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Weißhohlglas: Schliff.
den Rauhschliff besteht die Scheibe aus Gußeisen, und träufelt auf dieselbe an-dauernd aus einem über ihr angebrachten Gefäß, mit scharfkantigem Sande ver-setztes Wasser. Soll nun z. B. der Bodennabel eines Glases abgeschliffen werden,so hält der Arbeiter, oder die Arbeiterin, denn vielfach werden hier Frauen ver-wandt, das Gefäß mit der abzuschleifenden Partie gegen den Umfang der roti-renden Schleifscheibe, die das überschüssige Glas schichtweise entfernt. Sollen anden dem Schleifer übcrgebenen Objecten größere ebene Flächen angeschliffen werden,wie solche z. B. an sogenanntem böhmischen Krystall jüngerer Herstellung vielfachüblich, so geschieht das Schleifen, statt auf dem Umfange, meist auf der flachenSeite der Schleifplatte, und werden, wo derartiger Schliff häufig vorkommt,so von den, den Krystallschliff (Schnitt) vielfach als Hausindustrie betreibendenböhmischen Schleifern, auch wohl horizontale Schleifräder (msulss n llsltsr)benutzt.
Beim Einschleifen des Stöpsels in Karaffen dient ersterer selbst als Schleif-rad. Er wird zu solchem Zwecke in eine Zwinge, welche an der rotirendcn Achsebefestigt, eingeklemmt, und, während das Gemisch von Schleifsand und Wasser aufihn herabtropft, die Mündung des Karaffenhalses vorsichtig auf ihn aufgeschoben,wobei sich die einander berührenden Glasflächen des Stöpsels und Flaschenhalses,vermittelst des zwischen ihnen befindlichen Sandes, gegenseitig abschleifen.
Der Sandschliff giebt nur rauhe, unansehnliche Flächen; um diesen Gleich-mäßigkeit und Weichheit des Tones zu geben, sie „klar zu schleifen", werden siein derselben Weise wie bisher, auf einer Scheibe von feinkörnigem Sandsteine, diedurch Auftropfen reinen Wassers naß erhalten wird, nachgeschliffen, oder doucirt,und ihnen endlich, sollen die Schleifflächen blank und durchsichtig werden, aufScheiben von weichem Holze, Blei oder Kork, unter Zuhilfenahme von Colcothar(Eisenoxyd, Englischroth), Politur ertheilt. Auf den Ornamcntfchliff, der übrigensin ganz analoger Weise ausgeführt wird, kommen wir beim Bleikrystall zurück.
Barytgläser. Ihrem Verhalten bei der Schmelze nach, stehen, indem auchsie keinen Bestandtheil enthalten, der durch die Einwirkung der Ofengase redncirtwerden könnte, den bisher besprochenen Hohlgläsern die Barytgläscr sehr nahe,obgleich sie sich in ihren übrigen Eigenschaften, so in dem ihnen eigenen hohenspecif. Gewicht und dem starken Lichtbrechungsvermögen, dem Bleikrystall näher alsden Kalkgläsern anschließen. Die Dürftigkeit der über Verwendbarkeit und prak-tische Verwendung der Barytverbindungen in der Glasindustrie vorhandenen An-gaben, sowie die auffallende Behauptung, der man in den meisten Handbüchernbegegnet, daß durch Baryt das Alkali im Glase ersetzt werden könne, veranlaßtemich vor einigen Jahren, eine Reihe von Versuchen mit verschiedenen Barytgemengenaufzunehmen H, und die hierbei gewonnenen Resultate ließen unter Anderem un-bczweifelbar erkennen, daß solche Angabe unbegründet, da, wie sonst, so auch inder Constitution der mit ihm hergestellten Gläser, der Baryt nicht die Rolle einesAlkalis spiele, sondern sich dem Kalk ganz analog verhalte, was die leichtere
i) Beiträge zur Chemie des Glases. Dorpat 1871. Im Auszuge: Dingler's Jour-nal 202 (1371), 422.