Band 
Vierter Band. F bis G.
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804 Gmdiren Gredmefsungen

IN der Vorstellung um die Himmelskugel und um die Erde zieht, z. D. der Äqua«tor, die Mittagskrcisc, die Ekliptik, die Parallelkreise, die Scheitelkreise, derHorizont rc., in Grade, Minuten und Secunden getheilt. Etwas Andres istdie Abtheilung in Grade bei physikalischen Instrumenten, z. D. bei Barometern,Thermometern w., wobei man allemal von einem festen Punkte ausgehen muß,z. B. beim Thermometer vom Eispunkte, indem man die Grade über und un-ter demselben zählt, je nachdem die Kälte größer oder geringer ist, als dieserPunkt anzeigt. — In der Genealogie bedeutet Grad die Entfernung einesoder mehrer Nachkomme» von den gemeinschaftlichen Ältern. In gleichemGrade mit einander verwandt sein, heißt demnach, von den gemeinschaftlichenÄltern in Ansehung der Abstammung gleich weit entfernt sein, wie dies mitGeschwistern, ersten, zweiten und dritten Geschwisterkindern u. s. w. der Fall ist.

Gradiren (Sal.werke), heißt, die unendlich kleine», in dem Salzwasser(der Soole) aufgelösten Salztheilchen von einem Theil ihres überflüssigen Wassersbefreien, damit dadurch der Aufwand beim Salzsiedcn vermindert werde. Tiefesläßt sich auf eine dreifache Art bewirken: l) daß man die Soole durch Beimischungmehrer Salztheile verstärkt, wie z. B. auf dem bairischen Salzwerke Armenballe,den, norwegischen zu Walloc rc.; 2) daß man die in derSoole befindlichen Salz-theilchen vermittelst der Kälte (Eisgradirung) nöthigt, näher zusammenzutreten;8) daß man die wässerigen Theile der Soole verflüchtigt, die Salztheilchen aber zu-rückhält. Dies ist die allgemeinste und wichtigste GradirungSart, und sie geschiehtauf vierfache Weise: n) daß man die Soole in großen Behältern ganz ruhig, nurder Sonnenwärme ausgesetzt, stehen läßt (Sonnengradirung). Gehört nur fürssüdliche Europa . b>) Daß man die Soole über große schiefliegende, der Luft undSonnenwärme ausgesetzte Flächen langsam hinfließen läßt (Pritschen- oder Tafel-gradirung, Dachgradirung). Sie ist die unzweckmäßigste unter allen. <.-) Daßman die Soole aus hochgestellten Behältern durch gehörig dazu eingerichtete n,dder freien, von Morgen nach Abend oder umgekehrt streichenden Luft ausgesetzteWände herabtröpfeln läßt (Tröpfelgradirung oder die sogen. Leckwerke, die besteunrcr allen.) ,!) Daß man endlich die Soole in Pfannen der Hitze des Feuers aus-setzt. (Die kostspieligste und unanwcndbarste unter allen, wenn die Soole nichtwenigstens neungrädig, und das Feuermatcriale noch obendrein wohlfeil ist.) DieTröpfelgradirung, als die allgemeinste, geschieht in den von Deutschen erfundenenGratirhäusern, welches länglich viereckige bedachte und unbedachte, aus Holz erbauteGebäude sind, deren Giebel nach Mittag und Mitternacht stehen müssen, die iniobersten Theile die Scoltropskastcn und an den Seiten derselben die hölzernen Hähneund Rinnen mit Einschnitten versehen haben, aus denen die Soole abtröpfelt, indem mittlern Theile die Wände, durch welche die Soole fällt, und im untern Theileeinen großen Behälter oder Becken enthalten, in welchem die Soole gesammelt wird.Die heurigen Gradirhäuser haben Wände aus Schwarzdorn oder Schleheutorn(?rui,n« und im Nothfalle aus Weißdorn (<ä.-!l>i,g,!^ Oxv»,-:,„>!,:,).

Ioach.Fricdr., Freih.v.Beust, hatsie 1126 aufderSalineWilhelmsGlückcbruunbei Kreuzburg an der Werra zuerst eingeführt. Die Veranstaltung, worin das Gra-dire» der Soole vom Anfange an bis zu ihrer Gahre oker Grädigkeit(Löthigkeit) zumVersieben gebracht wil d, nennt man ein Grad irwerk. X.

G r a d m e ssu n g e n. Als Newton gelehrt, daß (vgl. Abplattung derErde ) wegen des Umschwungs der Erde um ihre Ape diese um den Äquator höhersein müsse, und ihr Äquatorialdurchmesser um größer sei als ihr Polai du, chmes-ser, wollten die Franzosen dies durch eine Messung in Frankreich untersuchen. New-ton machte zwar deine, ilich, der Unterschied zwischen einem Grade bei Dünkn ebenund zwischen einem Grate bei Baronne sei so klein, daß sie mit ihren unvollkomme-irrn Instrumenten solches gar nicht finden könnten, ja sie fänden vielleicht das Ge-