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Großbritannien , Geschichte seit 1688
der Länder entstand, die, zum größer» Vortheile Englands, bis in die neuern Zeitenfortgedauert hat. Unter Wilhelm erhielten die bis dahin immer gedrückten Pres-bytcrianer (Puritaner) völlige Gewissensfreiheit, die Preßfreiheit wurde festgesetzt,und (1694) zu London die Bank von England — dieses Meisterstück der Finanz-wissenschaft— mit einem Fonds von 1,200,000 Pf. St. errichtet. Damals wurdedurch ein von der Bank an die Regierung gemachtes Darlehn von 900,000 Pf.der Anfang der fundirten engl. Nationalschuld gemacht. In dem 1689 begonne-nen Kriege mit Frankreich , der durch den Frieden zu Ryswick (20. Sept. 1691)geendigt wurde, erlitt diefranz. Flotte bei la Hogue (1692) eine große Niederlage;seitdem erhob sich Englands Übermacht zur See. Die engl. Flotte bestand bei K.Wilhelms Tode (1102) aus 225 Schiffen. Da er keine Kinder hinterließ, so wurdedie Schwester f. vor ihm verst. Gemahlin, Anna (f. d.), Jakobs II. zweite T., Kö-nigin. Die Regierung dieser, obwohl am Geiste schwachen Königin gehört unter dieglänzendste» Perioden der engl. Geschichte. Der schon von Wilhelm durch dieVerbindung mit Östreich eingeleitete Krieg gegen Frankreich wegen der Thron-folge in Spanien (spanischer Snccessionskrieg) wurde am 15. Mai 1102 erklärtund theils zu Lande unter Marlborough, theils zur See mit vielem Glück geführt.Gibraltar wurde (1104) erobert, und die spanische Seemacht im Laufe dieses KricgSgrößtentheils vernichtet. Während desselben ward auch die, von verschiedenen dervorhergehenden Könige vergebens versuchte Vereinigung (Union) Englands undSchottlands in Ein Königreich, u. d. N. Großbritannien (1101) zu Standegebracht. Beide Nationen erhielten dadurch gleiche Rechte und Freiheiten, und ausbeiden ward, mit Aufhebung des bisherigen schottischen, ein gemeinschaftliches Par-lament errichtet. Bald nachher wurde die Thronfolge in England, da Anna (siewar mit einem Prinzen Georg von Dänemark vermählt gewesen) ihre 19 Kinderverloren hatte, mit Ausschließung der mit der Familie der Stuarte näher verwand-ten kathol. Häuser, Savoyen und Orleans , durch eine Parlsmcntsacte (1108) derverwitweten Kurfürstin von Hanovcr, Sophie, Enkeltochter Jakobs l., und ihrenNachkommen zugesichert. Der Friede zu Utrecht (1113), das Werk der KöniginAnna oder vielmehr der sie regierenden Partei, endigte den von England mit Glückgeführten Krieg wegen der Erbfolge inSpanie». IndiesemFrieden erhielt Englandvon Frankreich verschiedene Besitzungen in Nordamerika, von Spanien Gibraltarund Minorka, auch beträchtliche Handelsvortheile durch den Alsientotractat. Unterden verschiedenen Ursachen, welche England zu diesem, von Vielen getadelten, Frie-densschlüsse bewogen, war der außerordentliche Aufwand, den der Krieg, besondersauch durch die an andre Mächte bezahlten Hülfsgelder, verursachte, keine der uner-heblichsten. Englands Nationalschuld war durch denselben fast um 50 Mill. Pf.Sterl. vermehrt worden. Aber England nahm auch nun den entscheidendenTon an, den es seitdem in allen wichtigen Welthändeln geführt hat. Die tiefeRuhe, welche dieser Friede eine Zeit lang für ganz Europa hervorbrachte, hatte auchfür England wohlthätige Folgen. Der Gewerbsteiß wurde wieder geweckt, und alleKünste des Friedens befördert. Anna starb d. 12. Aug. 1114, und dem Parla-mewsschlusse gemäß bestieg Georg Ludwig, Kurfürst von Braunschweig-Lüneburg ,Sohn der vorerwähnten Enkelin Jakobs 1., u. d. N. Georg I. sogleich denengl. Thron. Diese Regierungsveränderung brachte auch einen Wechsel der Par-teien hervor; die Whigs traten auf die Seite des Hofs und behielten die Ober-hand ; gegen die Tories, die Anhänger der Familie Stuart, wurden strenge Maßre-geln ergriffen. Unter Georgs l. kluger und glücklicher Regierung gewann Englandan Macht und Ansehen; innere Unruhen wurden bald gedämpft, auswärtige Krie-ge, die der König scheute, verhinderte sein in Unterhandlungen großes und äußerstthätiges Talent, und sein friedlich gesinnter erster Minister, RobertWalpole, unter-stützte ihn dabei. Nicht ungegründet scheint indessen die Behauptung zu sein, daß