Band 
Vierter Band. F bis G.
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°?80 Gottesgericht Gottfried von Strusdurg

stark ivurde er in England, 1071 in den Niederlanden einqeführt, und die (Nist--lichkeit wirkte durch diese Einführung von Zucht gewiß wohlthätig auf den barbari-schen Fehdegeist jener Zeit ein. (S. Landfriede.)

(-Gottesgericht, Gotteüurtel, s. Ordalien.

Gottfried von Bouillon , geb. um die Mitte des 11. Jahrh, zuBasv im wallonischen Brabant, 2 Meilen von Novelle, Sohn Euskachs !>.,Grafen von Boulogne und Lens, folgte 1076 seinem Oheim, Gottfried demBuckligen, Herzog von Niederloihringen, in dem Herzoalhum Bouillon. Erdiente ebenso treu als tapfer dem Kaiser Heinrich I V. in Deutschland und Ita-lien . Ibm verdankte dieser Monarch einen großen Theil des Sieges über denHerzog Rudolf von Schwaben ; auch bei der Eroberung Roms tkat er sich hel-denmüthig hervor. Der Ruf seiner Thaten veranlaßte 1095 seine Mahl zu einemder Hauvranführer der Kreuzzüge (s. d.), Im Frühjahr 1086 trat erdenZug in Begleitung seiner Brüter Eustach und Balduin an. G. zwang denKaiser Alepis Komnenus, ihm die Wege nach dem Orient Zu öffnen. Er ver-sprach demselben die Plätze des Reichs zu übergeben, die er den Ungläubigenentreißen würde, wogegen dieser sich verpflichtete, das Heer mit Lebensmitteln zuversehen. Aber unzufrieden, daß die Kreuzfahrer die Umgebungen von Konstan-tinopel geplündert hakten, hielt Alepis keine von seinen Versprechungen. Gott-fried eroberte Nicäa und 1098 Aniiochien. In letzterer Stadt wurden balddarauf die Kreuzfahrer selbst belagert. Obne Lebensmittel, befanden sie sich inder äußersten Noth. Da wurde auf die Anzeige eines proven, alifthen Geistli-chen, welcher eine Offenbarung vorgab, die heilige Lanze aufgefunden. DieseBegebenheit belebte den Muth der Kreuzfahrer dergestalt, daß sie die Türkenzurückschlugen und einen glänzenden Sieg erfochten. Im folg. I. am 19. Julieroberte G., nach einer sünswöchentlichen Belagerung, die Stadt Jerusalem .Alle Ungläubige wurden niedergemetzelt. G., dessen Sanstmukh seiner Tapfer-keit gleich war, suchte vergebens der Wuth Einhalt zu thun. Acht Tage nachder Eroberung Jerusalems erwählten ihn die Häupter des Heeres Zum Königeder Lctadt und des Landes; aber der fromme G. wollte nie an dem Orte eineKrone tragen, wo Christus mit Dornen gekrönt worden; ebenso lehnte er denKönigstitel ab und begnügte sich mit dem Titel eines Herzogs lind Sachwal-ters des heil. Grabes. Als der Sultan von Ägypten erfuhr, daß den Christenvon 300,000 Mann, die Antiochia erobert hatten, nur noch 20,000 übrig wa-ren, versammelte er ei» Heer von 400,000 Mann. G. lieferte demselben inder Ebene von Askalon eine Schlacht, worin er 100,000 Mann gelödtet habensoll. Dieser Sieg setzte ihn, mit Ausnahme von 2 oder 3 Plätzen, in denBesitz des ganzen gelobten Landes. Nun bemühte sich G., den neuen >Ltaatzu organisiren. Er setzte einen Patriarchen ein, stiftete 2 Domcapitel und er-baute ein Kloster in dem Thale Iosaphat. Daraus gab er seinen neuen Unter-thanen eine Gesetzgebung, starb aber schon den 18. Juli 1100, ein Jahr nach derEr-oberung von Jerusalem . Sein Leichnam ward bestattet auf'dem Calvarien-berge neben dem Grabe des Erlösers. Tasso'S schönes Epos preist auf eine wür-dige Weise kiesen großen Fürsten und Feldherrn, den uns die Geschichte als einMuster der Frömmigkeit, Tapferkeit und aller Herrschertugenden darstellt,

Gottfried von Strasburg , einer der größten alldeutschen Dichter,wahrscheinlich in Strasburg geb. oder doch einheimisch geworden, gehörte nicht,wie die meisten Minmsänger seinerZeik, dem Rittei stande an, daher er nicht Herr,sonder» Meister genannt wird. Sun Leben fällt in die Blüthenzeit der deutschen Ritterpocsie zu Ende des 12. und zu Anfange des 13. Jahrh. Außer mehren Min-neliedern in der Manessischen Sammlung verdanken wir ihm das große Ritterge-dicht „Tristan und Isolde ", aus dem Sagenkreise der Tafelrunde, nach einem wel-