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höhter Temperatur Sauerstoff absorbire, was die daraus gebildete Puzzolane geeignetermache, sich auf dem nassen Wege mit gemeinen Kalken zu verbinden.
Demnach bleibt erwiesen, dafs die Kieselerde im Cämente das Hauptagens ist.
Eine Reihe durch Berthier angestellter Annalysen scheint darzuthun, dafs sehr ge-mengte Kalksteine, ohne Thon, keine hydraulischen Kalke geben, dafs hingegen Kie-selerde mit Kalkerde allein, eine sehr hydraulische Verbindung eingehen kann; dafsTalkerde allein, nur mit Eisen- und Braunstein-Oxyd, zwar mageren, aber nicht unterWasser erhärtenden Kalk bilde, die Thonerde jedoch auch nur in Verbindung mit der Kie-selerde wirke, während Eisen- und Braunstein - Oxyd für sich, sich ganz passiv verhielten.
Girarä glaubt aus angestellten Analysen von Puzzolan-Thonen schliefsen zu dür-fen, dafs es zur Herstellung einer guten künstlichen Puzzolane nothwendig sey, dafsdie Kieselerde sich in derselben von anderen Oxyden abgesondert, jedoch in einem zumEingehen neuer Verbindungen geeigneten Zustande befinde; dafs sich im Mörtel dieKieselerde mit einem Theile des Kalkes, die Thonerde und das Eisenoxyd mit demanderen verbinde. Die Gegenwart des Eisenoxydes erleichtere übrigens die erforder-liche Zersetzung der natürlichen Hydrate durch die Calcination.
Ferner nimmt Berthier an, dafs vieles Wasser den Ueberschufs der Basis des Si-licates zersetzt und dasselbe in einen neutralen Zustand zurückführt, in welchem esaus 0,3582 Kalk und 0,6417 Kieselerde besteht, dafs aber wenig Wasser diese Zer-setzung nicht bewirke, sondern eine Verbindung yon Kalkhydrat und einem mehr Kalkals das neutrale enthaltenden Silicate, herstelle.
Er fand ferner, dafs ein 0,06 Thon enthaltender Kalkstein merklich hydraulischenKalk, 0,15 — 0,20 enthaltend, sehr hydraulischen, und 0,25 — 0,30 enthaltend, fastaugenblicklich erstarrenden Kalk giebt.
Erwiesen scheint endlich auch, dafs tingebrannte Thonerde den Mörtel verschlech-tert, Potasche und Soda aber gar keine Wirkung auf dessen Güte äufsern.
§. 61.
Ueber den Vorzug, welchen Vicat dem an der Luft zerfallnen, vorzüglich dem ge-meinen, Kalke giebt, wird sich wohl erst dann mit Bestimmtheit entscheiden lassen,wenn auch in anderen Ländern, unter völlig verschiednen Umständen, ganz unparthey-ische Versuche angestellt worden sind, da diefs gerade ein Gegenstand ist, welchersich keinesweges nur im Kleinen erörtern läfst. *)
Dafs es für Kalk, welcher zum zweyten Male gebrannt wird, wie diefs Vicat zurBereitung künstlicher hydraulischer Mörtel vorschreibt, ohne Nachtheil ist, wenn er vordem zweyten Brennen durch sein Zerfallen an der Luft wieder Kohlensäure an sich ge-zogen hat, ist wohl nicht zu verkennen. Uebrigens müfste aber wohl noch ein andrer,noch unbekannter Vorgang statt finden, welcher bey dieser Art zu löschen, den Nach-theil des Anziehens der Kohlensäure im Allgemeinen, verminderte.
Das zweyte Verfahren, den Kalk durch Eintauchung zu löschen, hat, mit Vor-sicht geübt, wenigstens nichts, was die Beschaffenheit des Kalkes sehr verschlechternkönnte.
Vicat’s Annahme, dafs der durch Eintauchung gelöschte Kalk, indem er erst imMörtel nach und nach so viel Wasser anzusaugen strebe, als er aufserdem durch dieerste Löschungsart erlangt haben würde, sich alsdann ausdehne, und die Theile desMörtels zusammendrucke und so dichter mache, dafs hingegen diese Ausdehnung dieTheile des Mörtels auch trennen könne, was bey hydraulischen Kalken der Fall sey,die daher besser nach der ersten Art gelöscht würden, kann bis jetzt nur als unerwiesneMeinung angesehen werden.
Sollte übrigens nur die bey dem ersten Verfahren angenommene Ueberfüllung desKalkes mit Wasser die Ursache von dessen geringerer Güte seyn, so würde einer sol-chen doch wohl noch vorzubeugen seyn. Eben so wenig ist der, von Vielen in derAufbewahrung des Kalkes in Gruben gesuchte Vortheil abzusehen, während die Mei-nung, dafs die bey dem dritten Lösch - Verfahren aus der Luft angezogne Kohlensäureden Kalk sogar verbessern soll, als eine sehr zweifelhafte Hypothese erscheint.
Jeden Falles dürfte die beym Löschen angewendete gröfsere oder geringere Was-
*) Anm. Da man bey einigen, in Frankreich, unter andern bey Erbauung der Brücke Carl des Zehnten,
/u Lyon, i m Jahre 182G, sehr im Grofsen angestellten Versuchen, doch sehr leicht zu sehr von vorge-fasten Meinungen ausgegangen seyn kann.