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Göthe
merpräsident und geadelt. 1788 machte er eine Reise nachItalien, wo er 2 I.blieb, auch Sicilien besuchte, am längsten aber in Rom verweilte. Er stieg bis zumMinister, erhielt 1807 von Alexander den Alexander-Newsky-Orden, von Napoleon das Großkreuz der Ehrenlegion, und lebt jetzt, in einem heitern Alter von den Ge-schäften zurückgezogen, den Studien der Natur und den literarischen Arbeiten.
Diese Perioden s. äußern Lebens hängen mit den Perioden s. Dichterlebensaufs Innigste zusammen. In dem letztem unterscheidet man deren füglich 3, dieman die sentimentale Kraftperiode, die ideale und die elegante nennen kann. „Götz"und „Werther" waren es, welche in der ersten Periode theils allgemeines Stau-nen, theils allgemeine Bewunderung erregten. In beiden hatte G. seine liebstenNeigungen befriedigen können, seine mit ihm aufgewachsene Neigung zur deutschenVorwelt und zu Darstellungen Dessen, was als allgemein Menschliches seine Brustin Schmerz und Freude bewegte. Unläugbar hakte der Dichter bei „Wei tster" und„Götz", wie später bei vielen andern Werken, Etwas vor sich, woran er sich hielt,dort das Schicksal des jungen Jerusalem , hier die Selbstbiographie des männlichenGötz, von welcher wir ganze Stellen in dem Drama wiederfinde». Man hat deß-halb s. Erfindungsgabe verdächtig machen wollen. Als ob nicht auch der gefundeneStoff noch immer der poetische» Erfindung bedürfe! Diese aber zeigt sich schon im„Werther" und „Götz" arff eine merkwürdige Weile. Man kann ebenso wenig eine,bis in die feinsten Nebenzüge treffende, ästhetische Charakteristik der Personen ver-kennen, als eine selbst das Einzelne beachtende Entfaltung der Begebenheiten, undeine solche Anordnung derselben, daß es scheint, Alles sei aus unmittelbarer An-schauima oder Empfindung in Einem Griffe hingeströmt, mehr ein Naturgewächsals ein Werk der Kunst. Das Eingehen in ein Fremdes bis zur höchsten Selbstver-läugunng erscheint bei G. begleitet von einer ungemeinen Leichtigkeit, auch fremdeDarstellnngsarten sich anzueignen. Wer traf den Ton des Volksliedes wie Er?Wer trafHansSachs'S Manier so ant? Und kann man im „Götz" und in etlichenLustspielen den Shakspeare, in den „Vögeln" denAristophaneS, in der „Iphigenia "die griech. Tragiker, in „Hermann und Dorothea" den Homer, in den „RömischenElegien " den Proper; und in den „Epigrammen von Venedig" den Martial verken-ne»? Seine Aneignung ist nicht die sklavische des Nachahmers, sondern die selbst-thätige einer sehr erregbaren Phantasie; und bei s. Nachbildung opfert er nie seineSelbständigkeit auf. Solch einen poetischen Proleus kündigten nun schon „Götz"und „Werther" an, und das Nächstfolgende bestätigte ihn, wenn gleich er darin andie Vollkommenheit der frühern Werke nicht reichte. G.'s Talent, sich leicht in dieZustände Andrer zu finden und ihr Dasein mitzufühlen, ließ ihn nämlich manchenMißgriff thun. So z.B. im „Clavigo " und späterhin in dem „Großkophrba", derübrigens, wen» nicht an Wahrheit der Charaktere, doch an Kraft und Frische,Leicbiigkeit der Bewegung, wirksamenSituationen, Interesse der Handlung, Tiefedes Gefühls und Verwickelung, dem „Clavigo " weil Nachsicht. Indeß das eigent-lich Peinigende und manche cannibalische Äußerung des Beaumarchais abgerechnet,steht er doch würdiger neben „Götz" und „Werther" als die empfindsamen Nach-klänge des letzter», „Stella" und „Erwin und Elmire ", nach der ersten Mittheilungnämlich in der Iris. Daß G. hier in Gefahr stand, vielleicht vorn Beifalle berauscht,nianierirt und nachlässig zu werden, ist unver kennbar. Doch erhält schon jene Mit-theilung von „Erwin und Elmire " etwas Köstliches, das Liedchen: „Ein Veilchenaus der Weise stand", dessen man nicht gedenken kann, ohne an G.'S Lieder über-haupt ermnerk zu werden, diese so klaren und doch so tiefen, so zartgefühlten und soleicht hingehauchken ätherischen Wesen, deren süße Aaubergewalr wol Jeder empfun-den bat. In G. s Liedern und Romanzen herrschte zuerst wieder der verklungeneVolkston, welcher von der Zeit an der ganzen deutschen Lvrik einen neuen, frischenLebensodem einhauchte. Betrachtet man aber Alles von G. in dieser Periode Gc-