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Optisches Glas: vorläufige Prüfung.
Das Schmelzen des Crownglases erfolgt in einer dem Flintglasschmelzen um
ganz analogen Weise, nur erfordert gutes, und daher schwerer schmelzbares, Crown- lari
glas längere Zeit, um im gedeckten Hafen in gehörigen Fluß zu kommen, und gen
können, soll der Ofen für das harte Glas nicht übermäßig abgekühlt, und letzteres gell
hierdurch steif werden, während der Schmelze, unmittelbar nach einander, nicht wohl nick
mehr als zwei Haken geruht werden. Eine fünfmalige Wiederholung solch kurzen die,
Durchrührcns genügt, nach Bontemps, vollkommen, und wird ebenso auch das erre
letzte Rühren, während des allmäligen Abgehens der Ofentemperatur, im Vergleichmit dieser Operation beim Flintglasschmelzen, bedeutend abgekürzt und auf 1'25 Glc
bis 1'5 Stunden reducirt. tigr
Wird für Flint- und Crownglasschmelze dasjenige Verfahren in Anwendung unp
gebracht/ bei dem der Hafen außerhalb des Schmelzofens zur Abkühlung gelangt, Blc
so ließe sich für beide mit Vortheil eine continuirliche Gasheizung benutzen, und in i
gestattete diese, in Folge der reinen und bei richtiger Rcgulirung, wie solches die Ert
Erfahrung gelehrt, selbst Bleigläser nicht angreifenden Flamme, ein Schmelzen aus
in offenen Häfen, das für beide Glassorten, namentlich aber für das harte Crown- Gr
glas, entschieden vortheilhafter wäre. Soweit bekannt, hat sich indeß in den op- eine
tisches Glas liefernden Anstalten die Gasheizung bisher kein Terrain errungen. lun
Das vollkommen abgekühlte optische Glas wird zunächst einer genauen Prüfung dan
unterworfen, da selbst nach sorgfältigster Arbeit sich im Inhalte des Hafens stets die,
Stellen finden werden, die sogar mit unbewaffnetem Auge erkennbare Fehler, wie gest
Blasen, Rampen, Wellen oder Trübungen erkennen lassen. War die erschmolzene tarn
Glasmasse, wie das häufig der Fall, in zahlreiche Stücke zersprungen gewonnen
worden, so kann eine erste Musterung an diesen Stücken dircct vorgenommen, und der
Brack ausgeschossen werden; hat-man aber den ganzen Hafcninhalt, oder wenigstens >
einen bedeutenden Theil desselben, in einem zusammenhängenden Blocke erhalten,
und giebt ein erstes Beschauen desselben, durch seine blanke Oberfläche hindurch,
Aussicht, größere fehlerfreie Linsen aus ihm herstellen zu können, so kommt eszunächst darauf an, sich über die Lage der fehlerhaften Partien sehr genauzu instruiren, um auf solche Orientirung gestützt, eine möglichst vortheilhafte Zer-theilung der Masse vornehmen zu können. Nachdem Hafenwand und Boden durchAbpicken von dem schwach kegelförmigen Glasblocke entfernt, werden an den Umfangdes letzteren mehrere Paare einander diametral entgegengesetzter ebener Flächenangeschliffen, diese polirt, und nun, durch solche hindurch, die Glasmasse mit größterSorgfalt inspicirt und die entdeckten fehlerhaften Stellen angezeichnet; das Ge-sammtresültat solcher Untersuchung giebt dann die Richtungen an die Hand, indenen der Block geschnitten werden muß, und geschieht hierauf seine Zcrtheilungdurch ein Sägen des Glases mit bandförmigen Kupferstreifen, unter Zuhilfenahmevon Schmirgel und Wasser, mit größter Vorsicht, trotz der indeß häufig ein plötz-liches Springen des, wie wir gesehen, anfänglich rasch gekühlten, und daher spröden das
Glases, den erhofften Lohn aller bisher verwandten Mühe und Arbeit vernichtet, zerr
oder doch wenigstens unverhältnißmüßig reducirt. in
Doch, gesetzt, es sei auch diese Arbeit glücklich gelungen, und selbst mit der legt
Loupe kein Fehler in dem durch das Zersägen gewonnenen Stücke zu erkennen, so die
ist damit das Glas noch nicht in dem Zustande, in dem eS zur Anfertigung achro- hier