchen. Das Interesse, welches ihm die übersinnlichen Dinge eingefibßthatten, zeigte sich aufeine noch wichtigere Weise, indem er bei Lesung von Arnold s„Kirchen- und Ketzerbistorie" auf die Idee gerieth, sich auch eine eigne Religion zubilden. Der Neu-.Platonismns lag zum Grunde; das Hermetische, Mystische undKabbalistische gab auch seinen Beitrag her, und so erbaute er sich eine Welk, die selt-sam genug aussah. Nach diesem Allen ist es gar nicht zu verwundern, wenn er inStrasburg , wohin er, um seine juristischen S tndien zu beendigen und zu promoviren,gegangen war, der Jurisprudenz nicht sehr getreu blieb, sondern Chemie und Anato-mie studirte, und selbst dasKlinicum besuchte. Auch sah er bei der Ankunft der neu-vermählten Königin Marie Antoinetke die Rafael'schen Tapeten, und die Wunder-erscheinung des Münsters wirkte mächtig aus ihn ein. Noch folgenreicher war fürihn die Verbindung mir Herder (s. d.), durch dcnG. anfing, in den höher» Sinnder iial. Schule einzudringen, lind mit der Poesie in einem ganz andern Sinne be-kannt ward als vorher, und zwar in einem solchen, der ihm mehr zusagte. Außerdemist eine merkwürdige Wirkung von G.'S Aufenthalt in Strasburg diese, daß er ebenhier an der Grenze von Frankreich alles franz. Wesens bar und ledig wurde. Da-gegen hatte ihn schon seit langer Zeit Ertzakspeare zu höher», freiern und ebenso wah-ren als dichterischen Weltansichten und Geistesgenüssen vorbereitet, und immer ge-waltiger beherrscht. Nach s.Promoüon, 1171, hielt er sich kurze Zeit im Elsaß auf,und kam, nachdem er aus dem Antikensaal zu Manheim noch Eindrücke mitgenom-men, die in der Folge sehr wirksam wurden, gesund und froh ins Vaterhaus zurück.Dann ging er nach Wehlar, wo ihm nichts von Bedeutung begegnete, wen» mandie Anlässe zu „Werther" abrechnet, den er hier in s. eignen Liebe zu einer Verlobtenund dem Schicksale des jungen Jerusalem fand. Nach s. Rückkunft gab er unge-nannt einige Flugschriften heraus, und mehre Gedichte in Almanachen und Jour-nalen. Erst s. „Göh" (1778) und s. „Werther" (1771) lenkten auf ihn die Auf-merksamkeit von ganz Deutschland. Der Erbprinz v. Weimar machte auf einerReise durch den Hrn.v. Knebel seine persönliche Bekanntschaft und lud ihn, als erdie Regierung angetreten hatte, an seinen Hof ein. G. zog den 7. Nov. 1775 inWeimar ein, ward 1776 weimaiischerGeh.-LegationSrath mit Litz und Stimmein, Geheimerakhscollegium, und 177S wirkst. Geh.-Ralh. Zm selb. I. machte er inGesellschaft s. Fürsten eine zweite Reise nach der Schweiz . 1782 wurde er Kam-
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