290
Gelb als Lasur.
für die Praxis untergeordnetem Interesse führen, da wir in dem „Lasiren" farb-losen Glases mit Silber-präparaten ein Verfahren besitzen, das gestattet, jedemArbeitsstücke leicht und sicher, wenn auch nur oberflächliche, so doch intensive, klareund schöne Gelb- bis Orangefärbung zu ertheilen.
Das Lasiren des Glases mit durch Chlorsilber hervorgerufenem Gelb scheinterst im XIV. Jahrh, aufgekommen zu sein, wenigstens finden sich keine, auf dieseWeise gefärbten Gläser, für die zuverlässige ältere Provenienzangaben vorlägen.Wird Glas mit einem dünnen Brei aus Chlorsilber, einem beliebigen neutralenVersatz und Wasser bedeckt, und dann, nachdem der Deckgrund angetrocknet, derRothgluth ausgesetzt, so nimmt es oberflächlich eine reine gelbe bis orange Färbungan, die, wie das schon längst bekannt, indeß nicht in einer aufgeschmolzenen Farb-schicht besteht. Ebell hat nun auch diese Einwirkung der Silberpräparate aufdas Glas in die Reihe seiner eben citirten Untersuchungen hineingezogen, und auchhier interessante Thatsachen entdeckt. Schon bei einer Temperatur, bei der dasGlas nicht einmal so weit erweicht, daß seine scharfen Schnittkanten sich abzurundenbeginnen, sängt eine, mit dem erwähnten Chlorsilber-Thon-Brei bestrichenc Glas-platte an, sich gelb zu färben, vollständige, intensive Färbung erfolgt dann beieiner nur wenig höher liegenden Temperatur, die indeß noch nicht genügt, umdie Tafel zu erweichen, und hierdurch ein Verbiegen, oder ein Anbacken des auf-getragenen Thons an das Glas zu veranlassen. Wurde ein bereits lasirtes Glaszum zweiten Male mit dem Chlorsilber-Thon-Brci überzogen, und wie vorhererhitzt, so sah Ebell die Färbung an Intensität zunehmen, bei einer dritten Lasurendlich, einen bläulichen, opalartigen Schein, wie von einer Trübung herrührend,hervortreten.
Bei weiteren Versuchen, bei denen an Stelle des Chlorsilbers, mit Barytwasseraus Höllensteinlösung gefälltes Silbcroxyd mit dem Thonvcrsatz auf eine Glas-platte aufgetragen wurde, fand er dann, daß letzteres Präparat noch energischerals Chlorsilbcr färbe, da das in dieser Weise behandelte Glas schon bei einerTemperatur, bei der seine Kanten noch schneidend blieben, sich zusammenhängendund intensiv färbte, während ein Glas unter Chlorsilber, das mit in die Muffelgebracht worden, nur gelbe Punkte und kleine gefärbte Flecken erkennen ließ.Ebenfalls gelb färbend, wenn auch schwächer als Silbcroxyd und Chlorsilber,wirkte ein Ucberzug von metallischem Silber, der in Form einer auf nassem Wege,nach Liebig's Vorschrift, hergestellten Versilberung auf dem Glase hervorgerufenwar, auf dasselbe ein, und verstärkte sich hier die-färbende Kraft, als, besserer Berthei-lung wegen, an Stelle der beim Erhitzen reißenden und sich theilweise ablösendenzusammenhängenden Silbcrhaut, ein Gemenge von mit Traubenzucker gefälltem,fein zertheiltem, metallischem Silber mit Thon angewandt wurde. IndemEbell endlich, als er während des Glühens des mit Silber überzogenen Glasesauch noch die Luft abgeschlossen hatte, zu demselben Resultate wie früher gelangte,gewann er die Ueberzeugung, daß bei all diesen Versuchen nur das Silber, undzwar als Metall habe wirken können.
Bontcmps hat, gestützt auf zu Choisy-le-Roi von ihm längere Zeit hindurchangestellte Versuche, die Behauptung aufgestellt, die Silberlasur trete nur aufharten Gläsern, die aus kochsalzhaltigem Gemenge erschmolzen, in voller Inten-