Fensterglas. 367
(Wearmouth, Grafschaft Durham), mit Glasscheiben, die aus Gallien einge-führt werden ^).
Nach eingehender Prüfung antiker Fensterglasfragmente (aus Pompeji) erklärtBontemps dieselben für gegossen und gepreßt, doch muß ich gestehen, daßmir dieFrage über die Herstcllungswcise derselben nicht entschieden erscheint, da die vonBontemps angeführten Gründe2) für seine Erklärung noch lange nicht jedenZweifel ausschließen.
Im 11. Jahrhundert kannte man jedenfalls schon die Herstellung des Tafel-glases durch Blasen und Strecken, die Theophilus in nachstehender Weise schil-dert, ohne irgend zu erwähnen, daß sie etwas Neues^).
„WillstDu Glastafcln machen, so nimm Deine eiserne Pfeife und tauche ihrEnde in einen Hafen voll Glas, und sobald letzteres an die Pfeife anzuhaftenbeginnt, drehe die letztere in Deiner Hand, bis sich an sie so viel angesetzt, als Dubedarfst. Ziehe sie dann rasch heraus, setze sie an den Mund, blase ein wenighinein, setz' ab, und drücke die Pfeifenöffnung gegen Deine Backe, —. Vor demWerkloche mögest Du einen ebenen Stein haben, auf den Du das glühende Glasvorsichtig aufstößt, damit es auf allen Seiten gleichmäßig (an der Pfeife) hänge.Blase nun wiederholt hinein, und entferne die Pfeife stets sogleich wieder vonDeinem Munde. Siehst Du nun, daß es (das aufgeblasene Glas) wie eine langeBlase herabhängt, so nähere ihre Spitze der Flamme (des Arbeitsloches), wo datmdiese sogleich zu schmelzen beginnen, und sich in ihr eine Oeffnung zeigen wird.Nimm nun ein hierzu angefertigtes Holz und erweitere diese Oeffnung bis sie sogroß, als in der Mitte (als die innere Weite der Blase) ist. Verbinde nun (drückenun in der Mitte zusammen) die Oeffnung, nämlich den oberen Theil (der Wand)mit dem unteren, so daß sich zu beiden Seiten der Vereinigungsstelle eine Oeffnungzeigt 4). Berühre dann mit einem feuchten Holze das Glas dicht vor der Pfeife,gieb einen leichten Schlag (auf letztere) und sie wird sich (vom Glase) abtrennen.Erhitze dann die Pfeife von Neuem im Feuer des Ofens, bis das an ihr haftendeGlas zu schmelzen beginnt, bringe es rasch an die Verbindungsstelle des (zusammen-gedrückten oberen und unteren) Randes und es wird sich hier anheften. Erhebees (Pfeife mit anhaftender geöffneter Blase) nun, und halt es in die Flamme desOfens, bis die Oeffnung, wo Du erst die Pfeife abgesprengt, erweicht, und nachdemDu Deinen runden Holzstab wieder zur Hand genommen, erweitere auch diese Oefs-nung wie die erste, drücke auch sie (ihre Wände) in der Mitte ein, sprenge diePfeife wieder mit dem feuchten Holze ab, und laß (den eingeknickten Hohlcylinder)von Deinem Gehilfen auf einem in die Oeffnung gesteckten Stäbe in den Kühlofcn,der nur mäßig erhitzt fei, tragen.
Ist Dein Glas abgekühlt, so nimm den ganzen Inhalt Deines Ofens ausletzterem heraus und laß im (Streck-) Ofen, in dem (das Glas) ausgebreitet undgeebnet werden soll, ein starkes Feuer entzünden. Sobald der Ofen in Gluth,
Hamberger 1. 0 . — 2 ) drücke cku vsrrisr, p. 226. — ch Lobsänla äi-vsrsarnin artinm 2, 6 st 9. — Die Stelle ist im Originaltext unklar: „OsincksoonfnnAS orara ipsins, snpsriorsrn vicksliost pariern aä intsriorsnr, ita ut exutragns parts oonjnnstioräs toramsn apxarsat." Der Sinn ist entschieden der,daß der Querschnitt der Oeffnung die Form einer liegenden erhält, in deren Mitledie Pfeife angeheftet wird.