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Die Glasfabrikation : mit 201 in d. Text eingedruckten Holzstichen / von H. E. Benrath
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324 Kupferrubin.

Im 16. Jahrhundert lebt die Kenntniß des Kupferroth und seiner Herstel-lung, in Böhmen wenigstens i), noch fort, und zu Anfang des 17. giebt dannNeri die nachstehende Vorschrift zu seiner Gewinnung?): „Man nimmt 20Pfd. von der llWitts, , 1 Pfd. von den Stücken deß weißen und Hellern

Glases, und 2 Pfd. gecalcinirtes Zinn, solches mischet man alles zusammen, läßtes in den Topfs schmeltzen und reinigen (läutern): Nachdem alles geschmoltzcn, sonimmt man deß calcinirtcn und substil - geriebenen Stahls, auch deß klein-gepul-verten Eiscn-Hammerschlags, jedes gleichviel — alsdann nimmt man diesesPulvers ungefehr vier Loth und setzet solches dem gereinigten Glaß zu, und rüh-rcts wol durcheinander; allein man muß acht darauf haben, denn dieses Pulverblehet das Glaß erschrecklich auf; alsdann läßet mans incorporircn, welchesinnerhalb fünf oder sechs Stunden zu geschehen pfleget. Man muß auch in achtnehmen, daß des Pulvers nicht zu viel genommen wird, denn sonst würde dasGlaß schwartz werden; da es doch nicht dick, sondern durchsichtig oder dunkclgelban der Farbe sein solle. Wenn nun diese Farbe erscheinet, so ist es recht, undnimmt man alsdenn ungefehr anderthalb Loth des rothen Kupfsers, welches —gccalciniret und wohl zerrieben sey worden; solches setzet man zu dem obigenGlaß, und vermischet es zum öfftcrn; wenn nun solches zum dritten oder viertenmahl geschehen ist, so wird eine Blutrothe Färb erscheinen: Man muß des-wegen zum öfftcrn eine Prob davon nehmen, und wenn die Färb recht sein wird,kann sie alsbäldcn verarbeitet werden: denn wo solches nicht gleich geschiehet, sovergehet die rothe Färb und wird anstatt derselben schwartz." — „Endlich istauch zu mercken, daß man den Topfs, so viel als möglich ist, nicht erhitze oder zuheiß werden, auch nicht über 10 Stunden in dem Ofen bleiben lasse: Im Fallesich zwischen dieser Zeit die Farbe verlichren solle, welches zuweilen geschiehet,kan man sie, mit Zusctzung eines neuen Pulvers aus dem Eisen-Hammcrschlagwieder zu Wege bringen; Und weiln dieses eine beschwerliche und verdrießlicheArbeit ist, als muß man desto größeren Fleiß hierzu anwenden."

Das vorstehende Capitel Neri's wurde, bis auf drei kleine Auslassungenin sxtsnso aufgenommen, da es durch das gebotene Detail von großem Interesseund keinen Zweifel darüber aufkommen läßt, daß Neri, wie er solches behauptet,„dergleichen öfters gemacht habe." Kunckel bemerkt hierzu^), das Neri'schcGlas sei so intensiv gefärbt, daß es nur in sehr dünner Schicht roth erscheine,„es ist aber in unsern Teutschen Glaß-Oefen fast unmöglich zu thun, weil hierzudas Feuer auf eine gantz sonderliche Art muß regieret werden." Seine Abän-derung des Neri'schen Verfahrens verschweigt er indeß, wie sein Rnbinglas-recept, weil sie ihn „gar viel Zeit, Müh und Arbeit gekostet, und eine sehr rareSache ist."

In der allerdings noch recht beschränkten Fachlitcratur erhielt sich, als Tra-dition, die Möglichkeit einer Rothfärbung des Glases durch Kupfer, und wurdebis zum Ende des 18. Jahrhunderts gelegentlich erwähnt, so z. B. von der

st „Wie sie auch rot und gelb Glas mit braunstem und kupferschlag-färben."Mathesius: „Sarepta", 15. Predigt. — ^ Neri 3, 58, in Kunckel's vitruria,p. 83. — 3) viti-aria, x. 89.