Gotchardsberg Göttingm (Stadt— Univerl'ltat) 791
scheu Original bearbeitet, aber in der Ausführung so eigenthünilich gehakten wieirgend ein andres deutsches Meisterwerk. In Anmuth, Lieblichkeit, Heiterkeitnnd Leichtigkeit der Darstellung, in reicher malerischer Zlusstattung und in süßemWohlklange steht Gottfrieds Werk einzig in der altdeutschen Literatur da, undeine saufte fast elegische Empfindunqsweise durchzieht den blühenden Gartenseiner Dichtung. Beste Ausg. von F. H. v. d. Hagen (mit den Fortsetz. vonUlrich v. Turheim und Heinrich v. Friberg rc.), Breslau 1823, 2 Bde.
Gotthardsberg (Sanct-), ei» hohes Bergthal in dem höchsten Alpen-gebirge an der Lüdgrenze des Cantons Uri. In der Mitte desselben liegt einCapucinerhospitium nebst einem Spital und Güterlager. Auf diesem Punkterechnet man die Erhebung über die Meeresstäche 6339, oder nach der Weiß'schenCbarte 4566 Fuß. Auf beiden Seiten ragen noch höhere Bergspitzen empor, wel-che inan aus 8551 Fuß schätzt. Eine Fahrstraße über den Gotthard , von Amstegbis zum Ursenerkhale (westlich von der alten, s. Alpenstraßen', wurde 1829angelegt, sodaß eine zweite Brücke über die Rens; erbaut und das Ursenerloch (einedurch den Felsen gehauene Straße) erweitert und mehr erhellt wird.
Gökkingen, k. hanöversche Stadt, eine der freundlichsten in Niedersach-sen, mit 11,000 Einw., liegt an der Leine, in einem fruchtbaren und angenehmenThale, im ebemaligen Fürstenlbum Kalenberg, jetzt im Fürstenthum Göttingen .Sie hat ein Gviunasium, eine 1185 gestiftete Industrieschule, Tuch- und Strumpf-manufactaren, Leinweberei u. a. m., auch Mettwurst- und Leinwandhandel. Vgl.1). Marx, „Göttingen in Medicin. , Physik, und histor. Hinsicht" (Gött. 1821). —Hier stiftete König Georg II. die Universität tlroi-ssa -Uiguuii ,. welche 1135eröffnet und ani 11. Sept. 1131 eingeweiht wurde. Sie ist zugleich fürBraun-schweig und Nassau die Landesuniversität. Die Universitätsbibliothek, für die neuereLiteratur die reichste in Deutschland und vielleicht in Europa , zählt gegen 300,000Bde. und 5000 Handschriften. Die 1151 errichtete und 1110 zweckmäßiger ein-gerichtete l. Societät der Wissenschaften besteht aus einer mathematischen, phrsika-lischen und historischen Classe, hat ordentliche und außerordentliche, einheimischeund auswärtige Mitglieder, und hält monatlich eine Sitzung. Die einzelnenClassen setze» abwechselnd einen Preis von 50 Dukaten auf die Beantwortung einervorgelegten Frage aus. Das 1113 angelegte Museum enthält eine beträchtlicheMünzsammlung, Merkwürdigkeiten des Thier-, Gewächs- und Mineralreichs, eineSammlung von Modellen aller Art in großerVollständigkeit, auch Gemälde, Kup-ferstiche :c. Unter den Lehrern der Hochschule nennen wir Tychsen, Lücke, Ewald,Hugo, Meister, Bergmann, Bauer, Blumenbach, Lanzenbeck, Stro.neyer, Ostan-der, Gauß, Schulze, Harding, Hausmann, Heeren, Saalfeld , Reuß, Müller,Wendt, Mitscherlich u. A. Seit 1181 macht jährl. jede der 4 Facultäken einePreisaufgabe für die zu Göttinge» Studirenden bekannt; der 'Preis besteht in einer25 Dukaten schweren goldenen Medaille. Mit der Hochschule sind verbunden einPredigersemmarium, ein theologisches Nepetenkencollegium, ein Pastoralinstitut,ein chirurgisches, ein Accouchir- und ei» Krankenhospital, ein botanischer und öko-nomischer Garten, ein anatomisches Theater, ein Krankenhaus und ein klinischesInstitut, ein chemisches Laboratorium, ein physikalischer Instrumenkenapparat,ein Observatorium, ein philologisches Seniinarium u. s. w. Tausende von jungenMännern aus allen Ländern Europas haben hier ihre Bildung erhalten. G. istaber auch vorzüglich dazu geeignet, Ausländer anzuziehen, weil hier weniger alsauf andern deutschen Hochschulen Local- und Nationalgeist, am wenigsten m wis-senschaftlicher Hinsicht, vorherrschend war, vielmehr die Universität früh einen eu-ropäischen Charakter annahm. Man hat das freilich nicht selten derselben sogarzum Vorwürfe gemacht; aber jeder Unbefangene wird zugeben, daß, wenn irgendwo,eben in den Wissenschaften der kosmopolitische Sinn gepflegt werden soll. So hat