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Die Zahl der engl. Kriegsfahrzeuge rechnete man auf 374, mit 100,000 M. und14,000 Kanonen. Unruhen im Innern von England, durch Streitigkeiten überPreßfreiheit veranlaßt, häufige Veränderungen der Minister, Cook's Entdeckungs-reisen und die mit abwechselndem Glück in Ostindien geführten Kriege sind dieBegebenheiten des nächsten 10jährigen Zeitraums. Wichtiger war der Streit mitden Eolonien in Nordamerika (177a), welche dieMinister besteuern wollten. Durchihre unklugen und schwankenden Maßregeln brach 1775 ein Krieg aus, an welchemFrankreich (1778) und später auch Spanien Theil nahm. Durch die bewaffneteNeutralität (1780) der nordischen Mächte gereizt, griff England auch noch die ver-einigten Niederlande an. Allein es konnte die nordamerikanische» Colonien nichtbezwingen; England foderte daher den Frieden. Dieser wurde 1783 zu Versailles geschlossen. Der wichtigste Artikel desselben war, daß England die Unabhängigkeitder 13 Verein. Nordamerika ». Staaten anerkannte. Wenn auch England durchdiese Trennung s. Colonien keinen bedeutenden Verlust erlitten, weil es nun nichtmehr die großen Kosten zu ihrer Vertheidigung, wie vorher aufwenden darf, und s.Handel in gewisser Rücksicht dabei gewinnt: so hat es doch in diesem neuen Frei-staat einen Nebenbuhler zur See und im Welthandel zu fürchte». Übrigens haltejener Krieg die Nationalschuld bis auf240M>ll. Pf. St. erhöht.
Mit dem Aufblühen des selbständigen Nordamerika und mit den Erschütte-rungen der politischen Weltordnung, welche die französ. Revolution hervorbrachte,beginnt Großbritanniens neueste Geschichte. Am 1. Febr . 1793 kündigte der Na-tionalconvent des republikanischen Frankreichs England den Krieg an. Dieserwurde bald ein KampfaufTod und Leben- Englands Anstrengungen waren außer-ordentlich. Es wurden ansehnliche Truppenmassen auf das feste Land geschickt oderdaselbst in Sold genommen; die engl. Seemacht verbreitete sich über den ganzenOcean und wirkte in beiden Zndien, im Canal und im mittelländischen Meere;Nian zahlte (bis 1801, über 12 Will. Pf. St.) HülfSgelder an Sardinien, Preu-ßen, Hessen-Kassel, Ostreich, Portugal, Rußland und die franz. Ausgewanderten;man verstärkte diese Anstrengungen, als später die Holländer und Spanier aus dieSeite der Franzosen traten. Die Ergebnisse des Landkrieges waren für die Eoali-tion meist unglücklich; zwar gab die Eroberung von Toulon und Coisica (1793)den britischen Waffen einen neuen Glanz, aber weder das Eine noch das Andrekonnte behauptet werden. Dagegen wurden von den Engländern die meisten franz.und Holland. Besitzungen in beiden Zndien und in Afrika genommen. Howe's Lttegüber die brester Flotte (1. Zuni 1794), die Niederlage der spanischen Flotte bei demVorgebirge St. Vincent (14. Febr. 1797) und der holländischen bei Egmont (11.Oct. 1797) gaben den Briten die Seeherrschaft. Die feindlichen Küsten und Hä-fen wurden von ihnen blockirt, und der feindliche Seehandel allenthalben zerstört, diefranz. Seemacht äußerst geschwächt und die holländische Flotte sogar nach Englandabgeführt (30. Aug. 1799), nachdem zuvor durch den glänzenden Sieg bei Abukir(1. Aug. 1798) die Unternehmung auf Ägypten gelähmt und der Grund zu einerzweiten Coalition gelegt worden war. Zu gleicher Zeit überwältigten die Briten inOstindien ihren mächtigsten Widersacher Tippo Saib , eroberten (4. Mai 1799) s.Hauptst. Seringapatnam, erbeuteten unermeßliche Wchätze und vereinigten dengrößten Theil des Königreichs Mysore mit ihren Besitzungen. Unterdeß hatten ihreGewaltkb. tigkeiten gegen die Schifffahrt der Neutralen und ihre Eingriffe in dasSeerecht der Völker den nordischen Bund veranlaßt, durch welchen Rußland, Dä-nemark, Schweden und Preußen (1800—1801) die Rechte der Neutralen mit be-waffneter Hand vertheidigen wollten. Die engl. Regierung ergriff dagegen feind-liche Maßregeln, und Dänemark ward durch die Schlacht von Kopenhagen gezwun-gen (2. April), wieder eine friedliche Haltung anzunehmen. So löste sich der Bund,dessen Haupt, Paul I., am 23. März 1801 gestorben war, auf; man verglich sich,