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Die Glasfabrikation : mit 201 in d. Text eingedruckten Holzstichen / von H. E. Benrath
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Bouteillenfabrikation. 233

derselben springend, feine Glassplitter m den Inhalt gelangen lassen. Ein Schmelz-fehler ist es ferner, wenn die Galle nicht aus dem Glase ausgeschirrt, oder rechtzeitigentfernt worden. Wiederholt ist die Erfahrung gemacht worden, und hat dieselbe inFrankreich sogar zu gerichtlicherVerfolgungBeranlassung gegeben, daß galliges Flaschen-glas, namentlich, wenn es außerdem arm an Kieselsäure, den auf solches abgefüllten Weinungenießbar zu machen, und ihm Schwxfelwasserstoffgeruch mitzutheilen im Stande ist.

Fehler der Ausarbeitung ist eine ungleiche Wandstärke, namentlich plötzlicheUcbergänge in dieser Beziehung, die, was die Verstärkung des Bodens betrifft, beimanchen Flafchensorten, so in der Form geblasenen, zwar üblich, bei allen die beiihrer Verwendung einem irgend bedeutenderen, von innen wirkenden DruckeWiderstand zu leisten haben, indeß aufs Sorgfältigste vermieden werden sollte,da die verschieden dicken Glasschichten, sich ungleichmäßig abkühlend, Spannungs-verhültnisse innerhalb der Glasmasse hervorrufen, die ein Brechen der Flasche ansolchen Stellen besonders begünstigen. Solches tritt an Champagnerflaschcu deutlichhervor, bei deren, durch den starken Druck der Kohlensäure veranlaßtem Platzen,gewöhnlich der Boden von der Flasche abgesprengt zu werden pflegt.

Wesentlich beschränkt kann die Neigung der Flaschen zum Springen durcheine sorgfältige Kühlung werden, doch erfordert auch diese, bei dem sich durchgängigleicht eutglasenden Bouteillenglase, besondere Aufmerksamkeit, und so sehen wirdann, daß, sind auch die Formen der in Grünglas zu liefernden Gegenstände fastimmer einfache, das Aeußere der Flasche, schon durch die dunkele trübe Farbe keinbestechendes, die Herstellung guter derartiger Waare dennoch volle Aufmerksamkeitdes Fabrikanten in Anspruch nimmt, selbst wenn an der durch die Rohmaterialienbedingten Färbung nicht, wie das heutzutage von Seiten der Consumentcn nament-lich in Deutschland nur allzusehr zu geschehen Pflegt, hcrumgemäkelt wird, undTöne nach irgend woher stammenden Mustern verlangt werden.

Das Gemenge. Wie bereits erwähnt, nöthigt der niedere Preis der zuproducircndcn Waare den Grünglasfabrikanten, mehr als jeden anderen Glasmacher,bei Anfertigung seines Gemenges größtmöglichste Oeconomie walten zu lassen. Soweit zurück wir darüber orientirt, sehen wir daher die Bouteillenhütten bestrebt,neben eisenhaltigem Sande billigste Materialien, so Erdarten (Lehm und Mergel),Holz- und Torfaschen zu ihrem Glase zu verschmelzen. Soweit nun solches Strebennach billigem Gemenge von richtiger Erkenntniß dessen was geschieht, geleitet wird,ist es völlig gerechtfertigt; mit Ausnahme weniger großer Etablissements befindetsich aber nur allzuhäufig die Grünglasfabrikation in dieser Beziehung noch auf rechtniedriger Entwickelungsstufe, und in Händen von Fabrikanten, denen theoretischeKenntnisse fehlen, die daher nach ererbten Recepten fortarbcitend, und gelegentlich, gehtdie Sache nicht, wie sie soll, ms Blaue hinein herumexperimentircnd, fortschmelzen,ohne es für erforderlich zu halten, sich über die Zusammensetzung ihres ProductesRechenschaft zu geben. Es ist daher nicht zu verwundern, wenn manche eigenthüm-liche Gemenge zur Verwendung kommen. Ein solches Gemenge, das Stein wohlals Curiosium, anführt H, mag als Beispiel dafür, wie weit der Unverstand ge-legentlich geht, auch hier Platz finden. Es besteht dasselbe aus:

U Stein: Glasfabrikation S. 49.