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Gott
tig sei, da, wo man in einem bekannten Theil Ordnung und Zweckmäßigkeit ent-deckte, auch in dem Unbekannten weise Absichten vorauszusetzen. Soll aber die Na-turbeirachtung den Menschen zu Gott fuhren, so muß in s. Gemüthe schon das Ver-langen, ihn zu finden, erwacht sein, denn eine apodiktische Gewißheit, d. h. eineselche Gewißheit, bei welcher das Gegentheil der angenommenen Überzeugung un-denkbar wird , gewahren diese Beweise nicht. Dieses Verlangen ist in der sittüchenNatur des Menschen gegründet, und darum setzt ein inniger und lebendiger Glaubean Gottes Dasein und Regierung voraus, daß die sittlichen Anlagen des Menschensich entwickelt haben, und er s. höher» Bedürsmffe sich bewußt geworden sei. DieDarstellung des Zusammenhanges des Glaubens an Gott mir diesen Bedürfnissendes menschlichen Gemüths wird der moralische Beweis sur das Dasein Golresgenannt, welchen besonders Kant und dessen Schüler hervorgehoben und naher ent-wickelt haben. Es beruht aber dieser Beweis aus Folgendem: Der Mensch ist einsittliches Wesen. und aus s. sittlichen Natur geht die Idee des höchsten Gutes, d. h.die Idee einer ins Unendliche fortschreitenden sitilichenVervollkonnnnung und einergenauen Übereinstimmung zwischen Tugend und Glückseligkeit hervor. Er kanni lese Idee nicht für Wahn und Täuschung erklären, ohne den Glauben an s. sittlicheNatur und Bestimmung aufzugeben, und muß, um einig zu sein mit sich selbst, dasWirklichwerden des höchsten Gutes erwarten. 'Alles um ihn her erliegt der Zerstö-rung, und die Natur theilt Freude und Glückseligkeit nicht nach dem Maßstabe derWürdigkeit der Empfänger aus. Um daher das Wirklichwerden des höchsten Guteserwarten zu könne», ist er genöthigt, das Dasein einer von der Natur untersch-.--denen Ursache der gcsammten Natur anzunehmen, welche den Grund der Erhaltungs. Wesens und eine dereinstige Übereinstimmung zwischen Tugend und Glückseligkeitenthalte. Diese oberste Ursache der Natur muß eine der moralischen Gesetzgebunggemäße Eausalität (Ursachlichkeir) habe», muß das Sittengesetz sich vorstellen (In-telligenz, vernünftiges Wesen sein) und der Vorstellung dieses Gesetzes gemäß wirken(muß Willen besitzen). Es muß also die oberste Ursache der Natur ein Wesen sein,welches durch Verstand und Willen die Ursache der Natur ist, und ein solches We-sen wird Gott genannt. Zu der hier entwickelte» Idee der Gottheit aber kann nurdie gereifte Vernunft sich erheben, und ohne die Dazwischenkunft der Offenbarungwürde sie vielleicht nie allgemein Glaube geworden sein. — Ehe der Mensch zu derIdeeGottcS sich erhebt, glaubt er an Götter, von deren Wesen und Wirksamkeitdie Völker höchst verschiedene Vorstellungen gehegt haben. Die unvollkommen-sten Götter sind die Fetische, d. h. leblose Körper oder Thiere, denen der Mensch,weil er sie als Ursache s. Wohles und Wehe« betrachtet, Verehrung erweist. Aufeiner höher» Stufe der Bildung standen die Völker, welche der Sonne und den Ge-stirnen Einfluß auf die menschlichen Schicksale zuschrieben und diese Himmelskörperverehrten, welche Art des Gottesdienstes Sabäismuü (s. d.) genannt wird.Noch weiter waren die Völker vorgeschritten, welche ihre Helden und Könige, dieErfinder nützlicher Künste und mer'würdige Heroen als fortlebend nach dem Todesich dachten und ihnen übermenschliche Kraft und Einfluß auf ihre Schicksale zu-schrieben , oder sich Kräfte der Natur als wirkliche Wesen, als Personen, mit Ver-stand und Willen begabt, vorstellten, auf welche Weise die Religion der Griechenund Römer entstanden war. Der Glaube an mehre, die Schicksale der Völker undeinzelner Menschen regierende Wesen, welche zwar eine übermenschliche Macht be-sitzen, doch aber menschlich fühlen und begehren, und nicht frei sind von menschlicherBeschränkung, heißt Polytheismus. Dieser ist nichts Andres als Vergötte-rung der Natur, da hingegen der Theismus über die Natur sich erhebt und überihr das Göttliche findet. Auch die gebildetsten Völker der alten Welt, die Griechenund die Römer, waren Polytheisten, und nur wenige Weise der vorchristlichen Zeit,wteAna/agoraS, Sokrates , Plaw, halten sich zu würdigern Vorstellungen von