Optisches Glas: Formgebung. 207
malischer Linsen benutzt werden könnte. Eine Prüfung des rohen Glases im po-larisirten Lichte lehrt, wie das zuerst der berühmte Londoner Optiker Roß nach-gewiesen, daß, in Folge der rasch ins Werk gesetzten, und daher in den verschiedengelegenen Partieen des Hafeninhalts nicht gleichmäßig erfolgten ersten Kühlung,nicht zu vernachlässigende Spannungsuntcrschiede innerhalb der Glasmasse herrschen,die, können sie auch bei dicken Gläsern nie gänzlich beseitigt werden, doch auf daserreichbare Minimum zu reduciren sind.
Um möglichste Homogenität innerhalb der Masse der einzelnen gewonnenenGlasstücke, auch in dieser Hinsicht, zu erreichen, und gleichzeitig die, durch Besei-tigung der fehlerhaften Stellen meist für die weitere Verarbeitung durch Schliffunpassenden, oft ganz unregelmäßig gestalteten Glasfragmente und geschnittenenBlöcke und Scheiben in passende Form zu bringen, werden die ausgesuchten Stückein eigens hierzu dienenden Flammöfen mit ebener Sohle, nochmals bis zu völligemErweichen, ja beginnendem Fließen erhitzt. Bei Stücken, die nur kleinere Plattenausgeben können, geschieht dieses Erhitzen mehrfach in flachen Thonformen, die derGröße der herzustellenden quadratischen oder kreisrunden Platten entsprechend, ineinem Muffelofen aufgestellt werden. In jede dieser Formen wird ein zur Fül-lung derselben genügendes Stück Glas gebracht, die Temperatur der Muffel als-dann allmälig soweit gesteigert, daß das Glas eben in dicken Fluß geräth unddie, um ein Anhaften der Glasmasse am Thon zu verhindern, mit Kalkstaub ein-gestäubte Form erfüllt; dann die Muffel dicht verschmiert, und mit dem Ofen einerlangsamen Abkühlung überlassen. Meist zeigt das in dieser Weise hergestellte
Fig. 69.
Glas auf seiner Oberfläche ein rauhes, beginnende Entglasungdocumcntircndes, Aeußere; zu günstigeren Resultaten führt,namentlich wo es sich bereits um mittlere Dimensionen handelt,das folgende Verfahren.
In einem Flammofen mit drei nebeneinanderliegenden,unter einander durch Passagen verbundenen, Abtheilungen,werden, direct auf der Sohle der ersten, die als Vorwärme-ofen dient, die zu erhitzenden Glasfragmcnte ausgelegt, und istsolches geschehen, die Temperatur dieser Ofenabthcilung lang-sam gesteigert und derartig regulirt, daß das Glas nur biszu eben eintretendem Erweichen erwärmt wird. Die weichgewordenen Stücke zieht der Arbeiter in die zweite Ofenabthci-lung, den Arbeitsraum, dessen Temperatur kaum höher als dieder ersten, und beginnt ihre Bearbeitung, indem er das Glaszwischen den Backen einer flachen Zange allmälig breit drücktund abplattet. Ist dieses soweit geschehen, daß das Glasstücknahezu die gewünschte Flüchenausdchnung gewonnen, so geschiehtdas weitere Flachdrucken und Ebenen mittelst einer kleinen, feucht gehaltenen, höl-zernen Krücke mit langem eisernen Stiel, wie eine solche Fig. 69 a und b,in einer oberen und einer seitlichen Ansicht zeigen. Den Stiel der Krückelegt der Arbeiter, bei Benutzung derselben, mit seinem freien Ende aufdie rechte Schulter, faßt seine Mitte mit der Hand, drückt diese herab, undhiermit die Krücke auf das Glas. Um dem Glase das gewünschte Format