821
Gregoriusfest Greif
Glaubens und der Freiheit stieg bis zur Schwärmerei, und der Krieg ward nunauch von ihrer Seile mit der wildesten Erbitterung geführt. (S. Griechen,Aufstand derselben.) 20.
Gregor« uöfest, ein ehedem in mehren Gegenden, besonders in Sach-sen beliebtes Schul- und Iugendfest, welches gegen Ostern gehalten wurde.Gewöhnlich zogen die Schüler, auf eigne Weise, als Bergleute, Essenkehrer, Jä-ger u. s. w. gekleidet, durch die Stadt; an andern kleinern Orten erschienen sienur mu Bändern ausgeputzt, und jeder gab durch Hersagung eines Reimes vorden Häusern der Vornehmen zu erkennen, welche Standesperson aus der bürger-lichen Gesellschaft er vorstelle. Einer war ein Arzt, oder vielmehr Quacksalber,mit einem Arzneiküsten; ein andrer ein Eorporal mit einem Degen und Stocke;ein dritter, mit einer Trommel versehen, stellte einen Tambour u. s w. vor.Dieses Fest war unstreitig eine Nachahmung des bei den Griechen unter demNamen Panathenäen bekannten Volks- und Freudenfestes. Auch zu Rom feierte nian jährlich 2 Minervenfeste durch feierssthe Umgänge. Diese Festeerhielten durch die Länge der Zeit eine Heiligkeit und ließen sich nach demÜbergänge heidnischer Völker zum Christenthume schwer abschaffen. Daherverordnete Papst Gregor I V. 828, daß zur Ehre eines seiner Vorgänger, Gre-gor I., welcher die erste Singschulr in RoM gestiftet Hütte, um die Zeit, da dasgroße Minervenfest fiel, ein eignes Schul- und Kinderfest u. d. N. des Grego-riusfestes gehalten wurde. — GrcgoriuSsingen nennt man den Unigang,welchen jährlich nach Ostern die Dorfschulmeister, besonders in Sachsen, inBegleitung ihrer Schulkinder, durch das Dorf halten, wobei vor jedem Hauseein Lied oder eine sogenannte Arie abgesungen wird, wofür dem Schullebrereine Kleinigkeit an Gelde gereicht wird, die als ein Theil s. Besoldung in An-schlag gebracht ist. In mehren kleinern Städten, wo sonst dieses Gregoriussin-gen auch gewöhnlich war, ist diese den Vchullehrei stand herabwürdigende Betteleimit Recht abgeschafft, und die Lehrer sind auf andre Weise entschädigt worden.
Greif, ein fabelhaftes Thier des Alterthums, das nach der gewöhnlichenSage Leib, Füße und Krallen eines Löwe», Kopf und Flügel eines Adlers, Ohrendes Pferdes, und statt der Mähne einen Kamm von Fischfiossen hakte; der Rückenwar befiedert. Älian besetzt den Rücken mit schwarzen, die Brust mit rothen unddie Flügel mit weißen Federn; Ktesias gibt ihm blaue, glänzende Nackensedern,einen Adlerschnabel und feurige Augen. Spätere Schriftsteller setzen noch Mancheshinzu. Nach dem Verf. des Buchs: „Dr rrru,,, ,u,tur.> ", ist er größer als einAdler, hat an den Dorderfüßen große Adlerkrallen, an den Hinterfüßen Löwen-klauen, und legt in sein Nest einen Achat; aus den Klauen macht man Trinkgefäße.Eristso stark, sagtKtesias, daß er im Kampfe mit allen Thieren Sieger bleibt, denLöwen und Elefanten ausgenommen. Man gab Indien für sein Vaterland ausund glaubte, daß er auf hohen Bergen niste, nie erwachsen, wohl aber jung gefangenund gezähmt werden könne; daß er das Gold der Gebirge bewahre und sein Nestdavon mache, oder nach andern Angaben, daß er Die fürchte, welche Gold suchen,und s. Jungen gegen sie vertheidige. Über die Entstehung dieser fabelhaften Bildunghaben der Graf von Veltheim in s. Abhandlung von den goldgrabenden Ameisen undGreifen der Alten, und Böttiger in s. Dasengemälden viel Sinnreiches gesagt. Letz-terer erklärt diese und ähnliche Ungeheuer bloß als Erzeugnisse der indischen Tapeten-wirkerei, da sich dieIndiervon den ältesten Zeiten heran seltsamen Zasammenfitzun-gen ihrer heiligen Thiere ergötzten. Die Griechen, welche an dem Hofe des persi-schen Königs dergleichen Tapeten erblickten, hielten die darauf abgebildeten Thierefür wirkliche Geschöpfe des wunderreichen Indiens und verbreiteten die Sage davon.Auf ähnliche Art entstanden die nachherigen Arabesken, Grotesken >c., mit denenjene also einerlei Ursprung hätten. So viel ist gewiß, daß der Gr eif aus Affen nach