Gottesdienst GotteSfriede 78!)
Bücher, durch gemeinschaftlich' n Gesang und durch das bei bürgerlichen Mahlenverordnete Andenken an Jesum Christum den glauben zu stärken und fromme Ge-fühle zu »ihre». Und ward auch der christliche Religionsculkus «n der Folgezeit aufmannigfaltige Weise, und namentlich durch die Einmischung von Gebräuchen, wel-che die zum Ebristenthum bekehrten heidnischen Völker in die Kirche hinüber brach-ten, entstellt, so blieb er doch immer unendlich edler und würdiger als der Cultus dervorchristlichen Welt, und hörte nie auf, wohlthätig auf die mitten der Völker zuwirken. Durch die Reformation wurde» die meisten dieser Mißbräuche verdrängt,die Predigt und der Gesang die Hauptsache bei dem Gottesdienste der Protestanten,und unläuobar ist ein solcher Cultus die trefflichste Schule der Volksbildung. Daßder protestantische Gottesdienst durch manche Gebräuche bereichert, und mehr noth,als a» den meiste» Orten der Fall ist, durch die Kunst verschönert werden könnte,läßt sich nicht bezwetseln. Doch darf man diesen Mangel an Ceremonien und dieSeltenheit von Kunstwerken in den protestantische» Kirchen keineswegs so hoch an-schlagen, als von Denen zu geschehe» pflegt, welche in unsern Tagen den Katholi-cismus auf Kosten des Protestantismus erheben; da« Wort bleibt immer die Haupt-sache, und weilt, nur dafür gesorgt wird, daß es der protestantischen Kirche nicht anausgezeichneten KanzArednern fehle, und überall gute Gesinge gebraucht werden,so wird thr Cultus s. Zweck erreichen. I. I. Blunt S „Ursprung religiös. Ceremo-nien und Gebr. der röm.-kath. Kirche, bes. in Italien und Sicilien" (a. d. Engl.,Leipzig 1826) zeigt den Zusammenhang, in welchem die religiösen Gebräuche desalten heidnischen Roms und des neuen katholischen mit einander stehen.
Gottesdienst, der katholische, stellt vorzüglich die allgemeine Mystikder Kirche dar. Des Gottesdienstes Mittelpunkt ist das Opfer des neuen Bunde«,das Abendmahl. An dieses Opfer reiht sich Gebet und Belehrung. Es ist einwürdiges Ganzes, das nie aufgehört hat, die Herzen de? Volks zu ergreifen, st«dem Ewigen und dem Sittlichen zuzuwenden. Wenn es wahr ist, daß gerade dieälteste An der Belehrung die durch Symbole ist, so wird man den Formen des ka-tholischen Gottesdienste? da? Belehrende und Sitilichwirkende nicht absprechen, siefühl en nach oben und sind insoweit, wie Schiller richtig bemerkt, nicht von dieserWelk. — Als die protest. Kirche die kathol. Abendmahlsanstcht, mit ihr die Meffeverwarf, muhte es auch einen andern Gottesdienst für sie geben. Sie hat keinePriester, ibr blieb nur Predigt und Gesang. Es scheint, daß dieses ein christlichesGemüth, was ganz erfüllt ist von der hohen Mystik, die das Evangelium beut,nimmer eanz befriedigen kann. Darum hat sich in neuerer Zeit ein gewisses Seh-nen nach des Katholicismus erhabenen Formen kundgegeben. Man hat die Lichter,man hat Bilder, man hat eine Priesterkleidung u. s. w. reclamirt. Indessen wirdalles Dies das Bedürfniß schwerlich befriedigen. Solche einzelne Formen könnennickt gedeihen, verpflanzt aus ihrem eigenthümlichen Boden. Erst die katholischeAbendmahlsansicht gibt den Formen Bedeutung und Lebe» , und da diese die pro-testantische Küche nur mit Ausgebung ihres Wesens annehmen könnte, so ist dieFrage leicht zu entscheiden, ob Übertragung kathol. Formendem Protestantismusfrommen könne.
G o ttesfr i e d e, 'I'ronpi, <Iei (sronpe oder Tre-va, von dem deutschenWorte Trew, Treu), hieß im Mittelalter eine Beschränkung der Fehden, welchevon der Kirckw ausging, um einljbel, welches sie nickt ausrotten konnte, zu mildern.Kraft desselben sollte» wenigstens an den heiligen Tagen, vom Donnerstag Abendsbis Sonntag Abends in jeder Woche, in der Advents- und Fastenzeit, und in denOckaven der hohenFeste die Waffen ruhen DieserGottesfriede wurde zuerst 1033in Aguitaiüen (wo ein Bischof den Befehl da^u vom Himnwl erhalten zu habet! vor-gab , alsdann in Frankreich und Burgund eingeführt; 1058 kam er schon auf temReichstage zu Solothurn für Deutschland in Anregung; unter Wilhelm dem Ba-