Decorative Glasmalerei. 335
dann die Malerei auf Tafel- wie Hohlglas häufig verwandt, und wuchert auf letzte-rem namentlich in Deutschland und Böhmen mit in harter und greller Zusammen-stellung der meist opaken Farben ausgeführtem, heraldischem Ornament, mit welchemman Wiederkommen, Humpen und Pocalc, des Tafelgeschirres wie des Schau-geräths der Crcdenzcn bedeckte i). Im 17. Jahrhundert schwindet dieser Geschmackwieder, taucht aber, zunächst in Böhmen, mit den unvermeidlichen kupfcrrothenHirschen und Tannenbäumen neben, wie aufgeklebt aussehenden, matt geschliffe-nen perspcctivischen Landschastsbildern (Brnnnengläser rc.), in unserem Jahrhun-dert wieder auf, und ist zur Zeit in manchen Gegenden, so Oesterreich, wieder rechtverbreitet.
Da die aufzubrennenden Farben, soll die Form des Glases nicht gefährdetwerden, sehr leicht schmelzbar sein müssen, werden die zur Aufnahme der Metall-oxyde bestimmten farblosen Gemenge, die Flüsse (lonännts), in ihrer Zusammen-setzung durchgängig sehr basisch gehalten; so empfiehlt Boutemps, für diesen
Zweck, die Sätze:
I. II.
Sand.100 Thlc. Krystallglasbrocken . .100 Thle.
Mennige. 250 „ Mennige.667 „
Borax (krystallisirt) . . 41'7 „
Das aus, diesen Verhältnissen entsprechend, angefertigten Gemengen ge-wonnene Glas wird ausgeschöpft und nach Zusatz der erforderlichen Farbstoff-menge (Metalloxydc, doch auch Smalte, Umbra und dergleichen) umgeschmolzen,abgeschreckt, gemahlen und, mit Terpentinöl angerieben, wie gewöhnliche Maler-farben auf den zn ornamentirenden Gegenstand aufgetragen und im Muffelofeneingebrannt.
Resistenter, weil weniger basisch, ist ein von Salvstat^) rccommandirter,leichtschmelzbarer Fluß, ein alkalifrcies Borosilicat, das er aus dem Gemenge:
Sand . . . .100 Thlc.
Borsäure ... 300 „
Mennige . . . 600 „
erschmilzt, und das für Herstellung aller Farben, mit Ausnahme des Goldroths,verwendbar ist. Für Goldpnrpur soll dieses Gemenge nach Salvötat zu biei-reich (?) sein, und empfiehlt er daher für diesen, das Flußgemengc:
Sand . . . .100 Thle.
Mennige ... 75 „
Borax .... 150 „
„Nachmals hat snrwitz, jmmcr ein ncwes ober das ander erdacht, etliche habenan die weiße gleser färben, allerley bildwerk und spräche ün Killofen brennen lassen, wieman auch großer Herrn contrafactur vnd Wappen, auf schcyben geinalet die man in dieFenster versetzet." Mathesius: Sarcpta 15. — snr ln pvinturo sur vsrrs.
^.nrr. ein Öuirssrv. 2 (1862), 553.