Buch 
Die Glasfabrikation : mit 201 in d. Text eingedruckten Holzstichen / von H. E. Benrath
Entstehung
Seite
93
JPEG-Download
 

93

Häfen für continuirlichen Betrieb.

Folge der Deckung, niedere Temperatur besitzt, die zur Formung erforderlicheZähigkeit, und wird durch den mit der Arbeitsöffnung des Ofens, wie beim ge-wöhnlich gedeckten Hafen, communicirenden Ansatz andauernd ausgearbeitet, wäh-rend in den offenen Theil, soviel erforderlich, neues Gemenge aufgegeben wird.Schmelzung und Ausarbeitung können, bei gut rcgulirtem Ofen, in derartigenHäfen allerdings ununterbrochen fortgeführt werden, aber eine Weiterung der er-schmolzenen Glasmasse, die im offenen Hafentheile wegen des stets erneuten Ge-mengezusatzes, nicht stattfinden kann, tritt in der niederen Teurperatur des gedecktenauch nicht ein, und fällt daher das Product, nach heutigen Begriffen selbst fürgrüne Flaschen zu unlauter, blasig und knotig aus. Dieser Uebelstand ist dannauch von Anderen wohl erkannt und richtig gewürdigt worden, daher ein ähn-licher Hafen, in dem indeß beide Theile gedeckt, von JmbertH auch nur als con-tinuirlich arbeitender Vorschmclzhafen recommandirt worden ist, dessen Pro-dnct in gewöhnlichen Häfen mngeschmolzen und geläutert werden soll.

Glücklich gelöst ist das Problem continuirlichcr Schmelze und Arbeit aufGlasfabriken erst in neuester Zeit durch Fr. Siemens in Dresden, der sich, wiebekannt, auch anderweitig die größten Verdienste um die Förderung der modernenGlasindustrie erworben. Siemens theilt seinen Hafench nicht in zwei, sondern,entsprechend den drei Stadien, die das Gemenge bis es zu gutem Glase geworden,im Schmelzofen durchzumachen hat, in drei gesonderte Räume, indem er, ander der Arbeitsöffnung des Ofens zunächst zu stehen kommenden Seite des Hafens,durch eine doppelt gekrümmte nach unten und vorn geneigte Wand ein Stück desJnnenraumes absondert, das auf der Höhe des Randes etwa den vierten Theildes lichten Hafenqucrschnitts einnimmt, und sich, nach dem Boden zu, auf einennur circa 50 gom fastenden Querschnitt reducirt. Der übrige, im Horizontal-schnitte sichelförmige, Raum des Hafens wird durch eine von der Mitte der ebenerwähnten gekrümmten Scheide- nach der gegenüberliegenden Hafenwand und, bisauf den Hafenboden hinabreichende ebene Scheidewand, in zwei einander gleicheund symmetrische Theile -4 und 7? zerlegt, von denen der eine -4 von Wandungenumgeben ist, die 3 bis 4 am höher als die des Theiles ckt sind. Zwischen dendrei einzelnen Hafenthcilm Ai, L und <7 ist eine Communication durch nur circa4 bis 5 om weite Oeffnungen in gleich zu beschreibender Weise hergestellt.

Beim Gebrauche wird in den Hafentheil ^4 das Gemenge eingetragen, esschmilzt, das hierbei gebildete rohe Glas sinkt zunächst zu Boden, und steigt dann,durch eine, an der Verbindungsstelle zwischen den beiden Schenkeln der hier gabel-förmig getheilten Zwischenwand zwischen ^4 und ck? mit der Außenwand des Hafens,ausgesparte Steigeröhre, die vom Boden von ^ aufsteigend, oben nach L aus-mündet, in den Hafentheil L über. In diesem zweiten Raume des Hafens er-reicht das Glas, durch weiteren Gemengezutrag nicht mehr gekühlt, seine höchsteTemperatur, läutert bei dieser, da der Zutritt neuer Masse nur ein sehr lang-samer, allmälig und gut, sinkt wieder zu Boden, wo, da hier die Temperatur

st Dinglcr's Journal (1859) 153, 23.

2) Patent von 187V. Bon Steinmann beschriebe» und abgebildet: Polyt.CentraM. 1870, S. 1113.