Band 
Vierter Band. F bis G.
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Gries

angefangen habe, diese Sprache durch Schrift zu bezeichnen, darüber hat kangeZwei-fel obgewaltet. Der gewöhnlichen Meinung zufolge brachte der Phönizier Kadmos die Buchstabenschrift zu den Griechen. Das Kadmische Alphabet bestand aber nuraus 1b Buchstaben; im trojanischen Krieg soll Palamcdes noch 4 und

ebenso viele nachher Vimonideü aus Keos erfunden haben. Daß die be-

zeichneten 8 Buchstaben neue sind, ist theils aus Nachrichten, theils aus den äl-testen Inschriften gewiß. Weil die Ionier diese Buchstabe» zuerst aufnahmen, undvon diesen die Altiker, so nannte man das Alphabet mit 24 Buchstaben das ionische.Die Figuren der ältesten phönizischen und griech. Buchstaben weichen übrigens sehrvon den jetzt gebräuchlichen hebräischen und griechischen ab. Es hat indeß nicht anSolchen gefehlt, welche behaupteten, daß vor KadmuS'S Zeiten unter den PelaSgernschon die Schreibekunst geübt worden sei. Diese, den Alten nicht unbekannte, jedochLurch keinen einzigen Schriftsteller von Gewicht bestätigte Meinung hat in neuernZeiten nicht unbedeutende Anhänger gesunden. Dagegen traten aber auch Andreauf, welche die Schreibekunst in Griechenland ungleich jünger machten. Der Erste,der die Aufmerksamkeit aus diese Seite lenkte, war der Engländer Wood in svii tlit! o> ig'nnil Genius »s Ilome-l". Es ist allerdings von großer Wichtigkeit fürdie Beurtheilung Homer S und zur Entscheidung über vorhomerische Poesie undSchriften, zu wissen, ob zu Homcr's Zeiten die Schreibekunst bekannt war, odernicht. Wood's Meinung ist, daß man wol die Zeit, da in Griechenland der Ge-brauch der Buchstabenschrift allgemein wurde, und den Anfang prosaischer Schrif-ten beinahe in eine Periode sehen könne, ungefähr 554 I. v. Chr. und ebenso langenach Homer . Zu Homer's Zeit wurden alle Kenntnisse, Religion und Gesetze bloßdurch das Gedächtniß erhalten, und ebcndeßhalb in Verse gebracht, bis mit derSchrift auch Prosa eingeführt wurde. Die Einwendung von mehren angeblich äl-tern Aufschriften in Tempeln hat Wolf entkräftet, welcher in s. Prolegoinenen zuHomer die Streitfrage genauer bestimmend in zwei verwandelte: 1) Wann wurdendie Griechen überhaupt mit derKunst zu schreiben bekannt? und 2)Wann wurde siebei ihnen allgemein? Bei Untersuchung der lehtern Frage mußte bestimmt werten,wann beguemere Materialien zum Schreiben verbreitet wurden, und in welchemJahrhundert die Griechen die sogen. Schriftstellerei aufnahmen? Wolfbeweist nichtbloß, daß Homer von Deni, was er sang, Nichts geschrieben habe, indem man erstnach ihm zum Schreiben sich der Thierhäute, und erst gegen des Psamnietichus Zeitdes ägyptischen Papyrus bedient habe, sondern auch, daß vorderMitie des6.Jahrh,v. Chr. diese Gesänge nirgends schriftlich vorhanden gewesen. Zu bemerken ist übri-gens, daß die Griechen anfänglich die Zeilen von der Rechten zur Linken, dannBustrophedon (s. d.), endlich allem von der Linken zur Rechten schrieben.

Gries (Johann Dietrich). Übersetzer des Tasso, Ariost und Calderon, geb.den 7. Febr. 1775 zu Hamburg , wo sein Vater Senator war, besuchte das Iohan-neum, ward gegen seine Neigung im 17. I. für den Kaufmannsstand bestimmt, underhielt später die Erlaubniß, sich den Studien widmen zu dürfen. Da G. in Schul-kenntnissen auf dem Iohanneum guten Grund gelegt hatte, so ward es ihm leicht,das Versäumte durch Privatunterricht nachzubolen. 1795 sg. studirte er in Jena die Rechte. Doch war es ihm mehr um Bildung als um Unterhalt zu thun. Vonfrüher Jugend an liebte er die Musik mir Leidenschaft; späterhin fesselten ihn dieReize der Dichtkunst, und in Jena Fichte'S philoso;! sehe Vortrage. Emche s. klei-nen Lieder wurden A.W. Schlegel (damals in Jena ) bekannt, dessen Beifall ihn zugrößer» Versuchen e> munterte. Einer derselben, „Phaekon", ward Veranlassungzu G.'S Bekanntschaft mit Schiller , der dieses Gedicht für den „Musenalmanach"von 1798 verlangte. Es war das erste, was von G. gedruckt ward. Von diesemAugenblicke bis an das Ende s. Lebens würdigte Schiller ihn s. Freundschaft. Balddarauf erschienen, im Januarheft des „Neuen deutschen Mercurs" von 1798, s. ersten