leistete genauer, so siehst man, es ist volksmäßiger, es ist voll Deutschheit, für welcheLessing bereits männlich gekämpft hakte, und welche G. glücklicher erreichte als diel»n jene Zeiten auflebenden neuen Barten. Dieses Volksmäßige konnte aber nurals Opposition gegen das Herkömmliche durchgeführt weide»; und Niemand wargeeigneter dazu, eine Oppositionspartei anzuführen, als eben G. Kein Wunder,wenn sich jene,-verwegene Humor, der sich dem Augenblick überlegen fühlt, besonderskräftig meldete. Bekanntlich ging es nicht ohne einigen CpniSmuS ab, und dasNatürlichkeitsprincip wurde ziemlich weit ausgedehnt. Nun verflossen 12 Jahre,ohne daß man von G. viel Bedeutendes vernommen hätte. Desto größer war dieÜberraschung, als er wieder erschien. Man muß indeß nicht glauben, als ob alleWerke, die um diese Zeit erschienen, auch Werke dieser Periode wären. Beobach-tung der Chronologie ist hier sehr nöthig und wird zeigen, daß zwischen dieser undder ersten Periode ein Mittelzustand stattgefunden, in welchem der Dichter durchIronie sich selbst reinigte und die streitenden Kräfte s. entzweiten Wesens milderndzur Harmonie stimmte. In diesen Zwischenzustand gehören unstreitig mehre komi-sche lind satyrische Erzeugnisse, z. B. der „Triumpb der Empfindsamkeit" u. a.Mir ihnen trat er aus der Befangenheit des vorige» Zeitalters und erhob sich aufeinen höhern Standpunkt. Spielend ergötzte er sich da oft noch an dem liebe» undTreiben unterihm, z. B. im „Jahrmarkt zu Plundersweilern", worin er dem Lebendie heitere Seite abgewann. Immer näher trat er hiermit dem (Nistete der reinenSchönheit, die ihm den duftigsten ihrer Kränze um die Schläfe schlang, als er die„Jphigenia" auf ihren Altar niederlegte. Mit Recht nennt A. W. Schlegel sieeinen Nachgesang der Griechen. Ohne Nachkünstelung veralteter, für uns immerfremder, Formen ist hier ein von griech. Geiste durchdrungenes Werk. Erfreulichschließisich an „Iphigenia " „Tasso" an, derjenervielleichtnuralsCompositionnach-steht, denn nachtheilig bleibt es immer, daß zur Beruhigung die Überlegung aufge-fodert wird. Mag nun aber „Tasso" auch kein Drama im strengen Sinne derTheorie sein, so bleibt er doch bewundernswürdig als Chai aktergemälde, als ei» Ge-dicht über den Dichter und s. Werk, das wir gern mit Müller das für Verständnißder Poesie lehrreichste und tiefsinnigste nennen. Nur G. konnte es wagen, tiesi»Tasso darzustellen, und selbst G. konnte es nur in dieser Periode ganz gelingen. Hieraber vereinigte sich auch Alles dazu. Am Höre AmalienS fand er den Stoff zu s.Umgebungen des Tasso, und lernte eben den Ton treffen, der solchen Umgebungeneignete. Muß man demnach aber nicht fragen: ob nicht Göthe der Hof-undStaatsmann einen wesentlichen Einfluß auf Göthe den Dichter halte? Uns däucht,gar sehr, und zwar einen sehr günstigen. Schon durch das Zusammengenommene,Gehaltene, das s. Lage erfoderte (die übrigens nicht selten Veranlassung gegeben hat,ihn auch als Menschen zu verkennen oder falsch zu beurtheilen), wurde er dem Idealenäher zugeführt; denn er konnte unmöglich, wie ein gemeiner Höfling, bloß zu derLeerheit des äußern Anstandes komme». Nächst diesem s. Hofleben, und zwar inWeimar , hatte Nichts größer» Einfluß auf s. Verwandlung als si Aufenthalt inItalien . Während s. ersten Periode neigte er sich in der bildenden Kunst besondersauf die L>eite der Niederländer, gegen die er auch nachher nie ungerecht gewordenist, sowie er auch nie aufgehört hat, als Dichter von Zeit zu Zeit wenigstens n'eder-ländische Scenen zu liefern: allein Italien öffnete ihm das Auge über das Pöhereder Kunst, und s reiches Gemüth, welches zugleich das Hohe und kindlich Lieblicheumfaßt, s. zarter und zugleich tiefer Sinn für Natur und Kunst, neigten sich jetztmit Liebe zu dein Ediern und Höhern hin. An die Stelle f. sonstigen Na:>u lichkeits-principg trat jetzt die Idealität, aber jene echte, welche die Natur in das Reich derIdeen und der reinen Schönheit überträgt. Von 3 Hauptwerken, die noch i»diese Periode fallen, „WilhelmMeister", „Faust" und „Hermann und Dorothea ",trägt das letztere den Stempel dieser Idealität am reinsten ausgeprägt. A. W.
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