Buch 
Die Glasfabrikation : mit 201 in d. Text eingedruckten Holzstichen / von H. E. Benrath
Entstehung
Seite
47
JPEG-Download
 

47

Schmelzmaterialien, Glaubersalz.

Hütte ein. 1803 folgten die ebenfalls auf Ersetzung der Soda durch Glaubersalzgerichteten Versuche Baader' s, auf Glashütten des bayerischen Waldes, die zunächstselbst nachdem Baader sich bei Gehlen Rath und Unterstützung geholt, ohnebefriedigenden Erfolg verliefen, doch mit Beharrlichkeit weiter verfolgt, zu einemGlassatze führten, der ein gutes Product lieferte. 1811 erhielt Baader, nachUeberreichung einer seine Methode beschreibenden Abhandlung, eine österreichischeStaatsremuneration von 12 000 Fl.

Seit dieser Zeit beginnt das Glaubersalzvcrschmelzen hier und dort inDeutschland festen Fuß zu fassen, so 1815 auf der Fikentsch er'scheu Fabrik zuZwickau. 1824 wurde die Glaubersalzschmelze, nach Vorschriften ElementDesorme's, nach denen das Gemenge von Sand, Glaubersalz, Kreide undKohle zuerst gefrittet wurde, in Frankreich auf der Hütte zu Prsmonträ beiSt. Gobin eingeführt. Die schätzenswerthcn Arbeiten Scholz's und Kirn'sstförderten die Verwendung des Glaubersalzes weiter, doch blieb sie vorläufig aufordinäre Waare beschränkt und Pslouze's Verdienst ist es, durch seine Reini-gungsmethode das bis 1856 immer eisenhaltige Glaubersalz von dieser störendenBeimengung befreit, und für weißes Glas verwendbar gemacht zu haben. DasGlaubersalz krystallisirt bei gewöhnlicher Temperatur mit 10 AequivalentenWasser, enthält somit in diesen: Zustande nur 44,1 Proc. schwefelsauren Natrons.Die wasserklaren Krystalle zerfallen beim Liegen an der Luft, und geben hierbeiihren ganzen Wassergehalt ab. Läßt man die Krystallisation, statt bei gewöhnlicherZimmertemperatur, durch Verdunstung des Wassers aus siedender Lösung erfolgen,so scheidet sich das Natronsulphat wasserfrei in harten rhombischen Dekaedern ab,die, ohne Zersetzung, bei starker Rothgluth schmelzen und an der Luft sich beschlagen,indem sie Wasser aus derselben anziehen.

Im Handel kommt krystallisirtcs (44 Proc. hastiges), mehr oder wenigerverwittertes, an der Luft zerfallenes und wasserfreies Glaubersalz, sowie hin undwieder das saure schwefelsaure Natron, in rohen: Zustande, vor. Die gewöhn-lichen Verunreinigungen des Glaubersalzes sind Sand, Thon und Kalk, unzcr-setztes Kochsalz, unterschwefligsaures Salz und Schwefelnatrium sowie Eisenoxyd.Von letzterem kann das Glaubersalz sehr vollkommen befreit werden, indem manes, nach Pslouze's Verfahren, in etwa dem gleichen Gewicht Wasser löst, dieLösung mit gebranntem Kalk bis zu eintretender alkalischer Reaction versetzt, einigeZeit sieden, und dann durch Abstehen sich klären läßt, wobei sich das durch denKalkzusatz abgeschiedene Eisenoxyd mit dem Kalke vollständig zu Boden setzt.Die klare Lauge wird dann abgezogen und eingedampft, die sich hierbei abschei-denden Krystalle von wasserfreiem Glaubersalz werden ausgeschöpft und, durchAbtropfenlasscn, von mitgeschöpftem Wasser befreit. Zürn Auflösen können hier-bei eiserne Kessel, zum Eindampfen eine eiserne Pfanne benutzt werden, wenn nurauf Sauberkeit derselben gesehen wird. Die Erhitzung der Gefäße, in denen dieLösung mit dem Kalkzusatzc kocht, wie der Siedepscmncn, wird am geeignetstendurch Dampf bewirkt. Details über die in Stolbcrg in Betrieb befindliche Ein-richtung gab 1861 Iacckcl: Dmglcr's Iourn. 161 , 110.

st Erdmann's Iourn. 17, Heft 2.