Band 
Vierter Band. F bis G.
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Gothen

wird. Doch erscheint hier G. mehr belehrend als lernend. Denn auch Das hat ereigen, daß am herrlichsten und am tiefsten er da zu belehren pflegt, wo er selbst mü-lernt. Nie geschieht dies vollkommener, als wenn er das Blich der Natur lieft.Was er auf diesem Wege erworben, das theilt er in seilten naturwissenschaftl. undmorphologischen Beiträgen mit. Es galt nichts Geringeres, als an die Stelle jenesVereinzelnden Zerstören?, welches die Wissenschaft, um mit Bequemlichkeit ihr Zielzu erreichen, in den Geistesoperationen ebensowol wie im objective» Zuhalte der Er-scheinungen vornahm, wieder ein lebendiges, zur vollkommenen Ganzheit führen-des Band zu gewinnen. Der erste Schritt geschah dazu, indem Beobachtung, Zer-gliederung, Folgerung, Ahnung und geschichtliche Erzählungen, als mannigfacheThätigkeiten, in welche ein und derselbe Geist sich verwandelt, zusammengefaßt undbenutzt wurden, das Geheimniß zu begreifen. Die wissenschaftliche Zerreißung hattezur Folge gehabt, daß jedes Organ, gleichsam jeder Sinn, Alles nur auf seineWeise zu verstehen, und seine Art des Verstehens obenan zu setzen trachtete. Sozerstörten sich die vereinzelten Geistesoperationen, weil man mit jeder Disciplindas Ganze erobern wollte, und weil man vergaß, daß nur der ganze Mensch inder Zusammenwirkung aller seiner Sinne und Kräfte des Ganzen inne zu werdenvermag. Diese neue Methode, diese Erlösung der Naturwissenschaften von der töd-tendsten Fessel haben wir G. in einer Zeit zu verdanken, wo die Noth dringendwar, einen Hauch der Beseelung, welcher das Ganze durchdrang, in sie aufzuneh-men. — Einer wenigstens geschichtlichen Erwähnung verdient die Kritik, welcbe dieberüchtigten falschen Wanderjahre (Quedlinburg , seit 1821) über den großen Mei-ster teutscher Kunst und Wissenschaft mit großem Geschrei des Markte? haben er-gehen lassen. Diese seltsame Erscheinung hängt mit der frömmelnden Diode derZeit zusammen, die auch das Schöne und Wabrc so gern vor das Zuchtgericht einereinseitigen Moral und religiöse» Dogmatik ziehen möchte. G. hat dazu geschwiegen,und das Geschrei ist verhallt. Das unverschämte Geschwätz des Engländers Glover(wer er auch sein mag) gehört an den Schandpfahl der literarischen Welt. Aberrühmlich für den Meister wie für das Volk, das ihn den Seinigen nennt, ist dieTheilnahme, die bei sei,,er letzten Krankheit und bei den Gerüchten von seinemTode durch ganz Deutschland ging, zum sichern Zeugnisse, daß sei» großes Ver-dienst in einer vielbcwegten Aeit und mitten unter den entgegengesetztesten Bestrebun-gen nicht unerkannt geblieben ist. Dasselbe Zeugniß gab auch die besonders vonSeiten des weimarschen Hofes mit würdigem Glänze.begangene Feier von G.'S50jahr. Aufenthalte in Weimar (s. „Göthe's goldener Zubeliag, 1. Nov. 1825",Weimar 1828), die wiederholte Feier seines Geburtstages, z. B. 182V durch dieDarstellung des „Faust" in Dresden, Leipzig und Weimar, des „Götz" in Berlin ,und die Bereitwilligkeit, mit welcher alle deutsche Fürsten sein Gesucb, die vollstän-dige AtiSg. seiner Werke vor dem Nachdruck zu schützen, erfüllt haben. DieseAusg. letzter Hand beschäftigt den Greis jetzt mit einigen tüchtigen Gehülfen. S.„Über Göthe. Lilcrar. und artist.Nachrichten", herausgegeb. von A. NicoloviuS (I. Leipz. 1828). Das Wichtigste aber ist der „Briefwechsel von Schiller und Göthe in den Z. 1194 bis 1805" (bei Eorta, 4 Th., 1829). Nl.

Gothen (Galione! bei Tacitus, 0»ttc»ws bei PliniuS ; die 6oll>oni desTacitus oder Kokini des Dio sind gallischer Abkunft), ein german. Völkerstamm, derseinen Sitz an der baltischen Küste, zwischen der Weichsel und Oder hatte. ZhreSprache kommt der alten fränkischen sehr nahe. Wie alle Deutsche, ließen sie ihrgelbes Haar lang wachsen, hatten Bärte und trugen Pelze; gegen die Sitte andrerDeutschen aber hatten sie erbliche Königswürde. Unter dem Namen Gothen erschie-nen sie zuerst 215; darauferfüllten sie ein halbes Zahl-tausend hindurch Europa mit dem Ruf ihrer Thaten, und der Gothenstamm war es besonders, von dem dieübrigen deutschen Stämme ihre Sagen erhielten. ZhreWohnsitze an der Ostsee ver-