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Geblasene Spiegel.
Plinius' über derartige Gläser. Um 1240 erfahren wir dann schon Näheresüber das Belegen des Glases durch Vincent von Bauvais, der erklärt: das„Blei" werde dem Glase aufgeschmolzen I, und erwähnt solcher bleibelcgter Spiegeldann in den siebcnziger Jahren desselben Jahrhunderts Joh. Peckham in seiner„Usrspeotivn oominunis", als der gewöhnlichen.
Die kleinen Spiegel dieser Zeit, die auch nachDante (Paradies 2, 89) nochverbleit sind, waren, so weit sich solches beurtheilen läßt, durch die Bank gewölbt,Ausschnitte aus kleineren oder größeren Glaskugeln, die, in Art der sogenanntenMarkasitperlcn, heiß verbleit oder mitZinn überzogen waren. Beckmann be-schreibt das in Deutschland üblich gewesene Herstellungsverfahren derselben infeiner „Technologie" (1787) S. 341 und seinen „Beiträgen zur Geschichte derErfindungen", 3. Bd. 267, und sagt, man habe große Glaskugeln erblasen, indiese, während sie noch heiß waren, Harz oder Colophoninm und hierauf ein Ge-menge gleicher Theile Blei und Spießglas hinein gethan, und dieses in der Kugelherum geschwänkt, bis es als dünne Haut auf der Innenwand des Glases erstarrte,worauf man die Kugel in kleine Stücke zerschnitt.
Wann an die Stelle der bisher erwähnten, mit geschmolzenem Metall über-zogenen, spiegelnden Kugelcalotten die ebenen amalgamirtcn?) getreten, und wodie Heimath solcher Spiegel zu suchen, darüber habe ich bisher Nichts findenkönnen. Wie bereits an a. O. erwähnt, blühte im 13. und 14. Jahrhundert dieSpiegelfabrikation (ob aber die ebener Gläser, ist fraglich) in Deutschland undFrankreich, schon 1373 existirte, nach Jlg b), die Zunft der Glasspieglcr in Nürn-berg, und noch im 14. Jahrhundert lieferten die Hütten dieser Länder ihr Productsogar auf den venetianischcn Markt. Hier, in Venedig, erhielten 1507 Andreaund Domcnego Danzolo dal Gallo ein Privilegium auf die Ausbeutung dervon ihnen erdachten „oosss-xrEsiosustsinZolur" der Herstellung der Krystall-spiegel, eben ein solches 1554 Girolamo Magagnati vonMurano, der Spiegelnach einem von ihm erfundenen Verfahren fabricirtc, und hier bilden dann auch1564 die „sxkLÜisg" schon eine eigene Zunft. Möglich wäre es daher immerhin,daß das Amalgamiren ebener Glastafeln in Venedig erdacht, Bestimmtes ist darüberindeß, wie gesagt, vorläufig noch nicht festzustellen.
Auch die spätere in Murano betriebene weltberühmte Spiegclfabrikation, dieebene größere Gläser producirte^) hüllte sich, wie die übrige dortige Glasindustrie,
H Nach der bereits citirten Bearbeitung Lohsel's: Intsr omuiu msiius sst spson-Inm sx vitro st plnindo— gnuncko snxsrtrriräitrrr plninünin vitro oalliäo — sllioituraltsra xurts tsrirrinntnin valcks rucliosnnr. So auch 8arsxtg, XV., 275: Glä-serne spiegel habe» auch jr eygenschafft, wenn die glaß auff einer sehten mit bleh ver-gossen sehn, das sie menschen angesicht abbilden. Uebereinstimmend hiermit, nur daß anStelle des Bleis wieder Zinn genannt wird, im 14. Jahrhundert bei Conrad v. Megcn-berg 480, 22: inun vermut äin sxisAslAlns uucl tsrnxsrt si mit mn. — 2 ) Amal-gam als Belegematerial für Spiegelkugeln, und zwar ein solches aus 2 Thln. Quecksilber,1 Thl. Wismuth (Marcasit), 0'5 Thl. Zinn und 0'5 Thl. Blei empfiehlt Kunckel: An-merk. zu Neri 7, 114. — ch bei Lobmayr: Die Glasindustrie S. 99. — ch Ein imMuseum von Cluny vorhandener venetianischer Spiegel aus dem 16. Jahrhundert, angeblichHeinrich III. von der Republik geschenkt, zeigt indeß, da er nach Sauzay voller Blasen undRampen, daß das venetianische Glas, nach modernen Begriffen, nichts weniger als schön war.
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