Band 
Vierter Band. F bis G.
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Griechische Literatur (3. Periode)

schaff, Tagewahl, unkermischtmitVorschriften der Lebensklugheit, Erziehung u.s w.Durch den Inhalt und den Geist aller dieser Werke, besonders der Homerischen undHesiodischen, welche ein kanonisches Ansehen erhielten und gewissermaßen dieGrund-lagen der Iuaeridbildung ausmachten, erhielt der Charakter der Griechen jene be-stimmte Richtung, die ihn nachher so sehr auszeichnete, und die sich am deutlichstenin ihrer Religion z > erkennen gibt, welche bei der» Mangel nöthigen Ansehens, be-sonders einer Priesterkaste, so zwanglos, und eben dadurch so phanlasiereich wurde.Die Mvstik der ersten Periode war dadurch meistens verdrängt worden, und in demneuen griech, Göktergeschlechte (denn daß ein neues Göktersystem entstanden war,kann nicht bezweifelt werden) sah man nichts als die Blüthe der Menschheit. Sinn-lichkeit wurde daher der Charakter der griech. Religion, bei welcher keine andre Moralstattfinden konnte als eine solche, die das Leben mit Weisheit genießen lehrt. Poesiewar bisher die emsige Lehrerin und Erzieherin der griech. Welt gewesen, und sie bliebes auch ferner noch, als sie eine andre Richtung nahm. Dies geschah in der drit-ten Periode, dein Zeitalter der Lvriker und der apologiscben Poesie und Philosophie,mit welchem allmäkig größere historische Gewißheit anhebt. Um den Anfang derZeitrechnung der Olympiaden v. Chr.) entstand eine wahre Ebbe und Flut vonVerfassungen in den kleinen griech. Staaten. Nach abwechselnder Herrschaft käm-pfender Parteien, die sich mit gegenseitigem Haß lange verfolgten, erhoben sich endlichRepubliken von demokratischer Verfassung, und Nationalzusammenkünfte bei heili-gen Spielen vereinigten diese in gewissem Sinne z» einem Ganzen. Der in solcherZeit herrschende Geist begünstigte vornehmlich die lyrische Poesie, welche in Griechen-land jeht zur Kunst wurde und bis aufden Einfall der Perser den Gipfel ihrer Voll-kommenheit erreichte. Nächst den Göttern, die an ihren Festen mit Hymnen ge-feiert wurden, war das Vaterland mit seinen Helden ein Hauptgegenstand dieserPoesie. Die äußern Umstände scheinen nicht wenig auf den Charakter derselben ge-wirkt zu haben. Die Gemüthskräste waren durch die Verhältnisse des Vaterlandesmehr aufgeregt; durch die häufigen Kriege und Kämpfe, Liebe des Vaterlandes undder Freiheit, Hast der Feinde und Tyrannen erzeugte sich die historische Ode. DasLeben aber wurde doch zugleich mehr von seiner trüben Seite angesehen und schmerz-licher empfunden; daher mehr Einmischung von Empfindsamkeit in der Elegie, vonder andern Seite aber auch rüstige Gegenwirkung durch Spott in dem Iambus(Sakyre): in Allem kräftiger Anreiz zum Selbstdenken, Forschen und Herbeischaf-fen eines erwünschten Zustandes. Die goldene Zeit ist vorbei, die ein Geschenk derGötter war; jene, die der Mensch in der Zukunst ersehnt, soll das Werk einer freienKraft sein. Mit dem Gefühl hiervon wird die Menschheit mündig, und in den Zu-stand versetzt, in welchem Philosophie ihr zum Bedürfniß wird, die denn auch im-mer mehr und mehr sich entwickelt. Zuerst sprach sie sich jeht in Sprüchen undGnomen, in Fabeln, mitunter auch im dogmatischen Lehrvortrag aus. Bei demGenuß von Ruhe umfasike die lyrische Poesie aber auch die Freuden der Erde, denGenuß des Lebens und die daraus entspringenden Gefühle, wobei sich jener feineSinn, jenes Zartgefühl immer deutlicher aussprachen, durch welche das Leben rei-zender, der Genuß desselben veredelt wurde, und die Darstellungen davon eine ei-genthümliche Grazie erhielten, sowie sie bei der herrschenden Moral durch eine eigneEinfalt sich auszeichneten. Von denen, welche durch dieses Alles, sowie durch Aus-bildung der Musik und durch Erstndung verschiedenerFormen dieser lyrischen Poesiesich ausgezeichnet habe», hat uns die Geschichte die Namen: ArchilochuS von Pa-ros, Erfinder des IamboS; Tyrtäus aus Milet , Säuger der Kriegslieder; Kolli-nos aus Ephesus, Erfinder des elegischen Sylbenmaßes; Alkman der Lydier ; ArionauS Methyniiia, welcher den Dithvrambos ausbildete; Verpönter ausAntissa, Er-finder des Barbiton; die zärtliche Sappho aus Mitylene, ihr L mdsmann Alk.ws,beider Zeitgenossin Erinna ; Münnermos aus Kolophon, der Flötenspieler; Sresi-