Band 
Vierter Band. F bis G.
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Gottsched (Monist Adelgunde Bleler>e)

sehen Sprache, Poesie und Beredtsamkeit" heraus, und fing s. unersprießlichen Be-mühungen sur die vaterländische Bühne an. 1734 wurde er ordentlicher Pros.der Logik und Metaphysik, gab als solcher s. „Ersinn Gründe der Weltweisheit"heraus, ward hierauf Decemvir der Universität, der Philosoph. Facultär und desgroß.n Furstencollegiumü Senior, wie auch niehrer gelehrten Gesellsch. Tstitglied,und starb 1766. In unserer Literatur ist G. ein warnendes Beispiel, zu welcherSchmach auch ein Schriftsteller von löblichem Bestreben und manchem unläugbarenVerdienste durch Einseitigkeit und Pcdanlismus Herabsinken kann. Durch dieseEigenschaften hat er es verschuldet, daß man gegenwärtig mit s. Namen nur dieIdee eines von Hochmuth aufgeblähten Lehrers des Ungeschmacks und der After-weisheit verbindet, der sur alle ästhetische Sünden s. Zeitalters nicht genugsam ge-züchtigt wei teil kann. Seine Verehrer, die ihn nach s. ersten Auftreten sur denWiederherstellen der Dichtkunst und den Verkündigen des zuteil Geschmacks ausge-geben hatten, wurden bald durch Rost, Pyra, Liscov, Bodmer, Breinnger u.A. zumSchwelgen gebracht, deren zum Theil gewandtem Witz und gründlichen BeweisenG. mit so schwerfälligen Waffen begegnete, daß er einer völligen Niederlage nichtentgehen konnte. Was G. Gutes gewirkt, ist ebenso wenig zu verkenne» als s. Ab-geschmacktheiten. Verdienstlich war s. Eifer für die Reinheit der deutschen sprä-che, deren Genius er wenigstens ahnete, wenn er auch nicht Talent genug besaß,selbst Müller darin zu werten; verdienstlich sind ferner seine Bemühungen um diedeutsche Grammatik und die Geschichte der ältern teutschen Literatur: „Grund-legung einer deutschen Wprachkunst" (Leipzig 1748 u. 1776); „Nöthiger Dorrathzur Geschichte der deutschen dramatischen Dichtkunst" (2 Bde., 1757 u. 1765);„Beitrage zur kritischen Historie dir deutschen Sprache, Poesie und Berettsamkeil"(8 Bde., 1732—14); „Das Neueste aus der ammlthigen Gelehrsamkeit" (12 Bde.,1732 — 61). Keiner Beachtung mehr werth sind s. „Kritische Dichtkunst undRhetorik". G. war kein Muster der Dichtkunst, und nicht zum Reformator derdeutschen Bühne geeignet. Er wollte die Oper mit Operette als widersinnig ausrotten,die Komödie aber dadurch veredeln und reinigen, daß er den Ha»swurst von derBühne vertrieb. Dieser ergötzliche Liebling der Menge ward von ihm und derSchauspstldirectorin Neuber 1737 öffentlich und feierlich begraben. Was erselbst sur die Buhne lieferte, war frostig, steif und langweilig. So verkehrte Be-mühungen lieferte» ihn in die Hände s. muihwilligen Gegner, deren Übergewichtuin so entschiedener ward, je mehr er sich ereiferte und mit stolzem Tone sie nieder-schlagen wollte.

Gottsched (Louise Adelgunde Dictorie), Gattin des Vorigen, Tochter despolnischen Leibarztes Kulmus, geb. 1713 zu Danzig , empfing von ihrer MutterUnterricht in der demschen und franz. Sprache. In der Folge bildete sie, besondersdurch das Lesen des englischen „Zuschauers", ihren Witz und Geschmack; ebensoerwarb sie sich in der Geographie und Geschichte ausgebreitete Kenntniffe, und imZeichnen und in der Tonkunst seltene Fertigkeit. Sie las die besten Werke derDichtkunst und Beredlsamkeit, und die ernsthaftesten philosophischen Echriften.Mit G., den sie 1729 persönlich kennen lernte, unterhielt sie einen ununterbroche-nen Briefwechsel, und verband sich mit ihm 1735. Sie lernte jetzt auch noch La-teinisch und Griechisch, half ihrem Manne bei s. gelehrten Arbeiten und trat selbstals Schriftstellerin, besonders als Übersetzerin, auf, ohne darum ihre häuslichenPflichten zu vernachlässigen. Ihre rastlose Thätigkeit aber zerstörte ihre Gesund-Heu; sie starb zu Leipzig 1762, im 49. I. ihres Alters. Mad. G. war eine Frauvon den liebenswürdigsten Eigenschaften. Mit seltenen Kenntniffen und einemmännlichen Ernste verband sie alle weiblichenTugendeii, Sanftmuth, B.scheidenhcitund das regste Gefühl für Liebe und Freundschaft. Die deutsche Sprache behan-delte sie geschickter als ihr Mann, den sie an Witz rnd Verstand weil übertraf.