Band 
Vierter Band. F bis G.
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816
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816 Grave Grävell

Haupworzug als Singer bestand in dem Vertrag des Adagio, wiervol er auch kräf»tige Partien mit Geschmack und Leichtigkeit vortrug. Weine Stimme war einhoher Tenor, dem eö wol an Nachdruck, aber nicht an Anmuth gebrach. DerKönig vergoß Thränen, als er den Tod G.'S zu Dresden erfuhr. Man zählt ihnzu den verständigsten und gründlichsten Tonsehern. Die ersten Compositionen,welche man von ihm kennt, sind die Motetten, welche er in Dresden für die Kreuz-schule componirte. Später componirte er für den Cantor Reinholdk eine MengeKirchcnstücke. Die Zahl s. Weile, die er in Braunschweig, Rhcinsberg und Ber-lin verfertigte, ist sehr groß; es sind darunter gegen 30 Opern. Seine Musik zuRamler's PasfionSoratorium: „Der Tod Jesu", wird insgemein für s. Meister-werk angesehen, besonders wegen der darin befindlichen Recitative und Chöre.Der Capellmeister Hlller hat G.'s Leben beschrieben.

Grave, zeigt in der Musik eine langsame, ernste Bewegung an. PunktirteNoten, Bindungen und dgl. scheinen im Graue vorzugsweise zu paffen, welchesdas Feierlich-Pathetische ausdrückt.

Grävell (Maximilian Friedrich Wilhelm ), I)., königl. preuß. Regierungs-rath, geb. den 28. Aug. 1781 zu Belgard in Hinterpsnnnern, wo sein Daierals Feldprediger stand, ward in Koktbus von seiner Großmutter, dann bis zum1b. Jahre in der Kostschulc des Rectors Engmann zu Nieder-Wiese bei Grei-fenberg in Schlesien erzogen. Der Gattin dieses Mannes verdankt er die Aus-bildung seines Stpls, sowie das Weibliche in seinen Gefühlen und Gesinnungen,welches schon damals mit einem festen, entschlossenen Willen sich paarte. Alsder Prediger Bachstein, der ihn zur Communion vorbereitet hatte, blind gewor-den war, erbot er sich, ihm täglich vorzulesen, wozu die theologischen, philosophi-schen und literarischen Artikel der „Allgem. deutschen Bibliothek" gewühlt wur-den. G. wollt« damals Theologie studiren; die Erscheinung des Religionsedictsaber bestimmte ihn, sich dem Rechtsstudium zu widmen. Nach 3 zu Züllichau verlebten Wchuljahren bezog er die Universität Halle, wo er den philosophischenUnterricht des Pros. Diaaß benutzte, die Rechtswissenschaften aber in den be-sten Handbüchern studirte. Darauf arbeitete er 1801 bei dem Stadtgerichte inBerlin als Auseultator, nahm 1802 die Wlelle eines Regimentsguariiermeistersin der westfälischen Füselierbrigade an, ging aber 1803 nach Berlin zurück undward hier als Assessor beim Kammergerichte, dann bei der Regierung zu Plock angestellt. Durch den Aufstand der Polen 1806 vertrieben, begab er sich aufsei» kleines Landgut bei Storkow ; allein ohne Geldmittel, um die zerrütteteWirthschaft desselben wiederherzustellen, zog er nach KoltbuS, wo er prakticirte.Zugleich empfahlen ihn s. in Berlin gefertigt» Probearbciten in Dresden so sehr,daß er zum Jusiizbeamten in Kottbus ernannt wurde. 1811 trat er wieder in preuß.Dienste und ward in dem Oberlanteügerichte zu Scldin, hierauf als JusiikiariuSbei der Regierung in Stargardt, und später als Rath bei dem Militeurgouverne-ment daselbst angestellt. Als Preußen 1811 gegen Napoleon die Waffen ergriff,trat G. auf eignes Verlangen in die pomirersche Landwehr als Adjutant des com-mand. Generals ein. Die Unthäligkeit, in welcher sich dieses Corps bei der Blockadevon Küstrin befand, veranlaßte ihn, den König um s. Versetzung zu einem im Feldestehenden Corps zu bitten, worauf er als Brigadeadjutant zu dem bergischen Trup-pencorps kam, welches zur Blockade von Mainz gebraucht wurde. Nach erhaltenemAbschiede vom Miluair machte er den Münster auf den Verfall der v. Schöning'-schen Lüftung im kottbuser Kreise aufmerksam, und erhielt von ihm Vollmachtzur Wiederherstellung derselben. Allein er fand so viele Schwierigkeiten, daß dasMinisterium ihn als Justitiar zur Regierung in Merseburg versetzte. Hier ver-wickelte ihn s Eifer für die Aufrechthalrung der freien Stimme in collegialischenBerarhschlagungen, für die Entfernung alles persönlichen Einflusses und für die un-