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Die Glasfabrikation : mit 201 in d. Text eingedruckten Holzstichen / von H. E. Benrath
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342 Flußsäureätznng.

gestellten Anforderungen nach, eine verschiedene. Für Ornamentirung breiterFlächen wird der Luftstrom, vom Ventilator aus, durch ein Q förniig gebogenes,weites Rohr, von rechteckigem Querschnitte, dessen Grundform sich allmälig zueinem schmalen Streifen verjüngt, zunächst in die Höhe, dann wieder hinabgeführt.In den aufsteigenden Schenkel dieses Rohrs wirft ein mit Schaufeln versehenerRiemen ohne Ende den Sand andauernd ein, während, auf einem anderen solchenRiemen, das zu mattirende Glas allmälig, in einigen Centimetcrn Entfernung,unter der freien Oeffnung des absteigenden Sandrohrschenkels vorbeigefnhrt, undhier der Einwirkung des dieser mit Gewalt entströmenden, hier also von obenwirkenden, Luft-Sandstrahls ausgesetzt wird. Eine recht klare und ausführlicheBeschreibung der Tilghman'schen Sandstrahlmaschine gab vor Kurzem Sternein der „Gartenlaube" 1873, Nr. 43.

Etwa ein Jahr nach Tilghman, ließ sich G. F.Morsc inNew-Ä)ork einVerfahren patentiern, das zu ähnlichem Ergebnisse führte H, ohne eines treibendenMotors zu bedürfen. Er läßt aus einem Kasten durch ein gegen 3 m langesenges Rohr eine Mischung von Korund und Schmirgel, in Pulverform, ohne alleMaschinerie auf das zu mattirende Glas herabfallen, und erreicht auch hierbei inwenigen Minuten ein ausgezeichnetes Matt. In dem Maße als das Pulverherabrinnt, wird es aufgesammelt, und wieder in den Ansftußkasten gefüllt, undkann die ganze Arbeit durch Mädchen, ohne alle Anstrengung, besorgt werden.

Seit etwa 20 Jahren macht dem Schliff dieAetzung desGlafes mittelstFlußsäure (Fluorwasserstoff) nicht unbedeutende Concurrenz. Daß Glas mit-telst Flußspath und Schwefelsäure geätzt werden könne, durch einen Wachs- oderHarzüberzug aber gegen die Einwirkung der Säure geschützt werde, war zwareine bereits dem 17. Jahrhunderte bekannte Erfahrung, und besitzen wir noch, indieser Weise von dem Nürnberger Künstler Schwanhard im Jahre 1670 her-gestellte Scheiben mit Inschrift, auf dem die Schrift erhaben stehen gelassen, derGrund weggeätzt ist 2 ). MchrchH wurde seitdem die Flußsäureätznng, namentlichvon Glasmalern, benutzt, wo es darauf ankam, auf Uberfangenem und bemaltemGlase, die die farblose Grundmassc deckende farbige Schicht loeal zu entfernen,so z. B. auf Gewändern Randstickercien in farblosem oder nachträglich mit Silberlasirtcm gelbem Glase wiederzugeben; doch blieb die Aetznng ein nur gelegentlichbenutztes Hülfsmittel, so lange die Herstellung der Zeichnung auf dem das Glasvor dem Angriff der Flußfäure schützenden Deckgrunde auf jedem zu ornamenti-renden Objecte eigens mit der Hand ausgeführt werden mußte. Die Bestrebun-gen der folgenden Zeit waren zunächst darauf gerichtet, eine geeignete Weiseder Anwendung der Säure zu finden, die ein Umgehen der Entwickelung des inhöchstem Grade corrosiv auf alle Schleimhäute, ja selbst auf die Epidermis wirken-den Säureüberschusses ermögliche, und wurde zu solchem Zwecke bereits vonBerzelius, der Ersatz der freien Säure durch Fluorammonium empfohlen,dieses Salz auch wohl von R. Böttger zu Frankfurt a. M. und E. Bromeis,in Hanau bei Herstellung ihrer mit einem „unschädlichen Aetzmittcl" hergestellten

I Wagner's Jahresbericht IN (1873), 474, nach ,/1'bs Sotsnos Usooi-cl«. —2) Leng: Glasfabrikation (1835), S. 400.