Band 
Vierter Band. F bis G.
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Göthe

der Unterlage eines tüchtigen, bildungsfähigen Stoffs entblößt, geglättete Allgemein;heitwird, eine Entwickelung, die das zur Entwickelung zu bringende Wesen durchÜbermaß in der Richtung verflüchtigt und verweh.et; beiden gegenüber aber ein ge-heimnisvoll verschlossener, doch in der Entwickelung zertretener Keim, der zu hohemAhnungen berechtigte: diese 2 Gegensatze bringen „Meister'S Lehrjahre" in fortlau-fender Abwechselung zur Erscheinung. Der Schluß endlich gibt ein tragisches Aus-hauchen des durch übertriebene Bildung oder Vorbildung unterdrückten Lebens. Einbloßes Gerüst, ein conventtonellee Wesen, eine schaubühnenartige Lebensverbindungund ein Lehrbrief verdrängen die Fülle der frühern Erwartungen. Sie sind das Er-gebniß, welches die mannigfachen Bemühungen krönt. Mag auch vielleicbt derDichter, als er ansing zuschreiben, gehofft haben, einen befriedigendem Erfolgdarstellen zu dürfen als den, welcher sein Werk schließen mußte, dem Werke selbst er-wachst daraus kein Tadel. Romane werden vielleicht gerade dann erst recht bedeu-tend, wenn der Dichter, statt sie plangemäß zu schreiben, in seinem LebenSgange einenGenius b> sitzt, der ihm den Gang der Begebenheiten und die Hauptwendungen vor-schreibt. G. scheint an sich , scheint an äußern Umgebungen, ja scheint an gewissenallgemeinen Erfolgen der bekannten lediglich aufBildung und Kunstsinn gerichtetenBemühungen die Erfahrung gemacht zu haben, daß sie am Ende nicht leisten, wassie versprachen. Diese Betrachtung gibt einen erklärenden Leitfaden, welcher umso weiter fuhrt, wenn unvergessen bleibt, daß Vieles für „Wilhelm Meister '--Lehr-jahre" bereits vorgearbeitet sein mochte, bevor G. den Feldzug in der ChampagneHinmachte, welchen d,r 5. Bd. seiner Denkwürdigkeiten so ungemein anmuihig be-schreibt. — Durch alle Lieder teS„Divan" weht das ungetrübte Gefühl einer uner-wartet cmgeireteiienBesi iedigung mit dem Leben und einer heitern Zufriedenheit mitjedem Zustande des Daseins. Der Zeitraum, um welchen diese Sammlung lyrischerGedichte entstanden ist, kündigt sich deutlich durch dasjenige Lied an, welches sie er-öffnet. Es ist die Periode, wo 'Alles zersplitterte, Throne einstürzten und Reiche zit-ierten. Zehr, wo Alles trauern und verzweifeln mußte, hatte G. den Kampf mitsich und der Außenwelt ausgekämpft, und er vermochte wchlgcmuih in des Ur-sprungs Tiefe zu dringen, wo die Menschen „noch von Gott empfingen Hunmels-lehr' in Erdensprachen, lind sich nicht den Kopszerbrachen". Der nui sich und derAußenwelt einig gewordene Mensch widersteht den äußern Drangsalen und wird kei-neswegs durch sie enimliihigt. Ist es aber wol möglich, vollkommener und reinerguten Muthes zu sei», wie der Dichter des „Divan"? Nur scheint diese Sammlungnoch nicht das richtige Verständniß gefunden zu haben, dessen sie bedarf. Denndem heitern Sinne, welcher sie vom Ansang bis zum Ende erfüllt, liegt doch etwassehr Tiefsinniges zum Grunde, und dies ist ganz aus der Zeit gegriffen. Alanscheint nicht eingesehen zu haben, wie sich i» jenem Osten, den G. aussucht unddurchwandest, eigentlich das Schicksal des Westens abgespiegelt hat. Denn abge-sehen von der Persönlichkeit des Dichters, und die objective Seite jener Liedersamni-lung betrachtet, gibt sie ein Bild von Dem, was der Mensch im abgeschlossenenDespotismus aus s. Lebe » macht. Hier steht er einzeln und isolirt da nur alsims. Treiben, Denken und Empfinden. Dies, was anfangs G. so bitter geschmerzt,hat für ihn die Herbigkeit verloren. Er selbst ist zum Nachbilde eines jener glück-seligen Weisen geworden, welche wir so oft im Morgenland,' antreffen, deren unge-trübte Leelenklarheii nicbts Z.itliches zu störe» vermag , die überall ein Vaterlandfluten, weil im eignen Busen Ruhe und Heiterkeit wohnt. — Die-Lehnst „FürAlterthum und Kunst" bemüht sich, den Standpunkt naher zu rücken, aus welchnitjede Hervorbringung des Menschengeistes betrachtet werten muß, bevor deren rich-tige Würdigung gelingen kann. Zn diesem Sinne betrackret sie frühere Werke derKunst und Das, was die Zeit leistet, indem bald das Verständniß desselben beför-dert, bald das Gelungene, und wenn es au.'ä nur zum Außenwerk gehört, angezeigt