Band 
Vierter Band. F bis G.
Seite
805
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Gradmeffungkn 805

genthett, und dann wände die Wissenschaft durch fehlerhafte Zahlen in Verwirrunggebracht. Allein man ließ sich nicht abhalten; die Messung ward vorgenommen,und was Newton vorhergesagt hatte, traf ein, denn das Resultat derselben war,daß die Polarape größer sei, und daß die Erde eher einer Citrone gleiche als einer Po-,meranze. Nachdem 40 Jahre lang hierüber leere Reden geführt worden, beschloßendlich die Akademie der Wissenschaften, einen Grad unterm Äquator und eitlen inLappland messen zu lassen. Jetzt fand sich, daß der nordische Grad größer sei alsder unterm Äquator, und daß Newton recht gehabt. Allein es fragte sich nun, wieviel die Abplattung betrage? Die Theorie gab,)», wenn die Erde in einem völligflüssigen Zustande war, als sie anfing, sich zu drehen. Die Berechnungen aber ga-ben immer andre Resultate, je nachdem man diese oder jene Messung dabei zumGrunde legte. Denn nicht allein in Amerika und Lappland waren Gradmessungengemacht worden, sondern auch in Frankreich, England, Ungarn und Italien . Manschloß hieraus, daß die Erde kein völlig regelmäßigerKörper sei, sondern daß sie großeörtliche Ungleichheiten habe. Obschon dieses möglich ist, so war der Schluß dochzu voreilig, weil die angeführten Ungleichheiten ebenso gut von den Fehler» der Mes-sungen herrühren konnten, da man sehr unvollkommene Instrumente gebrauchtund sehr kleine Bogen gemessen harte. Als die Franzosen ihr neues Maß- und Ge-wichtsysiem auf dasMetre bauten, welches der lOmillionste Theil von»Äquator bisan den Pol sein sollte ('ungefähr 3 Fuß 1 Zoll), mußten sie die Größe der Erde unddie Größe der Abplattung sehr genau keimen. Sie maßen deßwegen in Frankreich nicht einen Bogen von einem Grab, sondern einen Bogen von 10 Grad, vonDünkirchen bis Formemera. (Vgl. Delambre .) Zu gleicher Zeit wurde inSchweden 1802 der Grad aufs Neue und mit bessern Instrumenten gemessen, alsMaupertuis vor 80 I. gebraucht hatte, und so war denn die Größe und die Abplat-tung der Erde ziemlich genau bekannt. Seil dem Frieden hat man dieGradmes-snng , welche in England unter dem General Roy durch Mudge gemacht worden,mit der französischen in Verbindung gesetzt, und so ist denn ein Bogen von 20 Grad,der von den balkarischen Inseln auf der Küste von Spanien über Frankreich undEngland bis zu den orcadischen Inseln geht, gemessen, dadurch aber die Größe derErde und ihre Abplattung so genau bestimmt, als sie sich in Europa bestimmen laßr.Die Abplattung ist nämlich zu ^-gefunden. Auch in Indien hat Lambton eineGradmessung begonnen. In Deutschland kann man keinen Bogen messen, dergrößer als etwa 7 Grad oder 105 Meilen ist, nämlich von Konstanz bis Lübeck : eswürde mithin nur von einem geringen Nutzen sein, in Deutschland dieß'Messungvorzunehmen. Auch dann, wenn dte Figur der Erde in Deutschland anders als inEngland wäre, müßte'man, um diese örtlichen Ungleichheiten zu bestimmen, miteiner großen Sorgfalt verfahren, damit die Fehler der Messung nicht größer wärenals die Ungleichheiten der Erde, sonst könnt« man leicht die Abweichungen der Astro-nomen von der Wahrheit für Abweichungen der Erde von ihrer regelmäßigen Gestalthalten., Gradmessung eines Längengrades. Die Längengrade sind un-term Äquator am größten und nehmen nach den Polen immer mehr ab. Auf demÄquator bat ein Längengrad 15 teutsche Meilen, bei uns nur noch 81, und sokann man die Größe jedes Grades berechnen, sobald die Figur der Erde bekannt ,st.Ist die Figur der Erde aber nicht ganz regelmäßig, so haben auch die Längengradeaufderselben Breite nicht überall dieselbe Größe, und man hat davon gesprochen,dieses ebenfalls durch eine Gradmessung zu untersuchen. Diese Aufgabe ist in denDreiecken eben so leicht wie die Messung eines Breitengrades, aber in dem astrono-mischen Theile ist sie gerade 15 Mal so schwierig. Der Längenunkerschied zweierOrtewird in Zeit bestimmt, da der Ort, der 15 Grad nach Osten liegt, eineStvndefrüher Mittag hat. Eine Stunde ist also 15 Grad, oder, den Grad zu-81 Meilegerechnet, 1271 Meile oder etwa 3 Mill. Fuß. Eine Zeirminuie ist 50,000 Fuß,