Band 
Vierter Band. F bis G.
Seite
813
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Graphit Gräler 813

klpps Auftrag,-die Rede, welche Karl V. bei s. Abdankung vor den flanderischenStänden hielt. G. sprach auf eine des Gegenstandes würdige Art. Der Waf-fensiillstand von Daucelles hatte die Ruhe zwischen Frankreich und Spanien auf5 Jahre hergestellt. Heinrich II., König v. Frankreich , brach ihn, und nach anfäng-lichen Unfällen ward ihm das Glück günstig. G. knüpfte daher Unterhandlungenan und unterzeichnete 1559 den Frieden zu Chateau-Cambresis. Philipp verließsofort die bereits höchst unzufriedene» Niederlande und ließ Margarelha v. Parmaals Statthalterin und G. als ihren Minister zurück. Auf diesem Posten mußteihn der Haß des Volks treffen, das alle strenge Maßregeln ihm zur Last legte, wäh-rend s. Feinde bei Philipp vorgaben, daß s. Schwäche und Milde die Fortschritte derneuen Lehre befördere. Philipp aber kannte die Talente s. Ministers besser und er-nannte ihn zum Erzbischof von Mecheln . Sein Eifer für die Wiederberufung des 'lridcminifchcn Conciliums und die Unterdrückung des Dajanismuö erwarben ihm denCardmalshut. G.'s Feinde ließen indeß nicht ab, ihn mit Anklagen zu verfolgen, siewußten auch die schwache Margarelha gegen ihn einzunehmen, und so ertheilte ihmendlich 1561 Philipp denBefehl, in die Franche-Comte zurückzukehren. Bald er-kannte Margarelha ihren Fehler, sich eines so treuen Ministers beraubt zu haben.Sie suchte thu vergeblich zur Rückkehr zu bewegen. G. verlebte jetzt 5 Jahre un-ter <Ltudien und im Unigange mit Gelehrten. Er wohnte dem Conclave bei, dasPiuS V. zum Papst erwählte. 1570 sandte ihn Philipp abermals nach Rom , ummit dem Papst und den Venetianern ein Bündniß gegen die Türken zu schließen.Diese bedrohten Neapel , wohin G. als Dicekönig gesandt wurde. Er traf hierunter so schwierigen Verhältnissen nicht nur zweckmäßige Dertheidigungsmaßregeln,sondern gab auch treffliche Verordnungen für den innern Wohlstand, und Neapel durfte von s. Geschicklichkeit und Rechtschaffenheit noch größere Vortheile erwarten,als er 1575 in den Siaatsrath berufen wurde. Philipp, eifersüchtig auf denRuhm, selbst zu regieren, begnügte sich, G. den Titel eines Präsidenten deü höchstenRaths von Italien und Castilien zu ertheilen, sodaß der Cardinal zwar nicht demNamen nach, aber in der That erster Minister war. Als solcher unterhandelte erdie Vereinigung Portugals mit Spanien , war Zeuge des von ihm vorausgesehenenAufstandeS der Niederlande und schloß die Verbindung der Insantin Katharinamit dem Herzoge von Scvoycn, die ein Meisterstück der Politik war, indemFrank-reichs Planen aus Mailand dadurch entgegengewirkt wurde. So rastlos beschäf-tigt starb er 15L6 an der Schwindsucht. Wie man auch über G. anheilen mag,darüber stimmt man überein, daß er unermüdlich, fest in s. Emschlüffen, von schar-fem Blick, hochgesinnt, uniadelhaft in der Verwaltung, gemäßigt selbst gegen s.schwächer» Femde, und stets für Spanien und die Religion thätig war.

Graphit, s. Reißblei.

Gras, in der Botanik, ein Gewächs, das einen hohlen mit Knoten undGelenken versehenen Stengel hat, der hier Halm heißt. Die Blätter sind lang,schmal und gestreift, sie sitzen nicht, wieanderePsianzcnblatker ausSlielen, sondernendigen sich unten in einer Scheide, die den Hcüm umschließt. Die Blüthen sindklein, meist grünlich von Farbe und haben Spelzen; sie bringen nur einzelne Sa-menkörner. Die Knoten der Gräser schlagen, wenn sie mit Erde bedeckt weiten,wieder Wurzeln, und hieraufgrundet sich die künstliche Vernichtung des Getreides,von dcni viele Arten zu den Gräßrn gehören.

Gräte r (Friedrich David ), l-.und Pros. der Philosophie, geb. den 22.April 1768 i» der ehemaligen Reichsstadt Hall, jetzt k. würtemb. Pätagogarch dergelehrten Schulen des Donaukrcifcs, und Recror des k. Gymnasiums zu Ulm.Schlözer's isländische Literatur und Geschichte haue i» Deutschland eine nordischeKälte überdie nordische Literatur und Sprache, besonders aber übei Mythologie undDichtkunst verbreitet. Dagegen trat G. 1789 mit s. „Nordischen Blumen" auf,