Graciofo Grad« 80)
Hand zu verfahren. Der Antrag, den Opimius an das Volk thun wollte, ein GesetzdesG. aufzuheben (es betraf nur eine von ihm decretirteColonie, aber man betrach-tete es als ein Beispiel der Aufhebung aller von den Gracchen gegebenen Gesetze),gab der Gährung neue Nahrung. G. erschien aufdem Forum, FlaccuS hatte s. An-hänger bewaffnet. Da that OpimiuS mit einer wohlbewaffneten Schaar geübterKrieger eincnAngriff auf das Volk. An 3006 wurden erschlagen, und G. selbst,von treuen Freunden tapfer vertheidigt, fiel als ein Opfer der Wuth s. Feinde. DasAckergesetz ward späterhin aufgehoben, aber die Achtung für den Senat war dahin.S. H. K. Reiff's „Geschichte der römischen Bürgerkriege voni Anfange der Gracchi»schen Unruhen bis zur Alleinherrschaft des AugustuS" (Berlin 1825).
Graciöse, der theatralische Beiname des Possenreißers oder lustigen Be-dienten, einer komischen Maske oder stehenden Rolle, die in allen drei Arten desspanischen Lustspiels, besonders aber in den Intriguenstücken (C.onwllins <leF es,'.»!«) unter verschiedenen Namen vorkommt, dem Hanswurst ähnlich. Mitdem Harlekin der ältern Bühne, wovon man ihn hat ableiten wollen, hat er inso-fern Ähnlichkeit, daß er zuweilen etwas plump und gefräßig ist, andre Züge aber,Geschwätzigkeit und Furchtsamkeit, hat er nicht mit jenen, gemein. Man könnteeher im Sofias desPlautuS, oder imDavuS und andernSklavenrollen deöTerenzsein Muster finden. Bei Lope de Dega ist diese allgemeine Charaklerform zuweilenmit dem Tölpel derselbe Charakter, wie ihm denn überhaupt die spanischen Dichterauf die mannigfaltigste Weise Nebenzüge beilegen, ihn bald sehr verschlagen und klug,bald possirlich einfältig schildern. In einigen Stücken kommt ein zweiter Gracioso(sli-min-M 5em,,i(l») vor, ja man findet auch wohl noch mehre. Selten wird dieseCharaktermaske als Werkzeug gebraucht, durch ihre Listen die Verwickelung zuknüpfen, sondern der lustige Diener dient meist nur dazu, die Triebfedern, dieseinen Herrn bestimmen, zu parodiren, was oft auf die anmuthigste ui.d geistreich-ste Weife geschieht. Zn den Lustspielen des Augustin Moreto y Cabana zeich-nen steh die Rollen des G. durch glücklichen Witz besonders aus. — In derMusik ist Gracioso die Notenschrift eines sanften, anmuthigen Tonstücks.
Gradation, Steigerung (Klimax, s. d.), in der Redekunst dasallmälige Fortschreiten von einem schwächer», zu einem stärker» Gedanken, wo»durch die Aufmerksamkeit des Hörers in steter Spannung erhalten wird. Inden bildenden Künsten zeigt sich die Gradation in der Anordnung der Gegen-stände, in den Formen, in den Charakteren, in den Ausdrücken, Bewegungen,Falten der Bekleidung und in der Abstufung der Farbe, da eine bemerkbareLücke in der Folge der Gegenstände in allen diesen Theilen der Kunst ein un-angenehmes Gefühl erweckt. Nur durch die richtige Gradation bekommt einKunstwerk Einheit, und jeder Theil desselben seine volle Bedeutung.
Grade nennt man die gleichen Theile, in welche ein Ganzes abgetheilt wird.In der Mathematik wird jeder Kreis in 360 gleiche Theile oder Grade eingetheilt.Die von neuern franz. Mathematikern versuchte Decimaleintheilung des Kreiseshat, ihrer Vorzüge ungeachtet, die alte Eintheilung nicht verdrängt. Die absoluteGröße eines Grades hängt demnach von der Größe des Halbmessers ab, und kannalso nur in Beziehung auf diesen bestimmt werden. Da man die Winkel nach Kreis-bogen mißt, welche aus der Spitze von eine»,, Schenkel zum andern beschrieben wer-den, so gibt man die Größe der Winkel ebenfalls nach Graden an. So hat ein rech-ter Wmkel 90 Grade, d. h. seine beiden Schenkel umfassen den vierten Theil einesaus s. Spitze als Mittelpunkt beschriebenen Kreises. I;der Grad (°) wird weiterin 60 Minuten (0, jede Minute in 60 Secunden (") und jede Secunde in 60 Ter-tien ("') getheilt. Alle mathematische und astronomische Instrumente, mit welchenWinkel gemessen werden, wie das Astrolabium, der Quadrant, Sextant, Trans-porteur u. a. haben diese Eintheilungen. Und ebenso werden alle Kreise, welche man
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