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Filigranglas.
hatte und seit 1601 die Namen der eingeborenen, zur Glassabrikation berechtigtenFamilienglieder in ihr „goldenes Buch" eintrug.
War auch der für den Handel Venedigs wichtigste Theil der einheimischenGlasindustrie: die Kunst der Stein- und Perlenimitation, für deren frühzeitigehohe Entwickelung schon die Thatsache spricht, daß sich der venetianischc Senat1445 genöthigt sah, muranesische Steinfabrikanten, die ihre Waare als echt ver-kauft, an Geld und Freiheit zu strafen, so wird doch im 14. Jahrhundert auchschon der Fabrikation luxuriösen Hohlglases lobend gedacht, und gelangte diese im15. Jahrhundert, um welche Zeit die neue freiere Behandlungsweise des Filigrandie Herstellung der „vasi ritorti" oder, wie die Bezeichnung jetzt meist lautet,„vasi a litiZraiia ritorts." zuerst auftaucht, zu hoher Blüthe.
Wo bei den älteren venctianischen Gläsern einfache oder gemusterte Glasstäbezur Decoration verwandt worden, finden wir solche so gut wie ausschließlich nurzur Bildung des Stengels, auf dem sich das Glas erhebt, benutzt, oder als rundeSchnur und flach gedrücktes Band dem eigentlichen Glaskörper aufgeschmolzen.Die neue Behandlungsweise benutzte ihre Stabclemente nicht mehr als äußerlichedecorative Beigabe, sondern verlegt sie, für das Auge wenigstens, in die geformteGlasmasse selbst, ähnlich, wie solches in den oben erwähnten „vasi kioriti" ge-schehen, nur daß nicht, wie dort, kurze Stababschnitte senkrecht auf die Glasoberflächegestellt wurden, sondern die eingeschmolzeuen Stäbe, über die ganze Höhe des gebil-deten Gefäßes verlaufend, den inneren farblosen Kern regelmäßig umspannen resp.gar nicht mehr hervortreten ließen.
Soll ein Gefäß dieser Art geliefert werden, so verfährt der Arbeiter ähnlich,wie wir es bei Anfertigung der Filigranstäbe gesehen haben. Wie dort meist, sosetzt er auch hier in eine Thonform, längs der aufsteigenden Wand, einen in sichgeschlossenen Kranz einfacher, oder bereits zusammengesetzter und gewundener Ele-mente ein, füllt aber den übrigen Raum der Form, statt mit einem eingetauchtenVollchlinder, durch ein an der Pfeife erblasenes Kölbchen, an das er, es in derdie Stäbe enthaltenden Form weiter aufblasend, den Stabkranz anheftet. Wieauf dem Vollchlinder, so liegen die mit dem Kölbchen aus der Form gehobenenStäbchen zunächst als erhabene Rippen auf dem farblosen kleinen Ballon, dieserwird daher angewärmt und durch Marbeln seine Oberfläche geebnet, dann dasKölbchen mit der Zange nach unten zu ausgezogen, der keine Streifen zeigendeBoden mit der Scheere abgeschnitten, die das Stabmuster enthaltenden Wandungenan ihrem unteren Ende hierauf zusammengekniffen, und hierdurch alle Stabendenin einem Punkte vereinigt. Ist dieses geschehen, so kann, nach erfolgte« Wieder-anwärmen, das zu bildende Gefäß wie gewöhnlich ausgearbeitet werden, wobei esdann eine von oben nach unten verlaufende, je nach dem Umfange der Wand balddichtere und schmälere, bald weitläufigere und kräftige Streifung gewinnt. Solldie Musterung nicht in der Normalen des Gefäßes verlaufen, sondern in Schrauben-linien um dasselbe herum aufsteigen, so fixirt der Bläser das durch Zusammen-kneifen gewonnene neue, knopfförmige Ende seines Kölbchens mit der Zange, undläßt seine Pfeife, je nach Erfordcrniß, ein oder zwei rollende Umdrehungen aufden Führungsarmen des Glasmacherstuhls machen, wobei, wie bei den „vanno